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Neue DFB-Akademie : Hohe Halme, tiefe Gruben

  • -Aktualisiert am

Sportbaustelle: Auf den Teilen dieser Bodenplatte wird später das Verwaltungsgebäude des Deutschen Fußball-Bunds stehen. Bild: Wonge Bergmann

Drei Monate nach Baubeginn gehen die Arbeiten an der neuen DFB-Akademie voran. Für den nebenan geplanten Bürgerpark dagegen sind jetzt erst einmal neue Nutzer im Gespräch.

          350 Tiere? Meint er das ernst? „Wir haben zu wenige Gärtner, deshalb greifen wir auf Schafe zurück“, sagt Stephan Heldmann, der Leiter des Grünflächenamts. Dann lacht er. Aber den Vorschlag meint er durchaus ernst. Heldmann steht mit ein paar CDU-Politikern zwischen hohen Halmen. Das Gras auf der ehemaligen Galopprennbahn in Sachsenhausen reicht ihm an einigen Stellen bis zur Schulter. Während des jahrelangen Rechtsstreits um die Nutzung des Areals hatte die Natur viel Zeit, das Gelände einzunehmen.

          Die Schafe sind für jenes Stück gedacht, auf dem einmal der neun Hektar große öffentliche Bürgerpark entstehen soll. Offiziell heißt der erst einmal „Bürgerpark Süd“. In Workshops und einer Online-Umfrage konnten Bürger ihre Ideen einbringen. Allerdings gibt es keine fertigen Pläne für den Park. Erst im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten dafür.

          15 Hektar große Fläche

          Einige hundert Meter weiter wächst das Gras nur spärlich, stattdessen besteht der Boden aus Sand und Kies. Dort entsteht die neue, bis zu 150 Millionen Euro teure DFB-Akademie, in der die Verwaltung des Deutschen Fußball-Bunds unterkommen wird und Spieler, Trainer und Schiedsrichter ausgebildet werden sollen. Mehr als 500 Mitarbeiter sollen dort arbeiten. Auch die Nationalmannschaften sollen sich dann dort vorbereiten.

          Neben dem Verwaltungsgebäude soll der Komplex unter anderem auch Trainingsplätze, Gastronomie und Spielerunterkünfte enthalten.

          Seit dem Spatenstich im Mai hat sich einiges getan. Auf dem etwa 15 Hektar großen Gelände sind riesige Gruben ausgehoben, durch einige ziehen sich Stahlgitter und Rohre.

          Neben den Sandbergen stehen Kräne und Bagger. In einer Pump-Anlage gurgelt das Grundwasser, das an anderer Stelle wieder im Boden verpresst wird. Einzig das Eingangstor ist von der ehemaligen Galopprennbahn noch geblieben, denn es steht unter Denkmalschutz.

          Silicon Valley des deutschen Fußballs

          Noch führen staubige Wege an den Ort, an dem in zweieinhalb Jahren ein Komplex mit Kunst- und Naturrasenplätzen, Fußballhalle, Lehrräumen, Medienzentrum, Verwaltungsgebäude und Spielerunterkünften stehen soll. „Zeitlich und finanziell verlaufen die Bauarbeiten nach Plan“, sagt Projektmanager Winfried Naß. „Ich glaube, die ganze Stadt ist froh, dass es endlich losgehen kann“, sagt Sportdezernent Markus Frank, der den Baustellenbesuch der CDU-Fraktion begleitet. „Dieses Silicon Valley des deutschen Fußballs hat sportpolitisch die gleiche Bedeutung wie die Europäische Zentralbank für den Finanzplatz Frankfurt.“

          Wildnis: Wo der Bürgerpark hinkommen soll, wächst jetzt noch so ziemlich alles.

          Lange Zeit stand nicht fest, ob die DFB-Akademie überhaupt auf dem ehemaligen Rennbahngelände gebaut werden dürfte. Die Rechtsstreits zwischen der Stadt und den Rennbahn-Freunden hatten sich über Jahre hingezogen. Im September 2017 schließlich wies der Bundesgerichtshof die Einwände des Vereins zurück: Damit war der Weg frei.

          Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Robert Lange, spricht von einer „gefühlt unendlichen Geschichte“. Umso erfreulicher sei es, dass nun der Bürgerpark und die DFB-Akademie gebaut würden. „So werden die kleinen und großen Stadtkinder an die Natur herangeführt. Und auf der anderen Seite entsteht das Kompetenzzentrum Fußball für die Profis der ersten und zweiten Liga.“ Der Grundstein der Akademie soll am 26. September gelegt werden. Parallel zum Bürgerpark Süd soll die DFB-Akademie voraussichtlich Ende 2021 fertig werden. Dann wird auch dort wieder Gras den Boden bedecken. Zum Mähen werden dann keine Schafe mehr nötig sein.

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