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Weltkulturen-Museum Frankfurt : Finanzsorgen: Neue Fragezeichen hinter Ausbau

Das Museum der Weltkulturen in Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Erweiterung des Weltkulturen-Museums ist das größte Vorhaben, das der Frankfurter Kulturdezernent Semmelroth verwirklichen will. Noch äußert er trotz der angespannten Finanzlage keine Zweifel an dem Projekt.

          Die Villa mit der Adresse Schaumainkai 29 präsentiert sich, von vielerlei Einbauten und Sichthindernissen befreit, als unaufdringliches Ausstellungsgehäuse. Zugleich hat sie dank der umfassenden Renovierung, für die das Kulturdezernat etwa eine halbe Million Euro aufbrachte, im Inneren ihre bürgerliche Großzügigkeit zurückgewonnen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist das Stadthaus, eines von dreien, in denen das Weltkulturen-Museum seit vielen Jahren provisorisch untergebracht ist, tatsächlich wieder eine jener Perlen in der Kette, die gerne als Metapher für die am Frankfurter Museumsufer aneinandergereihten Villen und ambitionierten architektonischen Ausstellungsgebäude herangezogen wird. Vom 24. Januar an wird in der Villa die Schau "Objekt Atlas - Feldforschung im Museum" gezeigt. Ein Jahr lang haben sich Künstler mit der in Depots verborgenen Sammlung des ethnologischen Museums beschäftigt, einzelne Stücke ausgewählt und sie mit ästhetischen Mitteln kommentiert.

          Fragezeichen hinter Projekt

          Das Ergebnis wird in der Ausstellung zu sehen sein. Wie auch Zeichnungen von Alf Bayrle, der als Zeichner für das einstige Völkerkundemuseum arbeitete und etwa bei einer Expedition nach Äthiopien steinerne Stelen an Ort und Stelle mit dem Zeichenstift erfasste, die später als Teil der Sammlung nach Frankfurt kamen.

          Die Ausstellung, mit der die Museumsleiterin Clémentine Deliss erstmals an eine größere Öffentlichkeit herantritt, versteht sich als Hinweis auf Rang und Umfang einer Sammlung, für die selbst großbürgerliche Gemächer keinen hinreichenden Platz bieten. Weshalb für sie seit mehr als einem halben Jahrhundert neue Räume gesucht werden. Mehrere Anläufe scheiterten, einmal wurde das Vorhaben gestoppt, als schon die Bagger bereitstanden.

          Jetzt scheint das Projekt schon wieder in Frage zu stehen. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt führen zu Zweifeln. Sie sind da und dort schon offen geäußert worden, letzthin von Olaf Cunitz, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Römer. Er bildet mit CDU-Fraktionschef Helmut Heuser, Personaldezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) und Kämmerer Uwe Becker (CDU) eine regelmäßig tagende Kommission, die seit etwa zwei Monaten über die Sparmöglichkeiten im städtischen Haushalt nachsinnt. Im Februar sollen die Vorschläge auf den Tisch kommen.

          Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) weiß, dass auch ihn einiges erwartet. Der Kulturetat wird wohl nicht verschont werden, wenn es um Einsparungen geht. Die Erweiterung des Weltkulturen-Museum sieht er allerdings nicht bedroht. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 16. Juni vorigen Jahres Planungsmittel zur Verfügung gestellt, etwa sieben Millionen Euro.

          "Jetzt wird intensiv an der Bau- und Finanzierungsvorlage gearbeitet", sagte Semmelroth gestern auf Anfrage. "Es gibt intensive Gespräche zwischen Architekten, Museumsleitung und Kulturamt, auch mit dem Bestreben, die Grobkostenschätzung von 80 Millionen, die die Diskussion nicht gerade erleichtert hat, erheblich zu reduzieren." Er habe diese Summe von vornherein als überzogen angesehen, äußerte der Stadtrat. "Aber wenn so etwas einmal in der Welt ist, kommen Sie als Politiker nicht wieder davon weg." Qualitative Einbußen bei der Museumskonzeption solle es jedoch nicht geben.

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