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Sprayende Senioren : Wenn Senioren die Graffiti-Kunst für sich entdecken

  • -Aktualisiert am

Verpönte Ausdrucksform: Karin Pfautsch sprayt in einer Halle ihr Bild. Bild: Marina Pepaj

Graffiti sind Schmierereien – das meinten viele Bewohner eines Frankfurter Seniorenstifts. Bis sie eines Tages Besuch von jungen Künstlern bekamen. Mittlerweile hat man so manches Bild gemeinsam gesprüht.

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          Helmtraut Walter steht auf der Galerie im Naxos-Atelier, hält den Kopf schräg nach links und blickt skeptisch auf ihr Werk, das auf einer Staffelei vor ihr steht. In der Halle ist es kühl, Tageslicht dringt durch weiß bemalte Glasscheiben, es riecht nach Lösungsmitteln. Walter nimmt sich eine Schablone, aus der ein rundes Loch ausgeschnitten ist, hält sie gegen die Leinwand, schüttelt die Dose, dass die Mischkugel klappert, und sprüht gelbe Farbe, die mit giftigem Zischen aus der Dose spritzt, auf die Leinwand. Walter ist 91 Jahre alt, eine kleine Frau mit humorvoll blitzenden Augen. Über ihrer eleganten Kleidung – weiße Hose, helle Bluse, bunte Jacke – trägt sie einen dunklen Kittel, der ruhig ein paar Farbkleckse abkriegen kann. Wenn sie sprüht, sieht man einen feinen Farbnebel in der Luft, die Finger ihrer linken Hand sind gelb und rot gesprenkelt. „Das macht nichts, das geht mit Wasser weg“, sagt Walter.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das offene Atelier in der Naxoshalle ist eine Einrichtung der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Dort können sich Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren auf den Malflächen im Hinterhof kreativ auszutoben, bei Bedarf gibt es auch ein unentgeltliches warmes Essen.

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