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Eintracht gegen Donezk : „Mamma mia, sind die schnell“

Stand in dieser Saison selten auf dem Platz: David Abraham hat bereits 15 Partien verpasst. Bild: EPA

In der laufenden Saison hat David Abraham bereits 15 Partien verpasst. Gegen Schachtar könnte der Kapitän der Eintracht die Abwehr stärken. Trainer Adi Hütter wird trotzdem improvisieren müssen.

          David Abraham ist vorsichtig geworden. Der Argentinier sammelt schon seit anderthalb Jahrzehnten Erfahrungen im Profifußball. Im Laufe seiner Karriere hat er einige Verletzungen, die ihn kurzfristig zurückwarfen, wegstecken müssen und daraus seine Lehren gezogen. So anfällig wie in dieser Saison war sein Körper lange nicht: Oberschenkelprobleme, Adduktorenbeschwerden und eine Wadenblessur sorgten dafür, dass der Kapitän der Eintracht bis jetzt 15 Partien verpasste. In der Hinrunde meldete sich der 33-Jährige im Anschluss an den Auswärtseinsatz in Augsburg Mitte November (2:2) angeschlagen ab, nach der Winterpause war er gegen Freiburg (3:1) dabei, doch schon in Bremen (2:2) musste er aufs Neue raus. Das Warten auf sein hundertstes Bundesligaspiel ging auch am Wochenende weiter.

          Beim 1:1 gegen Mönchengladbach konnte Abraham die Teamgefährten wiederum nur verbal unterstützen: Der Südamerikaner saß am Sonntag im legeren Freizeitoutfit mit weißem Kapuzenpulli und Jeans am Rand der Auswechselbank. Er verließ die Arena erst am Abend, es gab viel zu besprechen im Lager der Eintracht, die zum fünften Mal nacheinander unentschieden spielte. Abrahams Comeback steht bevor, doch ob er sich das schon gegen Schachtar Donezk am Donnerstag zutraut, ließ er offen. „Mal sehen“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung, und dass er nichts überstürzen wolle, weil er lieber „ganz sicher“ sein wolle, dass er uneingeschränkt zur Sache gehen könne. Bei Sprints gab es zuletzt keine Probleme mehr, „nur ein bisschen Kondition“ fehle noch. Am Montag, während die Kollegen ein lockeres Trainingsprogramm absolvierten, nutzte Abraham die Gelegenheit für einen nächsten Belastungstest.

          Eine internationale „Nervenprobe“

          Einen wie ihn, der im Normalfall gut zu Fuß ist und mit seinen läuferischen Fähigkeiten, der Cleverness im Zweikampf sowie der Routine im Stellungs- und Kopfballspiel zur Stabilität der Abwehr beitragen kann, wüsste Trainer Adi Hütter gerne im Kader, wenn es gegen die Ukrainer um den Einzug ins Europa-League-Achtelfinale geht. Das 2:2 im Hinspiel, mit dem das Team aus der Kälte von Charkiw heimkehrte, erscheint auf den ersten Blick als vielversprechendes Ergebnis. Doch seitdem hat sich die personelle Lage der Eintracht verschlechtert: Mit Sebastian Rode, der bereits nach der ersten Halbzeit gegen Donezk in der Kabine blieb, und nun auch Gelson Fernandes, den es gegen die Borussia am Oberschenkel erwischte, fehlen Hütter wohl gleich zwei kompromisslose Ordnungshüter, die gegen Schachtar gesetzt gewesen wären, um den Wirkungskreis der flinken Angreifer um den Brasilianer Taison einzuengen. „Mamma Mia, sind die schnell“, sagte auch Abraham, der die Partie am Fernseher verfolgt hatte. „Bei Donezk“ sagte er, „ gehen wirklich alle nach jedem Ballgewinn steil.“

          Für Danny da Costa, der mit seinem Treffer in der 45. Minute zum Remis gegen Gladbach beitrug, handelt es sich bei der kommenden Auseinandersetzung um eine internationale „Nervenprobe“. Dem Selbstvertrauen hätte ein „dreckiger Sieg“ gegen die Borussia „sicherlich gutgetan“, doch für den 25-Jährigen „gibt es Schlimmeres als ein weiteres Unentschieden gegen eine Top-Mannschaft“. Da Costa verwies zudem auf die Hinrunde, als gegen Bremen (1:2), Dortmund (1:3) und die „Elf vom Niederrhein“ (1:3) ausschließlich Niederlagen raussprangen: „Ich denke, da stehen wir heute ein bisschen besser da.“ Hütter sagte dazu: „Wir sind momentan mit der Eichhörnchen-Taktik unterwegs.“ Mit 34 Zählern nach 22 Spieltagen rangiert die Eintracht aktuell auf dem siebten Tabellenplatz – die Verfolgergruppe von Spitzenreiter Dortmund befindet sich nach wie vor in Sichtweite. Für da Costa ein Indiz für die eigene Stärke, die auch Schachtar Donezk fürchten dürfe, das mit zwei Scouts am Wochenende in Frankfurt vor Ort war: „Wir haben ihnen gezeigt, was wir können. Und bei uns zu Hause wird die Hütte brennen“, prophezeite der Frankfurter Dauerbrenner, der bis heute alle Pflichtspiele bestritt: „Auf uns wartet eine Riesenmöglichkeit. Jetzt können wir zeigen, wie stark wir auch mental sind.“

          Hütter wird improvisieren müssen, um die Defensive so zu formieren, dass sie dem zu erwartenden Schwung des Gegners standhält. Jetro Willems und Jonathan de Guzmán konnten auf der Doppel-Sechs ihre Bewährungsproben nur bedingt nutzen; sie gingen mitunter unentschlossen in die Duelle um den Ball und offenbarten Schwierigkeiten, wenn es galt, mit Tempo von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Als Alternative stehen Marc Stendera und Marco Russ bereit, die ihrerseits aber auch nicht zu den besonders flotten Vertretern ihrer Zunft zählen. Womöglich wird Makoto Hasebe, der aktuell in einer Form auftritt, mit der er über jeden Zweifel erhaben ist, auf seine alten Tage abermals seine Variabilität beweisen dürfen und auf den Posten vor der Dreierkette rücken, wo der 35-Jährige ein Duo mit Mijat Gacinovic bilden könnte. Eine Idee, mit der sich Hütter wohl vor allem dann anfreunden würde, wenn ihm Abraham als Sicherheitsbeauftragter in der Innenverteidigung doch noch zur Verfügung stünde.

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