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200 Mitarbeiter betroffen : Werkzeug-Hersteller Walter will Frankfurter Fabrik aufgeben

Beschäftigt noch 200 Leute: Werkzeug-Hersteller Walter in Frankfurt Bild: Unternehmen

Die Walter AG will ihren Standort Frankfurt aufgeben. Der Werkzeug-Hersteller möchte mit diesem Schritt „geänderten Marktanforderungen gerecht“ werden. Die IG Metall tobt.

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          Gerade erst hat der Chef des Arbeitgeberverbands Hessenmetall den Abbau zahlreicher Stellen in seiner Branche angekündigt, da meldet das erste Frankfurter Unternehmen entsprechende Pläne: Die Walter AG will ihren Standort Frankfurt aufgeben. Der Werkzeug-Hersteller möchte mit diesem Schritt „geänderten Marktanforderungen gerecht“ werden. Am frühen Nachmittag ist die Belegschaft über die Pläne informiert worden, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte. Walter unterhält eine Fabrik mit 200 Beschäftigten an der Eschborner Landstraße. Sie wären von der Schließung betroffen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Frankfurter Geschäftsführer der IG Metall, Michael Erhardt, zeigte sich erbost. Die Ankündigung von Walter sei „eine absolute Schweinerei“. Jahrelang habe Walter richtig gutes Geld am Standort verdient. Nun wolle das Management Produktion in Billiglohnländer verlagern. Sie handele nach dem Motto „Die Belegschaft hat ihre Schuldigkeit getan, sie kann nun gehen“.

          IG Metall: Beschäftigung sichern

          Zudem wolle das Unternehmen offenbar die „Fläche versilbern“. In Frankfurt herrscht Mangel an Gewerbearealen. Wie Erhardt weiter sagte, will die Gewerkschaft mit dem Betriebsrat nun die „Plausibilität der unternehmerischen Maßnahme prüfen“ und selbst Schritte vorschlagen, um die Beschäftigung zu sichern. Sie erwarte vom Management Offenheit für eine vernünftige Diskussion darüber.

          „Uns sind die Auswirkungen auf die betroffenen Kolleginnen und Kollegen bewusst, und wir werden versuchen, die damit verbundenen Belastungen so gering wie möglich zu halten”, zitiert die Firma ihren Vorstand Richard Harris. Dies werde in den Gesprächen mit dem Betriebsrat eine Rolle spielen.

          Produktion soll an andere Orte verlegt werden

          Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben, die Produktion dort auslaufen zu lassen. „Die in Frankfurt gefertigten Produkte sollen bis Frühjahr 2021 an andere Standorte der Gruppe verlegt werden“, heißt es am Firmensitz in Tübingen. Walter sieht sich als einer der führenden Anbieter von Präzisionswerkzeugen zur industriellen Metallbearbeitung an.

          Die Walter AG ist eine hundertprozentige Tochter des schwedischen Konzerns Sandvik. Der Plan, den Standort Frankfurt aufzugeben, stammt nach Angaben einer Sprecherin von der Geschäftsführung in Deutschland, der Eigentümer habe dem Vorhaben zugestimmt. „Nun geht es an die Umsetzung.“ In etwa einem Jahr dürfte die Fabrik geschlossen sein, wie die Sprecherin ergänzte.

          Mehr Potential im Ausland

          Gleichzeitig wolle Walter seine internationale Präsenz vorantreiben. Die größten Wachstumspotentiale sieht das Unternehmen im Wirtschaftsraum Asien-Pazifik und in den Vereinigten Staaten, wie Harris weiter zitiert wird. Und: „Weil die Nähe zum Kunden weltweit immer wichtiger wird, wächst in unserem Heimatmarkt das Missverhältnis zwischen unseren Produktionskapazitäten und unserem hier erzielten Umsatz.“

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