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Weitere Gleise bis Gelnhausen : Strecke nach Fulda als Jahrhundertprojekt

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Der Planungsstand bei den ICE-Strecken zwischen Frankfurt, Fulda und Würzburg Bild: F.A.Z.

Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Fulda zieht sich hin. Die Deutsche Bahn sieht sich aber im Zeitplan. Zunächst gibt es weitere Gleise bis Gelnhausen.

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          Ein Jahr nach der Wiederaufnahme der Planung für eine schnellere Eisenbahnverbindung von Frankfurt nach Fulda sieht sich die Deutsche Bahn im Zeitplan. Es sei ein Projektteam aufgebaut worden, und es habe erste Untersuchungen gegeben, mit wie viel Verkehr auf den Strecken in Zukunft zu rechnen sei, heißt es. Zudem habe man damit begonnen, den Ausbau des ersten Streckenabschnitts zwischen Hanau und Gelnhausen vorzubereiten. Wenigstens dort soll es für den Zugverkehr in einigen Jahren vier statt nur zwei Gleise geben.

          Der schwierigere Teil aber, eine vollkommen neu trassierte Strecke von Gelnhausen nach Fulda, womöglich mit einem Abzweig Richtung Würzburg, entwickelt sich zu einem Jahrhundertprojekt - das 21. Jahrhundert dürfte jedenfalls zu einem guten Teil Geschichte sein, wenn der erste Zug auf einer solchen Schnellfahrstrecke fährt, falls sie überhaupt je kommt. Selbst wenn alles perfekt läuft, rechnet die Deutsche Bahn mit einem Baubeginn erst in zehn Jahren. Im Falle von juristischen Auseinandersetzungen oder wenn der Bund nicht rechtzeitig die erforderlichen Milliarden bereitstellt, kann es noch länger dauern. Über die Bauzeit selbst macht der Konzern gar keine Angaben. An der neue Strecke nach Köln war sieben Jahre lang gebaut worden.

          Die Strecke nach Fulda, über die der Verkehr von Frankfurt nach Hamburg, Berlin und Leipzig läuft, ist schon jetzt so überlastet, dass manche Züge andere Wege nehmen, weil sie sich in dem engen Fahrplan nicht unterbringen lassen. Und bis 2025 wird ein weiteres Ansteigen des Verkehrs um ein Drittel erwartet.

          An der Kinzig oder durch den Spessart

          Zwei zusätzliche Gleise, mit denen die Kapazität schlagartig verdoppelt würde, könnten einerseits in der Nähe der vorhandenen Strecke verlegt werden, also entlang der Kinzig, aber auch auf einer völlig neuen Trasse quer durch den Spessart. Eine gewisse Popularität hat die Mottgers-Spange erlangt, ein Begriff, mit dem eine Querverbindung von Gelnhausen nach Sinntal-Mottgers gemeint ist, wo die Fernzüge auf die bestehende Schnellfahrstrecke träfen, die von Hannover über Fulda nach Würzburg führt. Die Züge würden dort nach Norden, Richtung Hamburg und Berlin, abbiegen. Würde man eine Kurve auch in die andere Richtung bauen, also nach Süden, so ließe sich die Strecke auch von Zügen nach Würzburg und weiter nach München nutzen.

          Jahrelang war schon an einer Lösung gearbeitet worden, bevor man alle Planungen im Jahr 2002 abbrach. Seit die Deutsche Bahn vor einem Jahr die Vorarbeiten wiederaufgenommen hat, legen die Verantwortlichen größten Wert darauf, dass ergebnisoffen geplant werde. Gerade die Mottgers-Spange ist umstritten, weil sie den Spessart durchschneiden würde und ICE-Züge nach München, die diese Strecke nutzten, nicht mehr in Aschaffenburg halten könnten. Dort fürchtet man, vom Fernverkehr abgekoppelt zu werden.

          Als möglich gilt vieles. Die Strecke nach Würzburg ist zwar vielbefahren, aber nicht überlastet wie die nach Fulda. Womöglich lassen sich bei steigendem Verkehrsaufkommen auch zusätzliche Züge noch auf der heutigen Trasse unterbringen, wenn sie weiter ertüchtigt wird. Dies soll jetzt untersucht werden.

          Wertvoller Landschaftsraum

          Richtung Fulda aber wird man mit solchen kleineren Verbesserungen nicht davonkommen. Wo aber sollen die zusätzlichen Gleise liegen? Im Kinzigtal reiht sich Ort an Ort, der Spessart wiederum ist ein wertvoller Landschaftsraum. Dort bietet sich jedoch die Möglichkeit, durch lange Tunnel die Eingriffe in die Landschaft zu verkleinern. So könnte die Mottgers-Spange, womöglich ohne Abzweig nach Würzburg, eine zweite Chance bekommen. Man muss die neue Trasse auch nicht mehr unbedingt wie mit einem Lineal gezogen durch die Landschaft führen. Anders als noch vor einem Jahrzehnt legt die Bahn nicht mehr so großen Wert auf hohe Geschwindigkeit. Wichtiger sei die Kapazitätserhöhung, heißt es. Dazu passt auch, dass die neue Strecke auf jeden Fall nicht nur ICE-Züge aufnehmen soll; nachts sollen dort auch Güterzüge verkehren.

          Die Aufgaben, die vor der Projektgruppe stehen, sind also kompliziert genug. Hinzu kommt, dass die Bahn bei der Bürgerbeteiligung diesmal alles richtig machen und ein zweites „Stuttgart 21“ verhindern will. Der Konzernbevollmächtigte für Hessen, Klaus Vornhusen, sagt, mit dem im ersten Jahr Erreichten sei er zufrieden. Im Juli habe es in Gelnhausen eine erste Versammlung mit Politikern und Verbandsvertretern gegeben, vor Ostern werde wahrscheinlich eine Bürgerversammlung folgen, wohl ebenfalls in Gelnhausen. Zufrieden hat man festgestellt, dass zumindest niemand in Abrede stellt, dass die vorhandenen Gleise nach Fulda überlastet sind und Abhilfe nötig ist. „Das finde ich echt klasse“, sagt Projektleiterin Marlene Kißler.

          Keine Vorfestlegung auf eine Trasse

          2014 sollen die Untersuchungen, welcher Verkehr überhaupt über die Strecken laufen soll, fortgeführt werden. Außerdem möchte man sich mit den Umweltverbänden darüber verständigen, wie Flora und Fauna in der Gegend, in der einst Gleise verlegt werden könnten, untersucht werden. Solche Untersuchungen sind notwendig, wenn ein Raumordnungsverfahren eingeleitet wird. Weil die Deutsche Bahn darauf Wert legt, dass es tatsächlich noch keine Vorfestlegung auf eine Trasse gibt, ist der Raum, um den es dabei geht, riesig groß (siehe Karte).

          Außerdem will die Bahn den Bau eines dritten und vierten Gleises zwischen Hanau und Gelnhausen vorantreiben. Dort muss nicht aufwendig eine neue Trasse gefunden werden, die zusätzlichen Gleise sollen neben den vorhandenen liegen. Auf einem Teilstück gibt es sogar schon drei Gleise. Zur Freude der Deutschen Bahn verzichtet das Regierungspräsidium Darmstadt deshalb auf ein Raumordnungsverfahren; die dort zu behandelnden Fragen sollen ins Planfeststellungsverfahren einbezogen werden, das sonst der Raumordnung folgt. Vornhusen und Kißler hoffen, dass die Bauarbeiten zumindest dort um 2020 beginnen können. Allerdings gelten auch dabei die gleichen Einschränkungen wie beim Gesamtprojekt: falls niemand klagt und falls bis dahin Geld bereitsteht. Es bleibt alles eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

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