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Wirtschaft in Rhein-Main : Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge

Demnächst Arbeitskräfte in Unternehmen der Region? Ankunft von Flüchtlingen am Samstagabend im Frankfurter Hauptbahnhof Bild: Helmut Fricke

In den Unternehmen, Verbänden und der Arbeitsverwaltung der Region wird heftig überlegt, wie Flüchtlinge zu unterstützen sind. An Ideen mangelt es offenbar nicht.

          Über den Tellerrand gucken müssen sie bei der Deutschen Bank eigentlich immer. Schließlich ist es das einzige deutsche Kreditinstitut, das weltweit tätig ist. Nun aber wollen Mitarbeiter der Bank auch über den Tellerrand kochen. Jedenfalls hat für diesen Freitag der Verein „Über den Tellerrand kochen“ Flüchtlinge und Einheimische in die Kirche Sankt Gallus an der Mainzer Landstraße in Frankfurt eingeladen. Beim Grillen sollen sich die Frankfurter und Neu-Frankfurter kennenlernen. Und knapp ein Dutzend Mitarbeiter der Deutschen Bank werden bei der Veranstaltung dabei sein.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist eine der vielen Initiativen, mit denen sich Deutschlands größtes Kreditinstitut um die steigende Zahl von Flüchtlingen kümmert. Dem Frankfurter Verein Arbeits- und Erziehungshilfe wurden Dutzende Tickets für das Spiel der Eintracht gegen Hamburg geschenkt, damit sie an minderjährige Flüchtlinge weitergereicht werden. In Eschborn helfen Mitarbeiter des Kreditinstituts bei Sprachkursen, in Viernheim bei dem Versuch, 110 Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. In Darmstadt wird am nächsten Sonntag ein Tennisturnier zugunsten von Flüchtlingskindern stattfinden, mit Unterstützung von Freiwilligen aus der Bank.

          Deutschkurse für Geflüchtete gefördert

          Doch das Frankfurter Kreditinstitut steht damit nicht allein. Die Commerzbank organisiert unter ihren Mitarbeitern eine Spendensammlung zugunsten der Flüchtlingseinrichtungen, die von der Johanniter-Unfallhilfe betrieben werden. Die Stiftung der staatlichen Förderbank KfW hat einen Wettbewerb für Existenzgründer ausgeschrieben, bei dem Ideen prämiert werden, wie sich Flüchtlingen helfen lässt. Im von der Bank geförderten Social Impact Lab in Bockenheim wurde eine Crowdfunding-Aktion für Flüchtlinge aus Eritrea gestartet, die mit Fahrrädern nach Berlin strampeln und unterwegs andere Fahrräder reparieren wollen. Der Schlauchschellen-Hersteller Norma in Maintal hat mit dem dortigen Arbeitskreis Asyl Maintal vereinbart, Deutschkurse für Flüchtlinge zu fördern und Praktikumsplätze anzubieten.

          Auch in anderen Unternehmen der Region wird überlegt, welchen Beitrag man leisten kann, um die Flüchtlinge zu integrieren. Im Kern geht es immer um die beiden gleichen Fragen: Wie kann man Asylbewerbern sofort helfen, damit sie sich einleben? Und, auf Dauer wichtiger: Wie lassen sich diejenigen, die eine Chance auf Anerkennung als Asylanten haben, in den Arbeitsprozess integrieren?

          Ruf nach schnelleren Asylverfahren

          Die Mitarbeiter in den Unternehmerverbänden sind damit ebenfalls mehr und mehr befasst. Kein Wunder, heißt es von dort doch seit Jahren, es fehle an Fachkräften. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt ließ gestern wissen, mit den Leitern der regionalen Berufsbildungszentren und Berufsschulen werde darüber geredet, wie sich Praktikums- und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge schaffen ließen. Dabei werde auch über die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gesprochen. Darüber hinaus dringe man auf eine Ausstattung der Berufsschulen mit Lehrern, die eine Qualifikation für Deutsch als Fremdsprache mitbrächten. Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der Frankfurter IHK, wiederholte bei dieser Gelegenheit die drei wichtigsten Forderungen der Organisation: Asylverfahren müssten beschleunigt werden, damit es für die Unternehmen wie auch die Flüchtlinge Planungssicherheit gebe, es müsse ein schneller Spracherwerb gelingen und zügig festgestellt werden, über welche Qualifikationen die Flüchtlinge verfügten.

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