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„Ensemble-Prognose“ : Wie Hessen die Zahl der Covid-Patienten vorhersagen kann

  • Aktualisiert am

Richtungsweisend: Ein Pfeil zum "Covid-19" Bereich klebt vor einer Corona-Intensivstation an der Wand (Symbolbild). Bild: dpa

Mithilfe eines aufwendigen Prognose-Systems kann das Land Hessen präzise vorhersagen, wie viele Covid-Patienten es in den Kliniken geben wird. Das Prinzip funktioniert so ähnlich wie bei der Wettervorhersage.

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          Hessen kann nach Einschätzung des Direktors des Frankfurter Universitätsklinikums die Covid-Fallzahlen ziemlich präzise vorhersagen. Hessen habe ein aufwendigeres Prognose-System als andere Bundesländer, sagte Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Graf leitet auch den Planungsstab stationäre Versorgung am hessischen Sozialministerium und schafft in dieser Funktion die Rahmenbedingungen für die Versorgung der Covid-19-Patienten in den Klinken des gesamten Landes.

          Ein Projektteam des Netzwerks Universitätsmedizin erstelle diese „Ensemble-Prognose“ einmal wöchentlich. „Das ist wie bei der Wettervorhersage“, erklärte Graf der Deutschen Presse-Agentur. Die Datenmenge sei so umfangreich und die Modelle seien so komplex, dass die Großrechner damit mindestens einen halben Tag beschäftigt seien.

          Eingespeist werden zum Beispiel die aktuellen Belegungszahlen der Krankenhäuser, die Ergebnisse der Corona-Tests aus den Landkreisen und der R-Wert, der angibt, wie schnell das Virus sich verbreitet. Mathematische Modelle errechnen dann aus diesen Ist-Daten die Vorhersage für die nächste Woche. „Damit können wir die Entwicklung ziemlich präzise vorhersagen und unsere Kapazitäten in Hessen planen und steuern“, sagte Graf.

          Mehr Daten als bundesweit gemeldet werden müssen

          Mit einer „Hospitalisierungsverordnung“ wurden Krankenhäuser in ganz Deutschland Mitte Juli verpflichtet, mehr Daten über Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen als bisher – zum Beispiel nicht nur die auf Intensivstationen, sondern alle Krankenhausaufnahmen. Diese Verordnung sei „insgesamt positiv zu sehen“, sagte Graf, „für Hessen ist sie aber nicht nötig“. In die hessische Prognose flössen mehr Daten ein, als bundesweit gemeldet werden müssen.

          Außerdem fehle im Bund aktuell noch „ein Handlungsarm, der aus den Erkenntnisse konkrete Aktionen ableitet“, sagte Graf. In Hessen würden aus den Vorhersagen sofort Schlüsse gezogen – etwa Vorhaltezahlen für Kliniken erhöht oder Patienten umverteilt, um die Notfallversorgung flächendeckend sicherzustellen. „Um dies tatsächlich für alle Krankenhäuser zu gewährleisten, braucht es allerdings nicht nur Prognosen und Zahlen, sondern vor allem Vernetzung, Koordination und Kommunikation“, sagte Graf.

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