https://www.faz.net/-gzg-9orvs

Zünder unschädlich gemacht : Weltkriegsbombe im Frankfurter Ostend entschärft

Geschafft: Feuerwerker Rene Benner vom Kampfmittelräumdienst des RP Darmstadt, hier vor seinem Einsatz, hat mit seinem Team die Bombe entschärft Bild: Helmut Fricke

Es ist geschafft: Darmstädter Feuerwerker haben die 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe im Frankfurter Ostend entschärfen können. Trotz deformierter Zünder.

          Das Daumendrücken hat sich gelohnt. Feuerwerker haben im Frankfurter Ostend eine 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe entschärft. Das hat die Frankfurter Feuerwehr um 15.40 Uhr  auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gemeldet. Die Sperrungen sind aufgehoben, die Anwohner können demnach nach Hause zurück. Die Entschärfung hat gut zwei Stunden gedauert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Sprengkörper war Ende Juni auf einen Baufeld an der Ecke Mayfarthstraße/Eytelweinstraße gefunden worden. Der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt hat mehr als eine Woche Zeit gehabt, um sich auf diesen Einsatz in der Nähe der Europäischen Zentralbank vorzubereiten.

          Trotzdem mussten sich die Fachleute des Kampfmittelräumdienstes einer besonderen Herausforderung stellen. Die beiden Zünder der Bombe waren erheblich deformiert. Sie mussten deshalb ferngesteuert entfernt werden. Eine Sprengung wie im Fall der Main-Bombe am 14. April sollte es „definitiv“ nicht geben, hatte es schon vor Beginn der Entschärfung geheißen.

          Polizei: Evakuierung nach Plan

          Gegen Mittag ist die Evakuierung der Zone um den Fundort nach Kontrolle der Häuser weitestgehend abgeschlossen worden. Die Aktion ist nach Plan verlaufen, wie die Frankfurter Polizei auf Twitter mitteilte. Die Helfer mussten allerdings noch einige Hilfsbedürftige herausfahren, was zu Verzögerungen führte. 16.500 Personen mussten ihre Wohnungen und Häuser räumen. Das gilt auch für das fünfte Polizeirevier, es ist deshalb nur unter 069/755-10500 erreichbar.

          Gegen 13 Uhr kreiste noch ein Polizeihubschrauber über der Evakuierungszone, wie eine Sprecherin zu FAZ.NET sagte. Die Ordnungshüter wollten sicher gehen, dass sie niemanden übersehen haben und auch keine Person nach der Räumung in das gesperrte Gebiet gelaufen ist.

          Von Haustür zu Haustür

          Seit 8 Uhr liefen Polizisten von Haus zu Haus und klingelten bei den Anwohnern. Sie überprüften die „hoffentlich leeren“ (Polizei) Wohnungen. Wie die Polizei auf Twitter weiter mitteilt, standen die Straßensperren schon gegen 8 Uhr. Das Gebiet wurde mit Flatterbändern und Plastikbarrieren gesperrt. Die Polizei appellierte an die Anwohner: „Hört bitte auf unsere Durchsagen.“ Die Polizei setzte einen Hubschrauber ein, der die Beamten am Boden unterstützte.

          Derweil haben Helfer die Personen, die die Evakuierungszone nicht selbständig verlassen konnten, aus dem Gebiet gefahren, wie die Feuerwehr twittert. „Alles läuft geordnet ab.“ Fast 300 Personen hatten einen Transport angefordert. Kurz nach 13 Uhr hat die Feuerwehr den Abschluss dieser Transporte gemeldet. Dies war etwas später als geplant. Die Feuerwehr begründete das damit, dass manche Hilfsbedürftige sich erst spät gemeldet hätten.

          Vor Evakuierung umfassend informiert

          Etwa 700 Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Hilfsdiensten sind laut Polizei im Einsatz. Über Twitter bedankte sich etwa das Motel One Frankfurt-East Side bei seinen Gästen, die den Vorgaben Folge geleistet haben, sowie bei Polizei und Feuerwehr.

          Um 8 Uhr lief die Evakuierungsfrist der Anlieger ab. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, waren kurz vor Ablauf noch Jogger und Radler unterwegs, manche Hotelgäste mussten noch auschecken. Besonders hilfsbedürftige Frauen, Männer und Kinder waren teils schon am Samstag aus der Zone (siehe Karte) gebracht worden.

          Die Anlieger mussten bis spätestens 8 Uhr das entsprechende Gebiet verlassen, das Teile des Ostends, Oberrads und Sachsenhausens umfasst. Diese Aufforderung sollte nicht überrascht haben. Denn die Medien haben über den Bombenfund und die bevorstehende Entschärfung ausführlich berichtet, so auch die Rhein-Main-Zeitung. Außerdem sind alle Haushalte per Wurfzettel informiert worden, wie die Polizei hervorhebt. Zudem haben die Ordnungshüter zum Beispiel über den Kurznachrichtenkanal Twitter viele Meldungen abgesetzt. Das machte auch die Feuerwehr.

          Irrtümlich „Toleranzzeit“ angenommen

          Dennoch gibt es Anlieger, die nicht ganz Bescheid wussten. FAZ.NET hat zum Beispiel einen Mann angetroffen, der erst gegen 9 Uhr die Evakuierungszone verlassen hat. Er habe gedacht, es gebe eine „Toleranzzeit“ bis 12 Uhr. „Wenn wir noch Leute antreffen, dann sind sie im Begriff zu gehen“, ergänzte eine Sprecherin im Gespräch mit FAZ.NET.

          Vogelperspektive: Per Hubschrauber prüft die Polizei, ob auch wirklich niemand mehr in der Evakuierungszone ist Bilderstrecke

          Wer nicht bei Freunden oder Bekannten außerhalb der Evakuierungszone unterkommt oder etwa einen Ausflug macht, kann ins Zoo-Gesellschaftshaus am Alfred-Brehm-Platz gehen. Dort steht an diesem Sonntag seit 7 Uhr an die eigens eingerichtete Betreuungsstelle offen. Bis 9.30 Uhr haben sich etwa 130 Frauen, Männer und Kinder im Gesellschaftshaus eingefunden, überwiegend Ältere. Tendenz: steigend. Etwa 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes kümmern sich um sie.

          Seit 8 Uhr haben die Anbieter die Bus- und Bahnfahrten in der Evakuierungszone eingestellt. Sie informieren über Ausfälle und Ersatzangebote über ihre eigenen Nachrichtenkanäle, also der RMV etwa über seine App.

          Gesperrt sind unter anderem der Ostbahnhof, die Osthafenbrücke, die Trassen der süd- und der nordmainischen S-Bahn sowie der Zoo. Er ist den gesamten Tag über geschlossen.

          Wie schon an den vergangenen Tagen ist das Bürgertelefon der Frankfurter Feuerwehr besetzt und zwar von 6 Uhr an bis zum Ende des Einsatzes von Feuerwerkern und Helfern. Die Nummer lautet 069/212-111.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.