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Blockade in Biblis : Trommeln gegen den Castor

  • -Aktualisiert am

In Warteposition: Polizisten sichern den Zug mit den Castor-Behältern am Bahnhof Biblis. Bild: Lando Hass

Nur wenige Demonstranten säumen die Strecke, auf der die Behälter mit Atommüll transportiert werden. Dafür ist umso mehr Polizei aus ganz Deutschland anwesend.

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          Es ist 8.04 Uhr am Mittwochmorgen, als der Zug mit den weißen Castor-Behältern unter lautem Quietschen im Bahnhof Biblis zum Stehen kommt. Sofort rattern Fotoapparate, Kamerateams halten den Moment fest. Viele Polizisten stehen an den Gleisen und entlang der Strecke, auch sie werfen einen Blick auf den 600 Meter langen Zug und seine strahlende Fracht. Sechs Behälter mit deutschem Atommüll, aufbereitet im britischen Sellafield, sind an ihrem Ziel in der südhessischen Provinz angekommen. Nun stehen sie im Bahnhof Biblis, kritisch beäugt von ein paar warm angezogenen Demonstranten. Ansonsten ist es ruhig. Der Transport selbst wirkt ebenfalls reichlich unspektakulär, nur am Güterzug selbst, auf dem die Behälter stehen, prangt ein kleines Atomsymbol.

          Am Dienstag war der Zug im niedersächsischen Hafen Nordenham losgefahren, in der Nacht zum Mittwoch hatte er Hessen erreicht. Mit dem Wort „reibungslos“ wird ein Sprecher der Bundespolizei diese Reise später beschreiben. Keine Demonstranten, die sich an Gleise haben ketten lassen, störten die Fahrt, aufgehalten wurde der Transport unterwegs auch nicht. Bis um kurz nach acht Uhr. Denn plötzlich steht er am Bahnhof in Biblis und kommt nicht weiter. Wenige hundert Meter, bevor die Behälter das Zwischenlager am Atomkraftwerk erreichen, haben es doch noch ein paar Demonstranten geschafft, die Gleise zu besetzen. Erst gegen zehn Uhr rollt der Zug ins Zwischenlager.

          Friedlicher Protest gegen Transport

          Eine „Versammlung“ nennt die Polizei die Blockade, wobei sich die Personen jedoch trotz Anordnung geweigert hätten, sie aufzulösen. Die Aktivisten seien letztlich von der Bundespolizei von den Gleisen getragen worden. „Sonst würde die Aktion ja auch keinen Sinn machen“, meint eine ältere Dame mit bordeauxfarbener Wollmütze und „Atomkraft – Nein Danke“-Button, als sich die Aktion am Bahnhof herumspricht. Die Frau repräsentiert einen Großteil der Atomkraftgegner, die nach Biblis gekommen sind: bürgerlich, friedlich und von der Großelterngeneration nicht weit entfernt. „Durchschnittsalter 50 plus“, sagt Protest-Organisator Helmut Würth. „Die Jungen engagieren sich wohl am Dannenröder Forst.“ Die rund 40 Mitstreiter umfassende Seniorengruppe dagegen hatte seit Montag am Rand des Bahnhofs mit einer Mahnwache gegen den Transport demonstriert.

          Aus der Vogelperspektive: Die Polizei beobachtet mit zwei Hubschraubern die Lage.
          Aus der Vogelperspektive: Die Polizei beobachtet mit zwei Hubschraubern die Lage. : Bild: Lando Hass

          Rund 15 weitere solcher Mahnwachen hatte es zuvor entlang der Zugstrecke gegeben, so Würth. Friedlich, denn Krawallmachen sei nicht das Ziel der Aktivisten. Das Lauteste an diesem Mittwochmorgen ist ein Protestmarsch Richtung Atomkraftwerk. Ein Dutzend Demonstranten skandiert im Rhythmus zweier Trommeln „Castor stoppen ist kein Verbrechen“. Die Trommler tragen pinkfarbene Kleider und passende Perücken, sogar die Mundschutze sind farblich abgestimmt. „Die Hygieneregeln werden übrigens vorbildlich eingehalten“, sagt ein Polizeisprecher. Tatsächlich ist offenbar niemand ohne Maske unterwegs. „Der Transport in Zeiten von Corona ist gefährlich genug, auch für die Polizei“, sagt Würth. „Da muss man nicht noch mehr riskieren.“

          Die Pandemie sei auch der Grund, warum nur wenig Demonstranten gekommen seien. Zahlreiche Ältere hätten aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung verzichtet. Dennoch wurden Polizisten aus ganz Deutschland für den Transport zusammengezogen. Wie viele, sagen die Beamten nicht. Allein am Bahnhof aber kommen Hundertschaften von Bundes- und Landespolizei aus Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen.

          Übertrieben ist der Aufzug nicht, Castor-Transporte waren in der Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. Auch dieses Mal habe die Polizei am Bahnhof Hanau-Wolfgang sogenannte Gleiskrallen gefunden. Sie dienen dazu, Personen mit einem Gleis zu verbinden und Züge dadurch am Weiterfahren zu hindern. Zudem sei ein Bus nahe Biblis gestoppt worden, von dessen Insassen sich mehrere geweigert hätten, ihre Ausweise vorzuzeigen. Sie hätten sich ihre Fingerkuppen verklebt, um nicht so schnell identifiziert werden zu können, teilte die Polizei am Mittag mit. Ansonsten verlief der nach neun Jahren erste Castor-Transport durch Deutschland weitgehend friedlich, obgleich er scharf kritisiert worden war. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Behältern. Die für die Lagerung des radioaktiven Mülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung weist diese Bedenken jedoch zurück.

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