https://www.faz.net/-gzg-a0y5j

Mehrwertsteuersenkung : Neue Preisschilder und Abzüge an der Kasse

Cent für Cent: Der Handel gibt auf sehr unterschiedliche Weise die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weiter, das führt auch zu neuen Preisen. Bild: Lando Hass

Von diesem Mittwoch an gilt die ermäßigte Mehrwertsteuer für viele Produkte. So nutzen Händler die von Mittwoch an geltende Neuregelung für Rabatte.

          3 Min.

          Supermärkte

          Bei Tegut war der Blick auf den Kassenzettel schon am Montag erfreulich. Unter jedem Posten stand einzeln aufgeführt „2% Mwst.-Vorteil“ und dann ein Betrag von 0,02 Euro und mehr, je nach Preis des Lebensmittels. Tegut hatte schon das Wochenende genutzt, um die Kassen umzustellen. Bei der Haarbürste für 5,99 Euro wurden mit 18 Cent sogar komplette drei Prozent abgezogen, weil dafür der höhere Mehrwertsteuersatz galt, der vom heutigen Mittwoch an allgemein von 19 auf 16 Prozent verringert wird. Bei Lebensmitteln sinkt der Steuersatz von 7 auf 5 Prozent.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Bei Rewe hingegen zuckt die Kassiererin erst einmal mit den Schultern bei der Frage, wie denn die Steuersenkung gehandhabt werde. „Ab Mittwoch“, ruft schließlich eine Kollegin. Dann werde auch hier die Steuersenkung weitergegeben. Wie das geschehen soll, wissen die Kassiererinnen jedoch nicht. Im Internet wirbt die Supermarktkette mit dem Hinweis, dass eine große Zahl an Produkten im Sortiment im Preis gesenkt werde, in dieser Woche sind es die Drogerieartikel. Ein Rewe-Sprecher teilt dazu mit: „Im Lebensmitteleinzelhandel führt eine Absenkung der Mehrwertsteuersätze von zwei bis drei Prozentpunkten bei einem durchschnittlichen Einkauf für Verbraucher nur zu geringen Einsparungen. Das ist Rewe zu wenig.“ Deshalb senke Rewe die Preise bei vielen Warengruppen und Artikeln „deutlich und dauerhaft über die Mehrwertsteuersätze hinaus“.

          In den Penny-Märkten, die zur Rewe-Gruppe gehören, wird den Kunden vom 1. Juli bis 31. Dezember auf alle Produkte ein Rabatt gegeben, davon ausgenommen sind Tabakwaren mit Steuerbanderole, Verlagserzeugnisse, Pfand sowie aufladbare Geschenk- und Guthabenkarten. Der Abzug erfolge automatisch beim Kassieren und werde auf dem Bon ausgewiesen. Genauso machen es auch die zu Rewe gehörenden Toom-Märkte. Dieses Vorgehen habe der Bund den Händlern erlaubt, heißt es. In den Hit-Supermärkten wird versprochen, nicht nur konsequent jeden Mehrwertsteuer-Vorteil weiterzugeben, sondern alle Preise mindestens auf den nächstniedrigeren vollen Cent-Betrag zu reduzieren. Darüber hinaus habe man zusätzlich viele tausend Artikel auf den nächstniedrigeren Fünfer- oder Neuner-Cent-Betrag reduziert.

          Möbelhäuser

          Aus den Möbelgeschäften heißt es einhellig, die Steuersenkung werde an die Kunden weitergegeben. Ein Sprecher von Segmüller erläuterte, bei Artikeln, die direkt an der Kasse bezahlt würden, werde der Steuernachlass dort abgezogen, auf eine Umzeichnung der Ware sei verzichtet worden. Bei Möbeln, bei denen der Verkäufer den Kaufvertrag aufsetze, ziehe dieser den Nachlass ab. Ähnlich verfährt Ikea: Die Deutschlandzentrale in Hofheim-Wallau teilte mit, dass die Preisschilder nicht geändert würden, der Nachlass erst an der Kasse abgezogen werde. Darauf würden die Kunden mit Schildern hingewiesen. Im mittelständischen Möbelhandel wird ähnlich verfahren, „wir geben das an die Kunden weiter“, sagte Bettina Hübner, Geschäftsführerin bei Heide in Frankfurt-Fechenheim.

          Elektrohändler

          Bezogen auf den Aufwand, ist es anscheinend von Vorteil, in einem Elektromarkt zu arbeiten. „Das geht über Nacht automatisch“, sagt der Frankfurter Saturn-Verkäufer zur Preisumstellung, „da müssen wir gar nichts machen.“ Tatsächlich kleben an kaum einem Fernseher, Kabel oder Handy Papierschilder. Die weißen Preisaushänge mit schwarzer Schrift sehen zwar fast so aus, tatsächlich handelt es sich um E-Ink-Displays, ähnlich wie in E-Book-Lesegeräten. Sie sind mit einem Zentralrechner verbunden, der sie über Nacht auf den neuen Steuersatz und auf neue Preise umschaltet. Wobei, ganz reibungslos klappt die Umstellung nicht. Der Konzern hatte damit gelockt, dass man die Steuersenkung vor dem 1. Juli an Kunden weitergebe. Wer noch am Dienstag im Online-Shop bestellte, entdeckte auf der Rechnung die Zeile „MwSt-Ausgleich“ und einen kleinen Rabatt. Wer dagegen in der Filiale im Skyline Plaza einkaufte, suchte die Rückerstattung auf dem Bon vergeblich.

          E-Preisschilder gibt es aber nicht überall. Von Conrad heißt es, „bedingt durch die Komplexität der Preisbeschilderung“ sei die neue Auspreisung nicht einfach, auch wenn man mit Hochdruck daran arbeite. „Dabei fokussieren wir uns im ersten Step auf Sortimente, die von unseren Filialkunden am meisten nachgefragt werden“, erläutert eine Sprecherin des Unternehmens, das Filialen in Mainz und Frankfurt betreibt.

          Beim Rechnerspezialisten Arlt an der Mainzer Landstraße ist man derweil damit beschäftigt, die Prozentrechnung zu erklären. „Das sind ja gar keine drei Prozent weniger“, sagt der Verkäufer dort. Die Mehrwertsteuer, erklärt er einem Kunden, werde auf den Nettopreis aufgeschlagen. Wenn diese nun geringer ausfalle, entspreche das einer realen Preissenkung von rund 2,5 Prozent. Ein Computer, der zum Beispiel 999 Euro kostet, wird also nur circa 25 Euro billiger. Das ist dem Kunden zu wenig, um den Monatswechsel abzuwarten – er kauft den neuen Rechner noch am selben Tag.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Schnitzeljagd ohne Schnitzel

          Natur-Gewinnspiel in Bad Soden : Schnitzeljagd ohne Schnitzel

          Manche Fragen sind zu leicht, andere lassen grübeln. Bei einem Gewinnspiel in der Natur rund um das hessische Altenhain geht es um Speierling, Tote und Eisenbakterien. Anhand von QR-Codes lässt sich die Heimat ganz neu entdecken.

          Topmeldungen

          Die amerikanische Schriftstellerin Lily Brett

          Amerika in der Krise : Wie New York unter Trump und Corona leidet

          Donald Trump hat einen Grausamkeitskoeffizienten, der den größten Diktatoren zum Neid gereichen könnte, schreibt die Schriftstellerin Lily Brett. Über die Hoffnung der Amerikaner auf eine gerechtere Zukunft.

          FC Bayern trifft auf Barcelona : „Das kann ein Problem sein“

          Der souveräne Sieg über Chelsea ist schnell abgehakt in München. Das Duell mit Barcelona beim Finalturnier elektrisiert die Bayern. Doch nicht nur Lionel Messi macht Sorgen. Auch ein wichtiger Münchner Spieler humpelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.