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Ärger um Sackgassen : Wenn Müllwagen nicht mehr rückwärts fahren dürfen

Die Müllentsorger sowie Anwohner enger Straßen und Sackgassen Darmstadts stehen vor großen Herausforderungen. Bild: dpa

Müllwagen dürfen in Darmstadt nicht mehr in Sackgassen einfahren. Anwohner müssen ihre Tonnen nun bis zur nächsten Ecke bringen. In anderen Städten wurde das Problem bereits gelöst.

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          Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr in Darmstadt werden sich in der nächsten Woche mit den Anwohnern einer kleinen Vorortstraße treffen, um mit ihnen zu beraten, wie künftig ihr Müll entsorgt wird. Denn die Georg-Spengler-Straße ist eine von zwölf Straßen der südhessischen Großstadt, in denen die Müllfahrzeuge des städtischen Betriebs namens EAD nicht mehr rückwärts einfahren können, um die Tonnen zu leeren. Aufgrund einer 2016 geänderten Branchenregel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist das bei besonders engen und unübersichtlichen Straßen nicht mehr erlaubt, weil es als zu gefährlich gilt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Müllentsorger stellt das überall vor einige Herausforderungen. In der Spengler-Straße funktioniert anscheinend nicht einmal die Alternative, die der kommunale Betrieb für die betroffenen Straßenabschnitte anbietet. Zwar wurde ein Sammelpunkt für Mülltonnen gefunden, zu denen die Bürger für die Leerung ihre Mülltonnen selbst hinbringen können. Dadurch würde aber die Ausfahrt auf einem gegenüberliegenden Grundstück versperrt. Nun wird, wie die städtische Pressestelle mitteilt, mit einem Treffen an Ort und Stelle versucht, eine Lösung zu finden.

          Die neue Branchenregel soll für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Konkret bedeutet dies, dass Straßen, die enger als 3,55 Meter und länger als 150 Meter sind, als zu gefährlich für Rückwärtsfahrten von klassischen Müllfahrzeugen gelten. Der Darmstädter Eigenbetrieb hat, um das neue innerstädtische Gefährdungspotential zu ermitteln, ziemlich viel Aufwand betrieben und mit dem Straßenverkehrs- und Tiefbauamt zunächst einmal ein Kataster erstellt und sämtliche 930 Straßen der Stadt in Gefährdungskategorien von eins bis vier eingestuft.

          Betroffen sind vor allem Bewohner enger Altstadt-Gassen

          Mehr als 300 Straßen, in denen teilweise rückwärts gefahren wurde, galten als kritisch, weshalb die Stadt dort baulich nachgebessert hat. Beispielsweise durch Fahrbahnmarkierungen oder die Erweiterung von Parkverboten – ein Verfahren, das auch in Frankfurt und Kassel praktiziert worden ist. Am Ende blieben in Darmstadt aber zwölf Straßen übrig, darunter einige Sackgassen, bei denen bauliche Eingriffe nichts halfen und deshalb die Müllentsorgung nicht mehr ohne Hilfe der Anwohner funktioniert. Sie sind aufgefordert, ihre Tonne an neu eingerichteten Sammelpunkten für die Müllabfuhr termingerecht bereitzustellen. Wie Darmstadts zuständiger Dezernent André Schellenberg (CDU) sagt, ist diese „Mitwirkungspflicht“ in der städtischen Abfallbeseitigungssatzung verankert. „Die Anwohner kommen da nicht drum herum.“ Betroffen sind vor allem Bewohner in engen Altstadt-Gassen des Stadtteils Arheilgen.

          Obwohl die Regelung der Unfallversicherung eindeutig ist, reagieren die Kommunen doch unterschiedlich. In Frankfurt beispielsweise kommt die Mitwirkungspflicht nicht zum Zug, sondern dort bleibt es beim vollen städtischen Service der Müllentsorgung, was durch kleine Fahrzeuge und besondere Einsatzteams der Müllabfuhr garantiert wird.

          Kleinere Müllfahrzeuge als Lösung

          Auch andere Städte planen, kleinere Müllfahrzeuge anzuschaffen oder künftig mit Fahrzeugen zu arbeiten, die über Assistenzsysteme verfügen und deshalb automatisch abbremsen, wenn ein Hindernis auftaucht. Wieder andere Orte wie Wiesbaden haben ihre Prüfungen noch nicht abgeschlossen. Wie die Darmstädter Pressestelle mitteilt, sind Neuanschaffungen von Mikrofahrzeugen für Sackgassen oder enge Straßen grundsätzlich eine Option. „Wir schließen das für die weitere Zukunft nicht aus. Im Moment sind solche Fahrzeuge aber noch nicht geplant“, sagte der Sprecher.

          So bleibt den betroffenen Anwohnern erst einmal nichts anderes übrig, als die Tonnen weiter zu den Sammelstellen zu bringen oder für den Vollservice einen Aufpreis zu zahlen. Die Pressestelle konnte die kursierende Information, diese Mehrkosten würden sich im Jahr auf mehrere hundert Euro summieren, nicht bestätigen. Es gebe keine pauschale Berechnung, weil die entstehenden Mehrkosten für die Abfallentsorgung in den zwölf Straßen anhängig sei von der konkreten Situation, hieß es aus dem Rathaus. Deshalb würden bei Bedarf für jeden Haushalt „Einzelberechnungen“ erstellt.

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