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Wohnungsmarkt Frankfurt : Keine 40, verheiratet und kinderlos

Aus dem Luxussegment: Im Europaviertel entsteht der Grand Tower, der mit 172 Metern höchste Wohnturm Deutschlands. Bild: Simulation Magnus Kaminiarz & Cie

Ein neue Studie verrät, wer sich in Frankfurt eine Wohnung leisten kann: Der typische Kunde verdient im Monat 4450 Euro netto. Eigennutzer schauen jedoch zusehends auf andere Wohnungen.

          Der typische Käufer einer Eigentumswohnung in Frankfurt ist verheiratet, 38,5 Jahre alt, verfügt über ein Netto-Haushaltseinkommen von 4450 Euro und hat noch keine Kinder. Das geht aus dem Marktbericht hervor, den das auf Immobilienfinanzierung spezialisierte Unternehmen Hüttig & Rompf vorgestellt hat. Das Unternehmen hat 461 Immobilien analysiert, die zwischen dem 1. April 2015 und dem 31. März 2016 erworben wurden und die demographischen Daten der Käufer sowie deren Einkommensverhältnisse ermittelt. Hüttig & Rompf arbeitet mit 175 Partnerbanken und Sparkassen zusammen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer in Frankfurt eine Wohnung kauft, wohnt dort in der Regel selbst. Der Anteil der Eigennutzer überwiegt mit 70 Prozent deutlich demjenigen der Kapitalanleger. Im Vergleich zum Vorjahresbericht ist der Frankfurter beim Kauf seiner Wohnung im Schnitt etwas jünger gewesen. Mehr als die Hälfte der Eigennutzer waren beim Kauf zwischen 30 und 39 Jahre alt. Außerdem stieg der Anteil der Kinderlosen: Nur noch 0,78 Kinder - statistisch ist so etwas möglich - hat Hüttig & Rompf im Durchschnitt bei den Käufern ermittelt. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 0,92 Kindern. 63 Prozent der Kreditnehmer waren verheiratet, 75 Prozent hatten einen deutschen Pass.

          Käufer steuern mehr Eigenkapital bei

          Das monatlich verfügbare Haushaltseinkommen ist leicht gesunken von 4600 auf 4454 Euro. 86 Prozent der Eigennutzer verfügen über mehr als 3000 Euro. Die durchschnittliche Eigentumswohnung, die im Untersuchungszeitraum finanziert wurde, war 94 Quadratmeter groß und kostete 369.900 Euro. Knapp 57 Prozent der Käufer entscheiden sich für einen Neubau, 43 Prozent bevorzugen eine Altbauwohnung. Das Preissegment der Luxuswohnungen, die mehr als eine Million Euro kosteten, machte nur vier Prozent der verkauften Immobilien aus. Mehr als die Hälfte der Wohnungen und Häuser hatte einen Wert zwischen 200.000 und 400.000 Euro. 29 Prozent fielen in die Preisspanne zwischen 400.000 und 600.000 Euro.

          Gegenüber der vorherigen Studie, die den Zeitraum Juli 2014 bis Juni 2015 abdeckte, deutlich gestiegen ist die Höhe des Eigenkapitals, das die Käufer zur Finanzierung beisteuern: Wer zwischen April 2015 und März 2016 eine Wohnung erworben hat, brachte 161.000 Euro mit und damit 30.000 Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Darlehensanteil liegt in Frankfurt bei 80 Prozent. Knapp 1300 Euro werden bei Eigennutzern jeden Monat für Zinsen und Tilgung fällig. Das entspricht knapp 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens.

          Umland wird für Käufer attraktiver

          Vorstand Paul Hüttig wies bei der Vorstellung der Zahlen darauf hin, dass die Preise in Frankfurt stärker steigen als die Mieten. Diese seien zwischen 2010 und 2015 um 15 Prozent, die Preise jedoch um 39 Prozent gestiegen. Dafür machte er die Verknappung des Angebots verantwortlich. „In den vergangenen 20 Jahren wurde am Bedarf vorbei gebaut.“ Frankfurt sei aber nach wie vor eine der drei zukunftsträchtigsten deutschen Städte.

          Mit Spannung betrachten Makler die Entwicklung. Frank Alexander, Geschäftsführer von Hermann Immobilien, geht davon aus, dass der durchschnittliche Quadratmeterpreis einer Neubau-Eigentumswohnung in Frankfurt von derzeit 4500 Euro weiter steigen wird. Kapitalanleger akzeptierten, dass die Renditen wegen langsamer steigender Mieten sinken, weil alternative Anlagemöglichkeiten fehlten. Für Eigennutzer werde das Umland, wo der Quadratmeter rund 1000 Euro weniger koste als in Frankfurt, zunehmend attraktiv. „Für die breite Bevölkerung wird es in Frankfurt immer schwieriger, Eigentum zu bilden“, glaubt Alexander. Ohne einen Topverdiener im Haushalt sei das nicht möglich.

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