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Henry Jaeger : Knastbruder und Bestseller-Autor

  • -Aktualisiert am

Raus aus der Gefängniszelle, ran an den Schreibtisch: Henry Jaeger zwischen Tastatur und Aschenbecher Bild: Mickey Bohnacker

Ein Banden-Chef wird Schriftsteller. Doch die Granden der Literaturkritik haben den Frankfurter Buben Henry Jaeger nie richtig anerkannt.

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          Im Zuchthaus hat Henry Jaeger seinen ersten Roman geschrieben. Auf Klopapier. In 17 Sprachen wurde das 1962 erschienene Werk des Verbrechers danach übersetzt. „Die Festung“, eine Geschichte über das schwere Schicksal einer Familie aus Ostpreußen, die auf der Flucht vor den Russen in einer als Notunterkunft genutzten Festung lebt, erreichte eine Auflage von mehr als 750.000 Exemplaren und wurde 1964, zwei Jahre nach ihrem Erscheinen, unter dem Titel „Verdammt zur Sünde“ mit Hildegard Knef in einer der Hauptrollen verfilmt. Auch die nachfolgenden Romane waren Bestseller – zumindest viele.

          Karl-Heinz Jäger hieß der Autor mit bürgerlichem Namen, doch der gewitzte Frankfurter Bub wusste genau, dass niemand das Buch eines Karl-Heinz kaufen wollte. Also legte der Autor sich den weltmännisch klingenden Vornamen Henry zu, der später gut zum Lebemann und Playboy in der Künstlerkolonie in Ascona passte, wohin Jaeger 1965 gezogen war und wo er viele Nächte mit künstlerischen Berühmtheiten wie dem Schriftsteller Erich Maria Remarque versoff.

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