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Wetterau und Lahn-Dill-Kreis : Klinikverbund steht vor dem Aus

  • -Aktualisiert am

Das Bürgerhospital in Friedberg im Wetteraukreis Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Plan, dass die Lahn-Dill-Kliniken und das Gesundheitszentrum Wetterau eine Dachgesellschaft gründen, steht vor dem Aus. Bei dem Punkt, wer bei einem Patt entscheiden darf, werden die Gesprächspartner sich nicht einig.

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          Der geplante mittelhessische Klinikverbund von Lahn-Dill-Kliniken und Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) steht vor dem Aus. Denn die Verhandlungen zur Bildung einer gemeinsamen Dachgesellschaft sind gescheitert. Zumindest bis auf weiteres. Beide Seiten haben sich nicht auf eine Entscheidungsstruktur in den Aufsichtsgremien für den Zusammenschluss zum Gesundheitszentrum Mittelhessen einigen können. Der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster (SPD), sprach für die Lahn-Dill-Kliniken zwar davon, man sei weiterhin gesprächsbereit. Von Landrat Joachim Arnold (SPD) und dem Bad Nauheimer Bürgermeister Armin Häuser (CDU) als Verhandlungsführer für das GZW aber werden die jüngsten Beschlüsse von Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat der Lahn-Dill-Kliniken als „Absage“ an den Verbund interpretiert.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Nachdem sich beide Seiten auf die Grundlagen eines Zusammenschlusses, bei dem die Kliniken aber ihre Eigenständigkeit behalten, geeinigt hatten, stellten sie das Projekt im Frühjahr vor mit dem Ziel, die Dachgesellschaft noch in diesem Jahr zu gründen. Tatsächlich billigten der Wetterauer Kreistag und die Stadtverordnetenversammlung Bad Nauheim die Kooperation. Gleichwohl gerieten die weiteren Verhandlungen ins Stocken. So gab der Aufsichtsrat der Lahn-Dill-Kliniken ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit in Auftrag, in dem Berichten zufolge von unterdurchschnittlicher Liquidität der Wetterauer Krankenhäuser die Rede war. Schuster sprach jetzt zwar davon, in weiteren Gesprächen sei man zu Lösungen zur Liquiditätsabsicherung und zur Haftung für Altschulden der Krankenhäuser gekommen.

          Gespräche mit anderen Kliniken

          Keine Einigung aber gab es in der zentralen Frage der Entscheidungskompetenz. Das heißt, weil die Lahn-Dill-Kliniken der größere Partner sind, verlangt der Lahn-Dill-Kreis als Mehrheitsgesellschafter das Entscheidungsrecht im Falle eines Patts für sich. Im Vertragsentwurf war vorgesehen, dass der Lahn-Dill-Kreis 62,72 Prozent der Anteile bekommt, der Wetteraukreis und die Stadt Bad Nauheim 37,28 Prozent. Die Lahn-Dill-Kliniken mit dem Klinikum Wetzlar, dem Krankenhaus Braunfels und den Dill-Kliniken in Dillenburg bringen es auf rund 950 Betten, das GZW mit den Kreiskrankenhäusern in Friedberg und Schotten sowie dem städtischen Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim hat knapp 800 Betten. Von den Lahn-Dill-Kliniken wurden zuletzt etwa 40.000 Patienten stationär behandelt, vom GZW knapp 24.000.

          Auf ein Recht zum Stichentscheid zugunsten von Lahn-Dill wollen sich Wetteraukreis und Bad Nauheim allerdings nicht einlassen. Die Verhandlungsführer aus der Wetterau hätten von Beginn an verdeutlicht, dass eine Partnerschaft nur „auf Augenhöhe“ in Frage komme, hoben Arnold und Häuser hervor. Das sei in den rund anderthalbjährigen Verhandlungen auch von den Vertretern der Lahn-Dill-Kliniken geteilt worden. Dieser „fundamentalen Standpunkt“ sei zudem Grundlage für die Zustimmung von Kreistag und Stadtverordnetenversammlung gewesen. „Als es zum Schwur kam, hat man sich offenbar für einen Kurswechsel entschieden“, teilten Arnold und Häuser mit.

          Nach den Vorstellungen von Arnold und Häuser sollen nun Gespräche mit anderen kommunalen Kliniken aufgenommen werden. Als möglicher Partner kämen die Hochtaunus-Kliniken in Frage, entsprechende Sondierungen haben auch schon stattgefunden.

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