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Werbeagentur Huth & Wenzel : Tanzen mit dem Brummifahrer

  • -Aktualisiert am

Agenturinhaber Heinz Huth (rechts) und Geschäftsführer Andreas Liehr vor Anzeigemotiven für Merck und Claas. Bild: Fricke, Helmut

In Zeiten knapper Fachkräfte müssen Arbeitgeber sich von der Konkurrenz absetzen. Die Frankfurter Agentur Huth & Wenzel entwickelt dafür Werbekampagnen.

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          Es ist der Stoff, aus dem Internet-Hits gemacht sind. Ein Brummifahrer mit Schnauzbart und Plauze schniegelt und striegelt sich im Rasthof-Waschraum, trifft draußen auf dem Parkplatz auf einen jungen Lastwagenfahrer - und beide schauen sich herausfordernd an. High-Noon-Stimmung liegt in der Luft. Doch statt sich zu prügeln, beginnt der Dicke wie wild zu tanzen, Technorythmen stampfen, die Scheinwerfer der umstehenden Lastwagen flackern wie in der Disko. Dieser Tanzwettbewerb der absurden Art endet in dem Spruch „Mach was Abgefahrenes“.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Clip soll junge Leute dazu bewegen, eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer zu machen. Die Branche hat Nachwuchsprobleme. Und so hat der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung mit Sitz in Frankfurt-Hausen die Werbeagentur Huth & Wenzel zu Rate gezogen. Junge Leute erreicht man über ungewöhnliche Videoschnipsel im Netz, die sie im besten Falle von sich aus weiterverbreiten. So haben sich die Werber in den Büros auf dem Frankfurter Naxosgelände den Tanzclip ausgedacht. Mehr als 150 000 Mal wurde er nach Angaben von Heinz Huth, Inhaber und Mitgründer der Agentur, bisher angesehen.

          Viele regionale, aber auch internationale Kunden

          Huth & Wenzel ist ein Phänomen. Seit mehr als 20 Jahren behauptet sich die kleine inhabergeführte Agentur zwischen all den großen Werbetankern wie Saatchi & Saatchi, Ogilvy und Leo Burnett, die als Teil von internationalen Agenturnetzwerken seit jeher das Bild der Werbestadt Frankfurt prägen. Huth sieht seine Vorteile in den übersichtlichen Strukturen: „Es gibt weniger Lehmschichten, durch die man muss“, sagt er. Und auch jungen Kreativen könne seine Agentur mehr bieten als eine großer, weil sie in den Netzwerkagenturen seiner Ansicht nach oft nur die Ideen anderer weiterentwickeln dürften, statt sich selbst welche auszudenken. Außer vielen regionalen Kunden wie Mainova, Fraport und Lotto Hessen bewerben die gut 40 Mitarbeiter auch internationale Konzerne wie Merck, Suzuki und Claas Mähdrescher. Gerade haben sie für die Sparda-Banken die Kampagne „Gemeinsam sind wir mehr als eine Bank“ entwickelt, die viel im Fernsehen und ebenfalls im Netz zu sehen ist.

          Heinz Huth und Konrad Wenzel waren in den achtziger Jahren in der Agentur TBWA in Frankfurt, Huth als Geschäftsführer, Wenzel als Kreativdirektor, und gingen dann nach Hamburg zu Springer & Jacoby. Doch wie kurz vor ihnen Holger Jung und Jean-Remy von Matt stiegen 1992 auch Huth und Wenzel aus der Agentur aus, um ein eigenes Haus zu gründen, zurück in ihrer Heimat. Bei Springer & Jacoby hatten sie Werbung für die Autos von Mercedes-Benz gemacht. Der Personalchef des Unternehmens fragte sie, ob sie solche Werbung nicht auch für ihn machen könnten. So gehörte das Personalmarketing, heute auch gerne als Employer Branding bezeichnet, von Anfang an neben der herkömmlichen Werbung zu den Kernkompetenzen der Agentur. In Zeiten des Fachkräftemangels, in denen sich gute Leute ihren Arbeitgeber aussuchen können, ist diese Bewerbung von Unternehmen als gute Arbeitgeber im Stellenteil der Zeitung, in Internetportalen und auf Berufsmessen wichtiger denn je.

          Internet-Video, die nach hinten losgehen

          Viele setzen dabei auf lächelnde Menschen an Schreibtischen. Für Huth und den Geschäftsführer der Agentur, Andreas Liehr, ein Graus. Absolut austauschbar. Die Werber aus dem Ostend stellen lieber Fraport-Mitarbeiter in ihrer Arbeitskluft auf das Rollfeld, die die „Faszination Flughafen“ als Arbeitsplatz vermitteln sollen. Was erzählen die Mitarbeiter abends auf dem Grillfest über ihren Arbeitgeber? Solche Fragen stellen die Kreativen den Beschäftigten der Unternehmen, bevor sie loslegen.

          Bei dem Darmstädter Pharmakonzern Merck habe sich in vielen Gesprächen ergeben, dass die Mitarbeiter ihren Beruf als Berufung sähen, als etwas, das sie schon immer machen wollten, erzählt Liehr. Daraus ist dann das zentrale Motiv der Mitarbeiter-Kampagne entstanden: Erwachsene, die ein Bild von sich als Kind hochhalten, etwa als kleines Mädchen, das den „kranken“ Teddy untersucht. „Sie haben Neugier nie verlernt?“ steht darunter. Solche und ähnliche Motive zieren nun jede Stellenanzeige des Unternehmens. Gerade arbeitet Huth & Wenzel daran, die Kampagne für das Karriereportal von Merck im Internet aufzuarbeiten, das in 45 Ländern Fachkräfte anlocken soll.

          Auch der Tanzclip der Lastwagenfahrer ist Employer Branding - für die Logistikbranche. Solche Internetvideos können allerdings auch schnell nach hinten losgehen, wenn sie nicht den richtigen Ton treffen. Als Auszubildende der in Mainz sitzenden Sparda-Bank Südwest vor zwei Jahren ein Rapvideo ins Netz stellten, in dem sie über das „Bankenwunderland“ schwärmten, hagelte es Spott auf allen Kanälen. Andererseits war die Bank auf diese Weise auch für kurze Zeit in aller Munde.

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