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Wettbewerb : Günstige Wohnungen für jedermann

Zuhause für Heimwerker: Im Ausbauhaus in Neukölln konnten die Bewohner selbst Hand anlegen. Bild: Naumann Friedel

Die Wohnkosten liegen für viele Frankfurter an der Schmerzgrenze. Mit einem Wettbewerb will die Stadt zeigen, dass es anders geht.

          Es ist ein Rätsel. In anderen Großstädten gibt es vorzeigbare Beispiele, wie man günstige und zugleich ansprechende Wohnhäuser bauen kann. Nur in Frankfurt muss man mit der Lupe danach suchen. Bisher. Die Stadt will das ändern und hat gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG und dem Deutschen Architekturmuseum den Wettbewerb „Wohnen für alle“ ausgeschrieben, der genau dieses Defizit beheben soll. Ideen für bezahlbare, neuartige und architektonisch wertvolle Wohngebäude sind gesucht, von denen die ABG drei oder vier im Neubaugebiet Hilgenfeld realisieren will. Die erste Runde des Wettbewerbs ist nun abgeschlossen, zehn Finalisten sind in einer Ausstellung im Architekturmuseum zu sehen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dessen Direktor Peter Cachola Schmal erinnerte an den Anspruch, dass „Wohnen für alle“ mehr als nur Sozialwohnungen umfasse. Auch die Mittelschicht könne sich die Wohnungspreise in Frankfurt kaum noch leisten. „Also ziehen die Leute raus. Das kann nicht das Ziel unserer Städte sein.“

          Zehn Architekturbüros in der Endrunde

          130 Architekturbüros haben sich beworben, zehn sind in die Endrunde gekommen und sollen nun Testentwürfe für ein Grundstück der ABG liefern. Sie haben sich mit Referenzprojekten beworben, die alle in anderen Städten verwirklicht wurden, nämlich in Zürich, Paris, Amsterdam, Berlin und München. Mit Schneider und Schumacher ist auch ein Frankfurter Büro in der Endrunde, aber das Referenzprojekt mit sehr dichten und kompakten Wohnungen steht in Wien.

          Die prämierten Ideen reichen von einem Ausbauhaus im Berliner Stadtteil Neukölln, dessen Bewohner selbst die Fliesen verlegt haben, über ein konsequentes Absenken der Baustandards im französischen Mulhouse bis hin zur Überbauung eines Parkplatzes mit Wohnungen aus Holzmodulen in München. Zwei Architekten haben sich mit Projekten auf dem Züricher Hunziker-Areal für die Endrunde qualifiziert. Sie reduzierten die individuellen Wohnflächen zugunsten der Gemeinschaftsflächen, boten den Bewohnern aber private Rückzugsräume an.

          Entscheidung fällt im Dezember

          Die ABG stellt für drei Häuser mit 120 Wohnungen ein Grundstück am Eingang des Neubaugebiets Hilgenfeld zur Verfügung. „Sollten vier überzeugende Arbeiten dabei sein, würden wir uns einem vierten Projekt auch nicht verschließen“, meint Geschäftsführer Frank Junker. Abhängig vom jeweiligen Wohnkonzept will die ABG die Häuser entweder selbst bauen und vermieten oder aber das Grundstück in Erbpacht an genossenschaftlich organisierte Wohngruppen vergeben. 15 Prozent der Fläche des Hilgenfelds sind ohenhin für solche Wohnprojekte vorgesehen.

          Die zehn Finalisten sollen bis Oktober einen Testentwurf vorlegen. Im Dezember beurteilt dann die Jury, welches Büro die Anforderungen am besten erfüllt hat. Eines der Kriterien wird der Preis sein. Für die Mietwohnungen strebt die ABG einen Quadratmeterpreis von höchstens zehn Euro an. Im Frühjahr werden die Siegerentwürfe dann in einer zweiten Ausstellung im Architekturmuseum präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt will die ABG auch mit der Erschließung des Hilgenfelds beginnen. Einen Baubeginn Ende 2019 hält Junker für machbar.

          Um die Baukosten zu senken, legen einige Architekten die Bauregeln frei aus. „Vorschriften sind ganz nett. Aber es gibt Möglichkeiten, kreativ damit umzugehen“, sagt Junker. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sieht das ähnlich: „Wir werden uns bei überzeugenden Konzepten flexibel zeigen.“ Der Preis „Wohnen für alle“ soll künftig alle zwei Jahre vergeben und im Herbst 2019 zum zweiten Mal ausgeschrieben werden. Auch dann will die ABG wieder Flächen zur Verfügung stellen, möglicherweise im Innovationsquartier im Nordend. 2025, zum hundertsten Jahrestag der Gründung des „Neuen Frankfurt“, sollen einige Projekte fertig sein.

          „Wohnen für alle. Das Neue Frankfurt 2018“: Die Beiträge sind bis zum 9. September im Architekturmuseum, Schaumainkai 43, zu sehen.

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