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Wettbewerb der Stiftung Buchkunst : Das ist schön so

Gehört zu den Siegern des Wettbewerbs „Schönste deutsche Bücher“: „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky. Bild: Fricke, Helmut

Seit 1966 betreut die Stiftung Buchkunst in Frankfurt den Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“. Gutes Aussehen zählt auch in diesem Jahr, aber einiges ist anders.

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          Dahin, wo das gedruckte Buch ist, muss das E-Book erst einmal kommen. Zwar werden seine Verkaufszahlen weiter steigen, an seinem vergleichsweise hässlichen Aussehen aber ändert das nichts. Die meisten elektronischen Bücher treten, in trauter Eintracht mit ihren Lesegeräten, noch immer in einem Akkord aus Grau, Schwarz und Weiß auf, für dessen brutale Einfachheit sich Papier, Tinte und Umschlag eines gedruckten Buches schämen würden.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Darauf, dass die Gestaltung des traditionellen Buchs der seines digitalen Pendants einstweilen noch immer überlegen ist, setzt Alexandra Sender, seit diesem Frühjahr Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst in Frankfurt. Eingestellt wurde sie von ihrem Vorstand, weil sich an der Wahrnehmung des von der Stiftung seit 1966 organisierten Wettbewerbs „Die schönsten deutschen Bücher“ durch die Öffentlichkeit etwas ändern musste, gerade in Zeiten des digitalen Wandels.

          „Wir wollen schließlich alle ein iPad“

          Dabei ist Sender davon überzeugt, dass schöne Gestaltung nicht nur dem gedruckten Buch gut steht, sondern auch dem E-Book. Dass der ihm gewidmete gestalterische Aufwand hinter dem für die Hardware zurückbleibt, findet sie seltsam. „Wir wollen schließlich alle ein iPad.“ Und das punkte ebenfalls durch das Haptische, den Objektreiz, den überzeugenden Charakter der Ware als schön gestalteter Gegenstand.

          ... wie auch „Morgue und andere Gedichte“ von Gottfried Benn in einer Jubliläumsausgabe.

          Angetreten ist Sender, um in der Stiftung so viel wie möglich für das gut gemachte gedruckte Buch zu tun. Sie kommt aus der Musikbranche, die den digitalen Wandel schon hinter sich hat. Für die Buchbranche sieht sie eine ähnliche Entwicklung voraus. „Das Nutzerverhalten und die Lesegewohnheiten werden zu geringeren Absatzzahlen des gedruckten Buches führen.“ Wie die Verlage und der Buchhandel auf die Veränderung ihrer Geschäftsgrundlage reagieren werden, ist das eine, wie das Buch sich neben Tabletcomputern und E-Readern hält oder mit ihnen koexistiert, das andere. Sender rechnet mit einem Nebeneinander von Büchern im Regal und E-Books auf Lesegeräten.

          „Aber wir werden nicht warten, bis es ein anderer macht“

          Der Wettbewerb um die schönsten deutschen Bücher allerdings sei für E-Books noch nicht der richtige Ort, fügt sie hinzu - noch nicht. „Aber wir werden nicht warten, bis es ein anderer macht.“ Schließlich werde die Stiftung von den Verlagen zunehmend auf den digitalen Wandel angesprochen. Aber das Niveau unnötig senken muss eben auch nicht sein. „Momentan gibt es einfach noch nicht all zu viele Orte, an denen E-Books gestaltet werden, die unserer Aufmerksamkeit wert sind.“ Berührungsängste aber hält sie für lächerlich. „Gedruckte Bücher sind ja heute auch schon alle am Computer gestaltet.“ Es gehe ganz einfach um den vielschichtig faszinierenden Objektcharakter eines aufmerksam gemachten Buches. Und der sei bei den allermeisten E-Books einfach noch nicht gegeben. „Auch E-Books wollen herausragend gestaltet sein.“

          Dass die Teilnahme am Kampf um die schönsten deutschen Bücher bei Verlegern und Gestaltern gedruckter Bücher derweil noch immer sehr beliebt ist, zeigt die Zahl von insgesamt 889 Titeln, die von 396 Einsendern für den diesjährigen Wettbewerb nach Frankfurt geschickt wurden. Wer aus den 25 Schönsten, die vor einigen Wochen bekanntgegeben wurden, zum Sieger bestimmt worden ist und den erstmals mit 10.000 Euro dotierten Preis der Stiftung Buchkunst erhält, steht schon fest, wird aber erst am 5. September im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst bekanntgegeben.

          „Wir wollen, dass der Buchhandel eher schöne als hässliche Bücher verkauft“

          Zum ersten Mal findet die Preisübergabe als Veranstaltung eigenen Rechts statt, nicht wie bisher auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober, als ein Termin unter vielen. Zu den noch von Senders Vorgängerin Uta Schneider angestoßenen Veränderungen zählt auch, dass die seit 1984 von der Bundesregierung bereitgestellten Preisgelder in diesem Jahr zum ersten Mal auf den Hauptpreis vereint werden. Hessens Ministerin für Kunst und Wissenschaft, Eva Kühne-Hörmann (CDU), wird ihn in Frankfurt überreichen, weil auch das Land zu den Förderern der Stiftung zählt, ebenso wie ihr Freundeskreis. „Dort freuen wir uns über neue Mitglieder“, sagt Sender.

          In Zukunft will die Stiftung auf den Buchhandel zugehen. Vom Herbst an sollen die 25 schönsten deutschen Bücher erstmals nicht nur in Bibliotheken und auf Messen, sondern auch in Buchhandlungen ausgestellt werden. „Wir wollen, dass der Buchhandel eher schöne als hässliche Bücher verkauft“, sagt Sender. Schließlich sei unter den 25 auch ein Erfolgstitel wie Judith Schalanskys Roman „Der Hals der Giraffe“. Er hat, von der Autorin selbst gestaltet, Zehntausende Käufer gefunden und zeigt, dass gute Verkaufszahlen und gutes Design sich in Zeiten beliebig gewordener Suhrkamp-Umschläge nicht ausschließen, sondern gegenseitig befeuern können. Sender jedenfalls ist fest entschlossen, dazu beizutragen: „Wir werden nicht mit der Spiegel-Bestsellerliste konkurrieren. Aber vielleicht werden wir in Zukunft Bücher prämieren können, die auf der Spiegel-Bestsellerliste standen.“ Und wenn alles klappe, was die Stiftung sich vorgenommen habe, gebe es irgendwann vielleicht eigene Listen für schöne Bücher. Bis dahin soll gestaltet sein.

          Sie betreut im Namen der Stiftung Buchkunst den Wettbewerb: Alexandra Sender, Geschäftsführerin.

          Ausstellung und Öffnungszeiten

          „Die schönsten deutschen Bücher“ sind vom 5. bis zum 9. September im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, und vom 10. bis zum 21. September im „Fenster zur Stadt“, Braubachstraße 18-22, zu sehen.

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