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Keine Einigung : Wer bekommt den Ratskeller?

Schöner Raum: Der Ratskeller im Südbau des Frankfurter Römers steht derzeit leer. Bild: Martin Ly

Der Ratskeller im Römer steht derzeit leer. Ein Frankfurter Gastronom wartet auf eine Zusage. Der Trägerverein „Deutsches Apfelweinmuseum“ hat andere Pläne für eine Zusammenarbeit.

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          Es ist einer der potentiell attraktivsten Orte in der Frankfurter Innenstadt. Als Restaurant betrieben, könnte er ein Magnet für Touristen und Einheimische werden. Wer immer die Beteiligten in der Diskussion um die Zukunft des Ratskellers anspricht, wird das zu hören bekommen. Doch darüber, wer die historischen Räume im Südbau des Frankfurter Rathauses eines Tages bespielen wird, zu welchen Konditionen und wie er mit dem Verein zusammenarbeiten soll, dem die Nutzung von Teilflächen unterhalb des Ratskellers zugesagt sind, ist offiziell noch kein Konsens erzielt; obschon Interessenten vorhanden sind. Inoffiziell soll eine Entscheidung bereits gefallen sein.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es gibt keinen besseren Ort als den Römer, um das typische Frankfurter Getränk, den Ebbelwei, zu präsentieren.“ So hatte sich im Juni 2019 Peter Feldmann geäußert, der als Oberbürgermeister Hausherr im Römer ist. Das Dezernat des SPD-Politikers hat bei der Entscheidung über die Zukunft des Ratskellers, der seit mittlerweile fünf Jahren leersteht, deshalb ein wichtiges Wort zu reden. Mitzusprechen hat aber auch der für die städtischen Immobilien zuständige Baustadtrat Jan Schneider (CDU). Der hatte sich zur selben Zeit wie Feldmann ähnlich wie dieser eingelassen. Mit den Aussagen verbunden war die Zusage an den Trägerverein „Deutsches Apfelweinmuseum“, der ein solches in Frankfurt einrichten und betreiben möchte. Ihm wurde dafür der Römerkeller unter dem Ratskeller zugesagt.

          Die Apfelweinfreunde suchen seit Jahren geeignete Räume für ihr Anliegen. Ursprünglich hatten sie auf das Haus Schildknecht in der neuen Alstadt gehofft. Als klar war, dass daraus nichts werden würde, lagen die zum Teil schon detailliert ausgearbeiteten Pläne für das Museum, dem für den Fall der Realisierung auch schon einmal Mittel von verschiedenen Stiftungen in Aussicht gestellt worden waren, eine Weile auf Eis.

          Gegenseitige Befruchtung

          In einem Interview mit der F.A.Z. beklagte im Januar 2019 Robert Theobald, Vorsitzender eines Fördervereins für das Apfelweinmuseum, Desinteresse der Verwaltung an dem Projekt. Dabei müsse sie doch, meinte damals der Betreiber der Sachsenhäuser Apfelweinwirtschaft Buchscheer, Interesse daran haben, Lokalkolorit gleichsam zu institutionalisieren. Fünf Monate später sprach die Stadt das Angebot für den Römerkeller aus.

          Die potentiellen Betreiber des potentiellen Museums sind dennoch unzufrieden. In ihrem Konzept, in dem von interaktiven Angeboten, naturkundlich-biologischer Bildung und der Vermittlung von Zusammenhängen weit über das Keltern hinaus die Rede ist, spielt ein gastronomisch wiederbelebter Ratskeller eine wichtige Rolle. Lokal und Ausstellung sollten sich gegenseitig befruchten, argumentiert der Museumsverein, der dabei auch Ratskeller-Gäste als mögliche Museumsbesucher im Blick hat. Auch müsse über die Nutzung etwa von Zugängen und Toiletten Einvernehmen erzielt werden. Als der Verein im Sommer mit der Stadt über den Römerkeller sprach, konnte er keinen konkreten Interessenten für den Ratskeller nennen. Von den Gastronomen unter den Mitgliedern des Vereins, dessen Galionsfigur lange der Seniorchef der Firma Possmann war, hatte keiner Ambitionen.

          Noch keine Entscheidung

          Die Stadt schrieb den Betrieb des Ratskellers daraufhin aus. Unter denen, die sich bewarben, war Christian Dressler. Er betreibt die Lohrbergschänke, die auch ein städtisches Objekt ist, außerdem das Apfelweinlokal Solzer. Er möchte den Ratskeller mit dem Musik- und Künstlermanager Bernd Reisig führen, das Duo soll Favorit der Stadt sein. Unterdessen präsentierte der Museumsverein am vergangenen Mittwoch einen Gastronomen, mit dem er zusammenarbeiten wolle. Er heißt Christian Kutschera, hat einst den Sushi Circle gegründet und arbeitet unter anderem als Berater. An der Ausschreibung der Stadt hat er nicht teilgenommen, weswegen ihm ein Sprecher des Baudezernats wenig Chancen einräumt: Ohne dass ein Konzept vorliege, sei es kaum möglich, eine Entscheidung zu treffen.

          Dass die ohnehin zugunsten Dresslers und Reisigs gefallen sei, wird seit längerem kolportiert. „Ich kann das nicht bestätigen“, sagt Reisig auf Anfrage, bisher gebe es keine Zusage an Dressler und ihn. Dressler sagt, wie gerne er den Ratskeller übernehmen würde, „das ist eine tolle Aufgabe“, er sei zuversichtlich, sie zu meistern. Er hat viele Pläne, bis hin zur Einrichtung einer Grillküche. Zu einer Zusammenarbeit mit dem Museum seien er und Reisig bereit, eine wirtschaftliche Verflechtung könne es allerdings nicht geben. Geklärt werden müsse auch, wer den Ratskeller mit seiner veralteten technischen Infrastruktur „gastrotauglich“ mache.

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