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Wasserknappheit : Streit am Dorfbrunnen

Trinkwasser ist im Hochtaunuskreis weiterhin knapp. Bild: dpa

Noch immer ist Trinkwasser im Hochtaunuskreis knapp. Für mehrere Gemeinden gelten weiterhin Einsparmaßnahmen, Verstöße können teuer werden.

          2 Min.

          Der Rasen im Garten zeigt inzwischen wieder die Farbe Grün. Der eine oder andere Regenschauer, wenn auch ungleich verteilt, und die ersten Tautropfen in kühler Nacht haben dazu beitragen. Die sogenannten Trinkwasserampeln, mit denen viele Stadtwerke den empfohlenen Umgang mit der kostbaren Ressource anzeigen, sind zwar nicht mehr rot. Auf Gelb stehen sie in Bad Homburg, Oberursel und Steinbach aber immer noch. Auch ohne Ampel gilt in Friedrichsdorf, Kronberg und Königstein der Appell, den Verbrauch niedrig zu halten.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Der Garten sollte höchstens zwei Mal in der Woche gewässert werden, der Rasen überhaupt nicht. Auch für das Autowaschen sollte kein Trinkwasser verwendet werden. Gleiches gilt für die beliebten Gartenpools. Doch da dürften sich inzwischen die kühleren Temperaturen bemerkbar machen.

          Die sechs Städte im Vordertaunus haben zusammen mit Eschborn erst im Juni einen neuen Liefervertrag mit Hessenwasser geschlossen. Ist der Bedarf höher als die vereinbarte Menge, wird das Wasser teurer. Bad Homburg hat diese Menge ausgeschöpft, wie Stadtwerkedirektor Ralf Schroedter sagt. Allerdings muss die Kurstadt nur 30 Prozent des Bedarfs von außen beziehen. In Oberursel hat die rote Ampel gewirkt, ein Zukauf über den Vertragsrahmen hinaus war nicht nötig.

          Gespart werden soll auch jenseits des Taunuskamms. „Der Regen sickert nicht in den trockenen Boden ein, und es war bisher auch zu wenig“, sagt Thomas Pauli (SPD). Er ist Bürgermeister von Neu-Anspach, das ebenso wie Wehrheim und Usingen vom Wasserbeschaffungsverband Usingen versorgt wird. Vier Kommunen im Hochtaunuskreis gingen noch einen Schritt weiter: Bis zum 31. August hatten Grävenwiesbach, Schmitten, Steinbach und Weilrod den Trinkwassernotstand ausgerufen. Damit konnten die Behörden beim illegalen Rasensprengen ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro verhängen.

          Die Lage ändert sich von Tag zu Tag

          In Steinbach und Weilrod ist der Notstand inzwischen aufgehoben. Grävenwiesbach und Schmitten hingegen haben ihn bis Ende September verlängert. „Die Leute wässern zwar weniger, aber an der Gesamtlage ändert sich nichts“, sagt der Schmittener Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos). „Wir schauen von Tag zu Tag.“ Dass der bisherige Regen die Brunnen und Schürfungen noch nicht erreicht, ist die eine Seite.

          Auslöser des Notstands war jedoch vor allem der gestiegene Verbrauch. „Er ist um 40 Prozent in die Höhe gegangen“, erläutert der Weilroder Bauamtsleiter Carsten Filges. „Das entspricht 3000 Einwohnern zusätzlich.“ In Zeiten der Trockenheit lernten die Weilroder die teils hübsch restaurierten alten Dorfbrunnen schätzen, um sich daraus zu bedienen. Mitte August musste Bürgermeister Götz Esser (FWG) an die Solidarität appellieren, nachdem es an den Brunnen fast zu „Kämpfen ums Wasser“ gekommen sei.

          Glashütten versorgt sich selbst und ist nicht an eine Ringleitung angeschlossen. Trotz des drastisch gestiegenen Verbrauchs hätten die eigenen Quellen noch gereicht, sagt Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg (parteilos). Das werde auch gelten, wenn die Gemeinde um das Neubaugebiet Silberbachtal wachse. Denn das falle mit 80 Wohneinheiten für etwa 240 Bürger deutlich kleiner aus als ursprünglich vorgesehen. Die Absicht, eine Gefahrenabwehrverordnung zu beschließen, die den Trinkwassernotstand abdeckt, musste allerdings aufgeschoben werden. „Es stellte sich heraus, dass wir noch eine alte haben, die überarbeitet werden muss.“

          Ähnlich wie Glashütten, das nach neuen Ressourcen sucht und die Wasserwerktechnik auf den neuesten Stand bringen will, soll auch Königstein ein „strategisches Konzept“ für die Trinkwasserversorgung entwickeln. Dazu zählt die Erschließung weiterer Quellen, die Trennung von Trink- und Brauchwasser sowie der Bau von Zisternen, der mit einer Satzung für Neubauten vorgeschrieben werden soll. Auch in der Nachbarstadt Kronberg ist das Trinkwasser knapp. Dort ist jedoch auch wieder die Frage akut geworden, wie man sich gegen zu viel wappnet. Vor zwei Wochen hat Starkregen im Stadtteil Schönberg für vollgelaufene Keller gesorgt.

           

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