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Kommentar : Wichtiges Zeichen für die Religionen

In Frankfurt will die Politik den Religionsgemeinschaften vom neuen Jahr an mehr öffentliche Aufmerksamkeit schenken, gerade den kleineren. Die Idee der Stadtpolitik und des Rates der Religionen ist gut.

          Religion ist Privatsache. Das stimmt und stimmt zugleich nicht. Natürlich ist es jedermanns Sache, ob er sich religiöse Überzeugungen zu eigen macht und, wenn ja, welche. Auf der anderen Seite spielen Religionen im öffentlichen Leben eine Rolle. Deren Einfluss wird vor allem anhand von Konfliktfällen thematisiert. Beispiele dafür gibt es genug, von harmloseren Fällen bis hin zur Radikalisierung junger Leute, gegen die strikt vorgegangen werden muss.

          Dennoch können Religionen Menschen zusammenführen. Beispielsweise boten Kirchen nach dem Terroranschlag in Berlin konfessions- und religionsübergreifend viel Raum für Trauer und Klage vor Gott, welchen Namen ihm einzelne Religionsgemeinschaften auch immer geben.

          Eine gute Idee

          In Frankfurt will die Politik den Religionsgemeinschaften vom neuen Jahr an mehr öffentliche Aufmerksamkeit schenken, gerade den kleineren. Gedacht ist an Empfänge des Oberbürgermeisters zu hohen Feiertagen. Die Idee der Stadtpolitik und des Rates der Religionen ist gut - gerade in Zeiten, in denen der Glaube ins rein Private gedrängt werden soll oder aber von gefährlichen Extremisten für ihre Zwecke missbraucht wird.

          Es ist außerdem tatsächlich an der Zeit, auch kleineren Religionen eine größere Anerkennung zuteil- werden zu lassen, denn auch sie gehören zu Frankfurt. Der Stadt zufolge gibt es neben 95 christlichen und 44 muslimischen Gemeinden auch sieben Hindu-Tempel, neun buddhistische Zentren, einen zentralen Sikh-Tempel und die Bahai. Die Zahl der Christen, die den beiden großen Kirchen angehören, liegt zusammen bei nur noch 40 Prozent.

          Die Stadt hat sich in ihrem 2010 verabschiedeten Integrationskonzept dazu verpflichtet, „eine positive Rolle der Religionsgemeinschaften“ zu fördern und einzufordern sowie im öffentlichen Raum die gleichberechtigte Anerkennung und Ausübung religiöser Überzeugungen sicherzustellen.

          Dafür ist das neue Vorhaben ein gutes Beispiel. Religionen können sich präsentieren. Die Stadtpolitik signalisiert ihre Offenheit gegenüber verschiedenen Glaubensrichtungen. Sie kann andererseits, sofern nötig, mahnende Worte finden. Gerade weil es in Hessen derzeit nicht danach aussieht, dass Feiertage anderer Religionen staatlich geschützt werden, ist die Würdigung solcher Tage in Frankfurt ein wichtiges Signal.

          Dass sich der Rat der Religionen auch für einen Feiertag für Nicht-gläubige ausspricht, ist bemerkenswert. Diese ausgestreckte Hand sollten Vereinigungen von Konfessionslosen ergreifen, damit es in grundlegenden Fragen zu einem stärkeren Miteinander religiöser und nichtreligiöser Menschen kommen kann, zumindest in Frankfurt.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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