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Niqab-Trägerinnen in Frankfurt : Vollverschleiert an der Werft

Auch in Frankfurt sieht man verschleierte Frauen: Diese Frau trägt einen Niqab, einem Gesichtsschleier, der die Augenpartie frei lässt. Bild: dpa

Wer trägt in Frankfurt Burka? Wie essen und trinken Frauen mit Niqab in einem Restaurant? Beobachtungen in der Stadt nach der Forderung eines Burka-Verbots.

          Wie nimmt eine vollverschleierte Frau Nahrung zu sich? Mit einem Strohhalm etwa, der durch das Gitter ihrer Burka geführt wird. Die Frau, die mit einer nur halb verschleierten Freundin in einem türkischen Restaurant an der Galluswarte sitzt, trägt einen Niqab, einen Gesichtsschleier, der ihren Mund bedeckt und nur die Augenpartie frei lässt. Wie wird sie den Döner, den sie übrigens in durchaus passablem Deutsch bestellt hat, dem Mund zuführen?

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Essvorgang ist schwer zu beobachten, denn die beiden Frauen haben sich nach dem Auftragen der bestellten Speisen so umgesetzt, dass sie den anderen Restaurant-Gästen den Rücken kehren. Doch schließlich gelingt es, einen Blick auf die Vorderseite des Kopfes der Verschleierten zu erhaschen. Sie hat zum Essen ihren Niqab abgelegt. Ihr Gesicht ist schön.

          Emanzipation in Vollverschleierung?

          Dass eine verschleierte Muslima mit einer Freundin und ohne Mann in ein Restaurant geht, das überwiegend von säkularen Büromenschen besucht wird, ist wahrscheinlich ungewöhnlich und zeugt von einer gewissen Emanzipation. Wenn man allerdings sonst einmal in Frankfurt, etwa im Gallusviertel, einer Verschleierten begegnet - und das kommt auch in diesem Viertel mit hohem Muslim-Anteil selten vor -, dann läuft sie hinter ihrem Mann her und schleift zwei Kinder mit.

          Jedem Freund der Freiheit erscheint das als ein betrüblicher Anblick. Man entwickelt spontan ein Bedauern für die armen Kinder, deren Chancen in Deutschland man für nicht sehr hoch hält. Und man fragt sich, ob man die Vollverschleierung nicht wie in Frankreich verbieten müsste.

          Voll verschleierte Touristinnen bringen Geld in die Stadt

          Häufiger als im Gallus kann man in der Innenstadt eine vollverschleierte Frau antreffen. Bei der Generalprobe des HR-Sinfonie-Orchesters am Dienstagabend an der Weseler Werft am Mainufer etwa kam ein arabisches Paar vorbei und setzte sich auf eine der Bierbänke vor der Bühne: er ein Bärtiger in Freizeitkleidung mit Jeans und Hemd, sie in einem sackartigen langen Gewand, fast den ganzen Kopf in ein Tuch gehüllt, darüber ein Niqab. Interessiert schauen sie dem Orchester zu und lauschen mehr als eine halbe Stunde den Klängen von George Gershwins „Rhapsody in Blue“.

          Gefragt, woher er komme und was er in Frankfurt tue, antwortete der Mann, er stamme aus Saudi-Arabien, sei Geschäftsmann und wegen eines beruflichen Treffens in Frankfurt. Nun sei er mit seiner Frau am Fluss spazieren gegangen und zufällig auf das Orchester gestoßen. Die Gattin hört stumm dem kurzen Gespräch zu.

          Sie ist nicht die einzige verschleierte Touristin in Frankfurt. Man sieht häufiger Damen mutmaßlich arabischer Herkunft mit Niqab vor dem Gesicht in der City. Manche von ihnen lassen viel Geld in den Geschäften etwa an der Goethestraße, hört man. Manche Hotels, manche Ärzte und gewisse Spezialkliniken sollen sehr gut verdienen an arabischer Kundschaft, ob sie verschleiert erscheint oder nicht. Es mag gute Gründe für ein Burka-Verbot geben, das derzeit diskutiert wird. Aber wer ein Verbot einführen möchte, muss auch sagen, wie er es zum Beispiel mit reichen Touristen etwa aus Qatar oder Riad zu halten gedenkt.

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