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Wettbewerb : Grüne Ideen für das graue Wohnzimmer

  • -Aktualisiert am

Stadtoase trifft „Konstabler Rasen“: Die Entwürfe von Anton Sahler und Johannes Nöbel zeigen, wie die Konstablerwache neu gestaltet werden könnte. Bild: Nassauische Heimstätte

Ginge es nach jungen Architekten, würde an der Zeil Rasen wachsen. Ein Studentenwettbewerb hat Ideen für die Konstablerwache geliefert.

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          Grau, kahl und unbeliebt: Um die Konstablerwache machen die Frankfurter meistens einen Bogen. Nur wenn die Beschicker des Wochenmarkts auf dem Podest in der Innenstadt ihre Stände aufschlagen, wird der Platz zu dem, was er eigentlich sein sollte. Dann verwandelt er sich für ein paar Stunden in ein öffentliches Wohnzimmer.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An einer Verbesserung dieses städtischen Raums haben sich schon viele Architekten aus freien Stücken versucht. In seiner Serie für den Hessischen Rundfunk beispielsweise zieht der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler über die Konstablerwache her, in seinen Augen die schlimmste städtebauliche Sünde der Stadt. Die unterirdische B-Ebene sei „grauenhaft“. Die den Platz umstehenden Häuser trügen eine „lächerliche Blech- und Glasfassade“. Der ganze Platz sei „ein Offenbarungseid für den Städtebau der Moderne“. Mäckler zückt in dem Video seinen Skizzenblock und zeigt, wie man es besser machen kann.

          Tiefer, grüner, freundlicher

          Auch 54Studenten aus ganz Deutschland haben sich jetzt für einen Wettbewerb an dem Platz versucht. Viele von ihnen haben der Konstablerwache das gegeben, was ihr auf den ersten Blick fehlt: viel Grün. Die Stadt allerdings hat es nicht eilig: Weil das Geld fehlt, ist die Sanierung des Platzes bis auf weiteres verschoben worden. Selbst in dem Programm „Schöneres Frankfurt“, das 50Projekte umfasst, ist der Platz nicht enthalten. In den nächsten zehn Jahren wird hier deshalb nichts passieren.

          Tiefer, grüner, freundlicher: Im Entwurf für das Innenstadtkonzept der Stadt wird angedeutet, wo es mit dem Platz einmal hingehen könnte. Die Konstablerwache soll wieder auf das Höhenniveau der umgebenden Straßen abgesenkt und durch eine Doppelbaumreihe auf der Südseite gefasst werden. Das hätte den Vorteil, dass die Passanten nicht mehr an dem aufgetreppten Platz vorbeilaufen, sondern ihn auch benutzen. Am östlichen Platzrand kann sich das Stadtplanungsamt ein leichtes, transparentes und maximal dreigeschossiges Gebäude vorstellen, das die Treppenanlagen zur B-Ebene, technische Infrastruktur und Gastronomie aufnimmt. Von dem dazugehörigen Sommergarten erwarten sich die Planer eine Belebung des Platzes. Im Lauf des Jahres soll der weiterentwickelte und zwischen den Dezernaten abgestimmte Entwurf des Innenstadtkonzepts präsentiert werden.

          Auswirkungen des Klimawandels auf das Stadtklima

          Mit viel Grün wollen auch die Studenten die Aufenthaltsqualität der Konstablerwache verbessern. Die angehenden Architekten, Stadt- und Raumplaner wollen dem zentralen Platz mit „nachhaltiger Planung“ gerecht werden. Die Ergebnisse des vom Förderverein der Landes- und Stadtentwicklungsgesellschaften ausgelobten Wettbewerbs „Klima wandelt Stadt“ sind im Planungsdezernat zu sehen.

          Die Teilnehmer sollten sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf das Stadtklima auseinandersetzen. Schon jetzt gilt der Anstieg der sommerlichen Wärmebelastung im Stadtraum als enorm. Als Planungsgebiete waren außer der Konstablerwache auch der Frankfurter Zoo und ein Hochhauscluster im Bankenviertel vorgesehen. „Wir sind zuerst nach Italien gegangen“, sagt Corinna Fischer, Studentin im Masterstudiengang Architektur an der TU Darmstadt. Sie und ihr Kommilitone Florian Husemeyer haben einen „Markusplatz für Frankfurt“ mit südländischen Zügen entwickelt. Auf eine Ebene reduziert und mit Wasserelementen ergänzt, wollen es die Studenten in ihrem Entwurf den Nutzern überlassen, wie der Platz bespielt wird.

          „Konstabler Rasen“

          Auch Caroline Wachtel und Karolin Kegel machen Wasser zu einem zentralen Thema in ihren Planungen. Die beiden Studentinnen, die ebenfalls die TU Darmstadt besuchen, haben in ihrem Entwurf vorrangig darauf gesetzt, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Mit Wasservorhängen und üppiger Vegetation kreieren sie einen Landschaftspark, der allerdings, wie es in einer Begründung der Jury heißt, teuer zu unterhalten wäre.

          Von „Konstabler Rasen“ sprechen Anton Sahler und Johannes Nöbel. Die Frankfurter Studenten haben die „unbefriedigende städtebauliche Situation durch eine banale Dreiteilung des Platzes strukturiert“, so die Jury. Die beiden werteten den Platz durch überdimensionale Grashalme auf, die „optisch überzeugen“.

          Dass das Thema Konstablerwache nicht nur in Frankfurt aktuell ist, zeigt das große Interesse der Studenten: 19 der 21 eingereichten Arbeiten befassen sich mit dem innerstädtischen Platz. Die Ergebnisse werden jedoch nur als Anregung verstanden. „Die Konstablerwache funktioniert auch jetzt schon, der Wettbewerb soll zeigen, wie es noch schöner gehen kann“, sagt Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen). Mit der Ausstellung verbunden ist ein mit 10000 Euro dotierter Preis, mit dem die herausragenden planerischen Konzepte auszeichnet wurden.

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