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Konzerte auf dem Hessentag : Sag’, wo die Besucher sind

Platz auf den Rängen: Beim Konzert der Band Kings of Leon auf dem Hessentag in Rüsselsheim gab es im Publikum die ein oder andere Lücke. Bild: Hedwig, Victor

Bei Rockkonzerten mit namhaften Bands auf dem Hessentag ist auffallend viel Platz im Publikum. Liegt das an den Ticket-Preisen? Die Veranstalter halten sich bedeckt.

          Nein, Zahlen nennt das Hessentags-Büro ebenso wenig wie der Rathauschef von Rüsselsheim. Angaben zur Kalkulation erwartet zwar ohnehin niemand, schon gar nicht zu den Rockkonzerten. Schließlich plaudert auch sonst in der Branche in aller Regel keiner die Höhe der Gagen aus: Verträge sind Vertrauenssache. Aber selbst Besucherzahlen mögen die Veranstalter des Landesfests nicht preisgeben. Jedenfalls nicht jene, die zu den Auftritten internationaler Größen wie den Scorpions oder den Kings of Leon gekommen sind. Dies nährt wiederum den Argwohn, dass die Zahlen aus Rüsselsheimer Sicht nicht so dolle sind. Dessen ungeachtet lässt schon der Augenschein diesen Schluss zu. Denn nicht nur bei den Scorpions war noch viel Platz vor der Bühne.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mangels offizieller Zahlen muss der Rückgriff auf Beobachtungen her. Zum Scorpions-Gig haben wohlmeinende Berichterstatter 9000 Besucher kolportiert, weniger nette Stimmen sprechen von etwa 6500. Die Kings of Leon haben demnach vor rund 8000 Fans gespielt (F.A.Z. vom Mittwoch). Das mutet auf den ersten Blick nicht schlecht an. Allerdings relativieren sich die Zahlen angesichts des Potentials. Bis zu 32 000 Personen fasst die Arena ohne Bestuhlung bei Konzerten – so viel immerhin ist dem Hessentags-Büro zu entlocken. Da Stühle im Publikum bei Konzerten unüblich sind, wird die Lücke zum Möglichen offenbar.

          8000 Fans eher mau

          Rechnerisch hat der Hessentag an dieser Stelle angesichts der Eintrittspreise von 48,40 Euro bis 68,20 Euro je Ticket einen Umsatz in beachtlicher sechsstelliger Höhe nicht gemacht. Ob daraus ein entsprechendes Defizit folgt, behalten die Veranstalter für sich. Nun kann niemand 30 000 Besucher beim Scorpions-Konzert in Rüsselsheim erwartet haben, zumal die Hannoveraner erst im November in der Festhalle zu Frankfurt spielten. Etwas anders sieht es im Falle Kings of Leon aus.

          Ihr Tourplan wies vor dem Auftritt am Montagabend nur zwei weitere Konzerte in Deutschland auf: eines auf der Berliner Waldbühne und eines in der Münchener Olympiahalle. Anders gesagt: Wer in der Mitte Deutschlands wohnt und diese Band unbedingt sehen wollte, dürfte in Rüsselsheim gewesen sein. Schließlich kosteten die Tickets zwar zwischen 68,20 Euro und 84,70 Euro, das war aber im Vergleich zu Berlin und München kein Ausreißer nach oben. Insofern wirken geschätzte 8000 Fans recht mau.

          Ging auch, gut sogar

          Branchenkenner stellen sich dabei die Frage, ob diese Preise für ein Fest wie den Hessentag angemessen sind: „Vielleicht sind die Karten für dieses Publikum zu teuer“, lautet eine Stimme, die anonym bleiben möchte. Unabhängig davon reiche es nicht, attraktive Acts zu verpflichten. „Man muss für das Publikum was tun und zum Beispiel diverse Food Trucks bieten.“ Ob für jeden Fan auf dem Hessentag etwas dabei war und ist, das ist Geschmackssache.

          Sänger und Gitarrist Caleb Followill der Band Kings of Leon beim Konzert in der Hessentagsarena auf dem Opelgelände

          Eine ganz andere Frage ist, ob sich ein Landesfest eine derart gigantische Bühne leisten muss wie jene, die neben dem Adam-Opel-Haus steht. Da fühlt sich der Besucher beinahe wie bei „Rock am Ring“. Und erinnert sich womöglich an den Hessentag vor zwei Jahrzehnten in Schwalmstadt. Anno 1995 rockten dort Rod Stewart, Elton John, Sheryl Crow, Page & Plant, Eros Ramazotti und Status Quo auf einer kleineren Bühne vor Tausenden Fans, die von der Sonne beschienen auf einer großen Wiese lagerten und standen. Ging auch, gut sogar.

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