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Neuer Straßenraum vor Synagoge : Lange Quader aus Muschelkalk

Nicht besonders schön: Betonabsperrungen vor der Westend-Synagoge in Frankfurt Bild: Helmut Fricke

Die Straßen vor der Westend-Synagoge in Frankfurt sollen neu gestaltet werden. Aber bis es so weit ist, wird es noch ein paar Jahre dauern.

          3 Min.

          Als die Jüdische Gemeinde 2010 den Bau ihrer Synagoge im Westend vor 100 Jahren feierte, erschien dazu eine Festschrift. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) schrieb in ihrem Grußwort, dass die Stadt das Außengelände der Synagoge neu gestalten werde. „Die Planungen wurden bereits in Auftrag gegeben“, verkündete sie stolz. Das ist zehn Jahre her – und nichts ist bisher passiert. Wer sich der Synagoge heute nähert, sieht immer noch Betonpoller auf der Freiherr-vom-Stein-Straße. Die Anfahrtsperren sind kniehoch, an manchen Stellen stehen drei Reihen hintereinander. Schön ist das nicht.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Auf Seite 41 der Festschrift wurden die Pläne ausführlich geschildert. Nach den Vorstellungen von Henryk Isenberg, der auch die Sanierung der Synagoge zu Beginn der neunziger Jahre verantwortete, sollte der Straßenraum neu gestaltet werden. Die Entwürfe wirkten ganz stimmungsvoll und selbstverständlich: Drei Stufen sollten zum Gehweg hinaufführen. An dessen Rand waren in regelmäßigem Abstand 25niedrige Betonquader vorgesehen, die Straßenlaternen tragen sollten, die an den Jugendstil erinnerten. Die Sicherheitsarchitektur sollte Teil des öffentlichen Raums werden. Aber Isenbergs Vorschlag soll nun doch nicht realisiert werden, denn ihm wären zu viele Bäume zum Opfer gefallen. Die Erhöhung des Gehwegs hätte den gesamten Baumbestandes an der Altkönigstraße und in Teilen der Friedrichstraße gefährdet.

          Neuer Entwurf für die Umgestaltung

          Die Stadt hat deshalb – unter Beteiligung der Jüdischen Gemeinde – noch einmal grundsätzlich umgeplant. Der neue Entwurf des Büros Ipach Mayerhofer sieht eine ebenerdige Lösung vor, die die Bäume weitgehend schützt und den Anforderungen an die Sicherheit der Synagoge genügt. Eine 1995 gepflanzte Linde muss allerdings gefällt werden. Im Mittelpunkt des Entwurfs stehen lange, quaderförmige Elemente, die als Sicherheitsbarriere dienen. Diese sogenannten Quaderbänke werden vor dem Haupteingang der Synagoge entlang des östlichen Gehwegs der Freiherr-vom-Stein-Straße angeordnet. Der Gehweg wird stark verbreitert, um einen möglichst großen Sicherheitsabstand zur Synagoge zu erhalten. Die Quaderbänke sollen mit Naturstein-Kleinpflaster eingefasst werden. Ähnlich dem Baumaterial der Synagoge sollen die nicht sicherheitsrelevanten Bauteile der Quaderbänke in Muschelkalk hergestellt werden.

          Um weitere Poller an der Altkönigstraße zu vermeiden, soll diese Straße, die ohnehin schon als Spielstraße ausgewiesen ist, in Höhe der Synagoge mit Hochsicherheitspollern für die Durchfahrt gesperrt werden. Zwei bis drei dieser Poller werden versenkbar sein. Hinter der Sperrung wird ein Teil der Einbahnstraße künftig in beide Richtungen befahrbar sein. Die Bushaltestelle „Altkönigstraße“ der Linie 36 soll im Zuge der Baumaßnahme barrierefrei ausgebaut werden.

          Neugestaltung: Vor der Synagoge sollen künftig Quaderbänke stehen.
          Neugestaltung: Vor der Synagoge sollen künftig Quaderbänke stehen. : Bild: Simulation Ipach Mayerhofer

          Diese Pläne gehen aus einem Magistratsvortrag hervor, den die Stadt Ende März veröffentlicht hat. Darin heißt es, dass ein „würdiger städtebaulicher Rahmen“ angestrebt werde. Die Synagoge solle ein ihrer Bedeutung entsprechendes Entree bekommen. Die notwendigen Sicherheitseinrichtungen sollen in die Gestaltung des öffentlichen Raumes integriert werden. Für die Planung und den Bau werden rund 3,1 Millionen Euro veranschlagt. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, stehe allerdings noch nicht fest, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. „Frühestens Ende 2022 ist die aktuelle Prognose.“

          Mit dem Umbau Interesse am jüdischen Leben wecken

          Die Jüdische Gemeinde freut sich zwar, dass die Neugestaltung der Straßen vor der Westend-Synagoge nun konkrete Formen annimmt. Der Entwurf, an dessen Auswahl sie beteiligt war, sei historisch und ästhetisch angemessen und würdig. „Bedauerlich ist allerdings, sowohl für unsere Synagogenbesucher, als auch für alle Bewohner der Umgebung, dass die Planungsphase bereits so viel Zeit in Anspruch genommen hat und noch etwa zwei Jahre bis zum Baubeginn verstreichen sollen“, teilt die Gemeinde auf Anfrage mit.

          Leider müssten Synagogen in Deutschland immer noch besonders geschützt werden, heißt es weiter. „Dennoch glauben wir, mit dem finalen Entwurf eine ansprechende Lösung gefunden zu haben, die sich in das Stadtbild positiv einfügt und die gesamte Fläche der Westend-Synagoge als natürlichen Bestandteil der Gegend zeigt.“ Die Gemeinde hofft, dass der Umbau auch das Interesse am jüdischen Leben in Frankfurt weckt. Die Neugestaltung solle nicht nur der jüdischen Gemeinschaft zugutekommen, sondern allen Bürgern.

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