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Zeigen, was möglich ist: Bei einer Gruppentour nach Berlin wurde Kevin Kleibers Weltreiselust geweckt. Bild: Stephan Lucka

Weltenbummler im Rollstuhl : „Reisen ist ein Ventil für mich“

  • -Aktualisiert am

Der Hesse Kevin Kleiber ist seit seiner Kindheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, fünf Kontinente zu bereisen.

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          Es dauert eine Weile, bis im Skype-Anruf ein Bild er­scheint. Dann ist ein junger Mann mit Brille zu sehen, im Hintergrund eine helle Wohnung mit großen, bodentiefen Fenstern. Der Ausblick hinaus auf das Meer ist traumhaft. Dann bewegt sich Kevin Kleiber, seine Umrisse werden unscharf, und die wunderschöne Umgebung stellt sich als Skype-Hintergrund heraus. Tatsächlich sitzt Kleiber nämlich in ­seinem Zimmer in Niedershausen (Kreis Limburg-Weilburg), einem 1000-Seelen-Dorf in Mittelhessen. Ein Ort, den er liebend gern gegen den Ausblick auf seinem Skype-Hintergrund eintauschen würde.

          Ein weiteres Detail, das zunächst nicht auffällt: Kleiber sitzt im Rollstuhl. Als er ein Säugling war, brach bei einem Zwischenfall seine Fontanelle, die weichen Stellen am Kopf eines Neugeborenen, und es kam zum Sauerstoffmangel. Seitdem ist der heute Einunddreißigjährige rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Die spastische Tetraparese führt zu einer ständigen hohen Muskelspannung im ganzen Körper. „Ich kann nicht locker lassen, stehe immer unter Strom“, sagt Kleiber. „Es ist ein bisschen so, als würde ich in eine Steckdose fassen und meine Finger nicht mehr davon wegkriegen.“ Weder seine Beine noch die einzelnen Finger sind voll funktionsfähig.

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