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Wetterau : Mit Baldrian auf Wildkatzensuche

Sie lebt zurückgezogen vor allem in urwüchsigen Forsten: Wildkatze Bild: dpa

Ein Naturschutzprojekt will herausfinden, ob es im Büdinger Wald Wildkatzen gibt. Zu diesem Zweck kommt Baldrian an Lockstäben zum Einsatz.

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          Sie lebt zurückgezogen vor allem in urwüchsigen Forsten. Meist begibt sie sich tagsüber in Verstecken zur Ruhe und geht nachts auf Jagd. Zudem sind die einzelnen Populationen klein und bestehen häufig nur aus wenigen Exemplaren. Deshalb bekommt sie kaum jemand zu sehen. Die Rede ist von der Wildkatze. Ob diese scheuen Tiere auch den Büdinger Wald durchstreifen, das will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in diesem Winter und Frühjahr herausfinden.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          In Zusammenarbeit mit dem für das Gebiet im Osten der Wetterau zuständigen Forstamt Nidda werden deshalb bis April rund zwei Dutzend Lockstöcke aufgestellt, die dabei helfen sollen, den seltenen Tieren auf die Spur zu kommen. Sollte es gelingen, die Wildkatze im Büdinger Wald nachzuweisen, wäre das nach den Worten von Susanne Schneider, die das Wildkatzenprojekt beim BUND Hessen koordiniert, von großer Bedeutung. Denn die Wälder bei Büdingen könnten eine wichtige Verbindung zwischen den nachgewiesenen Wildkatzenvorkommen im Spessart und wahrscheinlichen Wildkatzengebieten im Vogelsberg darstellen. „Der Nachweis in Büdingen würde zeigen, dass die Tiere in der Lage sind, dort zu wandern und sich auszubreiten. Das wäre ein Erfolge für den Artenschutz in Hessen“, sagt Schneider.

          „Rettungsnetz für die Wildkatze“

          Der BUND engagiert sich seit rund einem Jahrzehnt mit dem Projekt „Rettungsnetz für die Wildkatze“ für den Schutz dieser gefährdeten Tiere und ihres Lebensraums. Die Wildkatze, deren braun-graues Fell dem der Hauskatze ähnelt, von der sie sich aber durch eine kräftigere Statur und das stumpfe Ende ihres Schwanzes unterscheidet, war einst in unseren Wäldern weit verbreitet. Zunächst vor allem durch die Jagd wurden die Wildkatzenbestände dezimiert, weil viele Jäger sie für verwilderte Hauskatzen hielten. Aber auch freilaufende Hunde setzten ihnen zu.

          Heute besteht für diese Spezies Gefahr vor allem durch die Zivilisation. Straßen zerschneiden Wälder, Landwirtschaft und Siedlungen breiten sich weiter aus. Mit der Folge, dass die Lebensräume der Wildkatze in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner wurden und viele Rückzugsgebiete voneinander isoliert liegen. Was die Populationen verkleinerte und sie anfällig machte für Inzucht und Krankheiten.

          Die Naturschützer wollen Waldstücke wieder miteinander verbinden. In diesem Zusammenhang legen ehrenamtliche Naturschützer beispielsweise mit Bäumen und Hecken bepflanzte Korridore an, was der Wildkatze zusätzliche Reviere verschaffen, den Austausch unter den Populationen ermöglichen und somit die Bestände langfristig stabilisieren und vergrößern soll. In Hessen gibt es ein solches Projekt schon im Rothaargebirge und im Gebiet des Knüll.

          Parallel dazu hat sich der BUND es zur Aufgabe gemacht, die Bestände und deren Ausbreitung zu erfassen. Eine Gendatenbank, die in Kooperation mit dem Forschungsinstitut Senckenberg entwickelt wurde, soll die Entwicklung der Vorkommen und Wanderungen dokumentieren.

          Mit Baldrian besprühte Holzpflöcke

          Für den Nachweis haben sich nach Angaben von Schneider vor allem Lockstöcke bewährt, mit Baldrian besprühte Holzpflöcke, die auf Wildkatzen während der Paarungszeit besondere Anziehungskraft ausüben. Die Tiere reiben sich an dem Holz und lassen dabei Haare, erläutert die Wildkatzenexpertin. Durch genetische Untersuchungen lässt sich dann feststellen, ob die Haare an den Stöcken von einer Wildkatze stammen oder nicht.

          In den nächsten Monaten werden also Bedienstete des Forstamts Nidda sowie freiwillige Helfer in den Revieren Stornfels, Ober-Lais, Ortenberg und Büdingen auf die Suche nach Katzenhaaren gehen. Nach Angaben von Bernd Reißmann, Forstamtsleiter in Nidda, berichteten Revierleiter zwar gelegentlich, Wildkatzen gesehen zu haben, an Nachweisen aber fehle es. Mit der Lockstock-Methode ist es schon gelungen, in einigen Gebieten Hessens Wildkatzen auf die Spur zu kommen. Von zuletzt rund 160 Haarproben konnte etwa ein Drittel Wildkatzen zugeordnet werden. Etwa die Hälfte diese Nachweise stammt aus dem Rothaargebirge.

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