https://www.faz.net/-gzg-83tpm

Eintracht Frankfurt : Kandidaten – von heiß bis selbsternannt

Auf dem Sprung nach Frankfurt? Sascha Lewandowski Bild: dpa

Wer wird Trainer der Eintracht? Sascha Lewandowski, Jens Keller oder André Breitenreiter? Der neue Mann soll kommunikativ sein und den Verein kennen.

          3 Min.

          Ist die Eintracht jetzt schon reif für die Insel Norderney, auf der Anfang Juli das geplante Trainingslager stattfinden soll? Nach der Demission von Trainer Thomas Schaaf steht es zwar in Frage, aber aufgrund von Vorverträgen hat es derzeit noch immer Bestand. Ein Testspiel noch an diesem Donnerstag im Friedrichsdorfer Ortsteil Seulberg (18 Uhr), dann ist Schluss. Die Frankfurter Fußballprofis, unter Schaaf nach einer Achterbahnsaison mit etlichen Höhen und Tiefen und vor allem dank der Heimstärke auf einem respektablen neunten Platz gelandet, verabschieden sich in den gut einmonatigen Urlaub. Wenn sie wiederkommen, werden sie einen neuen Trainer haben. Doch wer wird es sein? Ein alter Bekannter? Ein neues, unverbrauchtes Bundesliga-Gesicht?

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Am Tag danach war Friedhelm Funkel frühmorgens der Erste, der sich über seinen alten Klub äußerte und den Bogen von der Gegenwart in die Zukunft spannte. Funkel, von 2004 bis 2009 Trainer der Eintracht, sieht den Verein am Scheideweg. „Auf die Eintracht kommen jetzt schwere Zeiten zu“, sagte er dem Radiosender HR1. Schaafs Abgang „ist kein gutes Zeichen für die Zukunft der Eintracht“.

          Auch Funkel, der ebenso wie Schaaf „immer alle Ziele erreicht hat“, bekam „viel Gegenwind“ zu spüren. „Aus Aufsichtsrat und Mannschaft hat es immer wieder Kritik gehagelt. Die Kritik an Thomas ist ungerechtfertigt. Er hat es jetzt mit seiner Entscheidung völlig richtig gemacht.“ Funkel sagte: „Eintracht Frankfurt ist in den zurückliegenden zwölf Jahren kein schlechtes Pflaster gewesen. Vor Heribert Bruchhagen hatte der Klub keinen guten Ruf in der Bundesliga. Jetzt scheint die Eintracht wieder auf dem Weg dorthin zu sein. Der neunte Platz, den Thomas erreicht hat, ist ein Faustpfand. Für jeden, der jetzt kommt, wird es schwer, das zu erreichen.“

          Lewandowski, der Eloquente

          Bruno Hübner soll die wegweisenden Schneisen schlagen. Die Suche nach einem Nachfolger für Schaaf obliegt dem Sportdirektor der Eintracht. Als er anfing in Frankfurt, landete der heute 54 Jahre alte Manager einen Volltreffer. Er gewann Armin Veh für die Aufgabe, und er schaffte es, dass der gleichaltrige Schwabe, dem sich Hübner im Laufe der Zeit auch freundschaftlich verbunden fühlte, gleich drei Jahre in Frankfurt blieb. Trainersuche statt Urlaub, Sondierung statt Entspannung. „Wenn man die Konstellation und vor allem die Bewegung gerade auf dem Markt sieht, ist es nicht so einfach, einen Trainer zu finden“, sagt Hübner. Von seinem Vorgesetzten, Vorstandschef Heribert Bruchhagen, hat er den Auftrag erhalten, „Kontakte und Strategien zu entwickeln“.

          Vertraglich noch gebunden, aber schon vor Schaafs Abschied mit der Eintracht in Verbindung gebracht, ist Sascha Lewandowski. Einer aus der jungen Garde, der seine sportliche Heimat seit 2007 unter dem Bayer-Kreuz in Leverkusen hat. Im Frühjahr 2012 entsprach er dem Wunsch der Vereinsführung, bei den Profis in der Bundesliga Verantwortung zu übernehmen. Lewandowski machte es im Zusammenspiel mit dem Finnen Sami Hyypiä derart gut, dass er nach dem Erreichen der Europa League einen Dreijahresvertrag erhielt. Doch nach einem Jahr nur wechselte Lewandowski dorthin zurück, wo er vor allem seine Wurzeln in Leverkusen sah: in die Jugendabteilung. Dort ist er als Nachwuchs-Cheftrainer für alle Mannschaften zuständig, strebt aber nach einer neuen Herausforderung. So ist zu hören, dass der 43 Jahre alte gebürtige Dortmunder schon in der vergangenen Woche, also vor Schaafs Abschied bei der Eintracht, um Auflösung seines Vertrages gebeten hat. „Sascha hat mir vor vier Wochen gesagt, dass er gerne wieder zurück in den Trainerbereich gehen würde“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler am Mittwoch. „Er hat bei uns einen langfristigen Vertrag, aber wir werden natürlich je nach Verein versuchen, eine vernünftige Lösung zu finden.“ Während seiner Zeit als Bayer-Chefcoach hat sich Lewandowski den Ruf erworben, neben aller fachlichen Qualität ein eloquenter Trainer und guter Kommunikator zu sein.

          Brachte sich selbst ins Gespräch: Jens Keller
          Brachte sich selbst ins Gespräch: Jens Keller : Bild: dpa

          Jens Keller, der ehemalige Kapitän

          Hübner betont: „Wichtig ist, dass der neue Coach Eintracht Frankfurt kennt und die Mannschaft gut beurteilen kann. Denn wir haben zum ersten Mal die Möglichkeit, mit achtzig Prozent des Kaders weiterarbeiten zu können.“ Einer, der die Eintracht wirklich kennt, hat sich am Mittwoch in Form einer Initiativbewerbung selbst ins Gespräch gebracht: Jens Keller. „In Frankfurt habe ich eine Vergangenheit, die nicht so schlecht war“, sagte der 44 Jahre alte Fußballlehrer. „ Ich bin mit dem Verein zweimal aufgestiegen und war dort Kapitän. Die Zeit dort war sehr schön. Das ist natürlich ein Klub, der sehr interessant ist für mich“, sagte der frühere Schalke-Coach dem Fernsehsender „Sport1“.

          Als Profi stand der damalige Innenverteidiger zwischen 2002 und 2005 in Frankfurt unter Vertrag und absolvierte 50 Spiele, bis ihn zahlreiche Verletzungen zum Karriereende zwangen. „Ich kam zur Eintracht, als der Verein am Boden lag, und bin dann 2003 als Kapitän und 2005 mit dem Verein in die Bundesliga aufgestiegen. Das war eine tolle Sache“, schwärmte Keller. „Da, wo man schon einmal gespielt hat, da kennt man die Strukturen und hat ein ganz anderes Gefühl als bei einem Klub, wo man ganz neu hinkommt.“

          Wird bei jeder frei gewordenen Trainerstelle ins Gespräch gebracht: André Breitenreiter
          Wird bei jeder frei gewordenen Trainerstelle ins Gespräch gebracht: André Breitenreiter : Bild: dpa

          Breitenreiter, der Genervte

          Für André Breitenreiter wäre ein Engagement bei der Eintracht etwas Neues. Vertraglich noch bis 2016 an den Bundesliga-Absteiger SC Paderborn gebunden, wird Breitenreiter immer dann genannt, wenn neue Planstellen frei werden: so beim FC Schalke 04, bei Hannover 96 – und bei der Eintracht. Der 41 Jahre alte Trainer, der in Hannover lebt, sagte am Mittwoch im Interview mit der „Neuen Westfälischen“: „Dass mein Name mittlerweile bei jeder frei gewordenen Trainerstelle fällt, nervt mich auch. Ich kann es aber nicht ändern, da unser Erfolg als Trainerteam mit einer tollen Mannschaft hier in Paderborn bei diesen Rahmenbedingungen als außerordentlich wahrgenommen wird.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

          Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

          Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.
          Streitobjekt in der Klimadebatte: Lufthansa-Flugzeug landet in Frankfurt.

          Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.