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„Frankfurt meets Davos“ : Netzwerken auf 2883 Metern Höhe

Wichtiges Treffen: Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird unter anderem zum Netzwerken genutzt. Bild: dpa

Frankfurt präsentiert sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Es gilt: Je bekannter die Gäste, desto größer die Aufmerksamkeit. Und mit etwas Glück schaut Donald Trump vorbei.

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          Man wird doch noch träumen dürfen! Andreas Scholz ist sich bewusst, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der amerikanische Präsident die Werbeveranstaltung für den Finanzplatz Frankfurt diese Woche in Davos wahrnimmt, geschweige denn besucht: Sie liegt nahe Null. Dennoch will der Geschäftsführer der Euro Finance Group, eines Tochterunternehmens des Deutschen Fachverlags, jede kleine Chance nutzen, um das Interesse Donald Trumps für „Frankfurt meets Davos“ zu wecken.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heute beginnt in dem kleinen Bergdorf im schweizerischen Kanton Graubünden das wichtigste Wirtschaftstreffen des Jahres, zu dem der amerikanische Präsident, aber zum Beispiel auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet werden. Und Scholz nutzt seine Kontakte zu David Knower, dem Deutschlandchef der Finanzfirma Cerberus, der wiederum gute Kontakte zu amerikanischen Politikern unterhält, um noch einmal vorsichtig darauf hinzuweisen, dass am Mittwoch Abend, dem 22. Januar, im Steigenberger Belvedere, einem der großen Kongresshotels in Davos, rund 400 Wirtschaftsvertreter bei „Frankfurt meets Davos“ zusammen kommen werden. „Wer weiß, vielleicht haben wir ja Glück“, sagt Scholz.

          Große Namen und Aufmerksamkeit als Währung

          Nun hängt das Wohl und Wehe des von der Euro Finance Group organisierten Auftritts Frankfurts nicht von Donald Trump ab, und diesen Eindruck will auch Scholz nicht aufkommen lassen. Dennoch zeigt das Bemühen um den Präsidenten, dass große Namen und Aufmerksamkeit beim Weltwirtschaftsforum wichtige Währungen sind. Frankfurt ist nach wie vor die einzige Stadt, die auf dem Jahrestreffen der globalen Wirtschaft für sich wirbt, und das durchaus prominent.

          Denn auch in diesem Jahr hat Scholz wieder ein eigenes Büro angemietet. Was banal klingen mag, ist für Davos-Kenner durchaus bemerkenswert, schließlich ist in den Tagen des Forums jeder Quadratmeter Fläche rund um das Kongresszentrum, in dem die Mächtigen der Welt zusammenkommen, bares Geld wert.

          Zwischen Google und Frauenbekleidung

          Der Euro Finance Group kommt zugute, dass einst Börse-Chef Reto Francioni, ein Schweizer, seinen Konzern in Davos zeigen wollte und eben jenes Büro an der Promenade von Davos anmietete. Inzwischen jedoch legt Börse-Chef Theodor Weimer keinen Wert mehr auf die Präsenz beim World Economic Forum, den Mietvertrag hat deshalb der Kongressveranstalter aus Frankfurt übernommen. Das sonst in dem Laden angesiedelte Geschäft für Frauenbekleidung und Accessoires zieht in dieser Zeit aus – ein üblicher Vorgang in Davos. „Wir befinden uns dort in bester Gesellschaft“, sagt Scholz, denn das Büro liegt unter anderem neben dem Russia Haus und einem Laden, in dem der Internetriese Google während des Wirtschaftsgipfels Flagge zeigt.

          Während der Tage in Davos bilden neben dem Büro als Ort für Veranstaltungen und Einzelgespräche zwei Veranstaltungen die Eckpfeiler für „Frankfurt meets Davos“: Gemeinsam mit dem Standortmarketing Frankfurt-Rhein/Main gibt es am Mittwoch im Untergeschoss des Steigenberger einen Empfang, auf dem unter anderem Deutsche Bank-Chef Christian Sewing, sein Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Lufthansa-Chef Carsten Spohr, aus Frankfurt aber auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erwartet werden. Am Donnerstag dann treffen sich etwa 100 geladene Gäste auf dem herrlich gelegenen Gipfel am Weissfluhjoch, um auf 2883 Metern Höhe das zu tun, was man in Davos eben tut: netzwerken. Schönes Wetter kann da allemal nicht schaden.

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