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Weingut Abtei St.Hildegard : Die Nonne, der Wein und der Humor

  • -Aktualisiert am

Schwester Thekla: Die Winzerin in Gottes Weinberg. Bild: Frank Röth

Schwester Thekla leitet das Weingut der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim. In der Rheingauer Winzerszene ist sie bestens vernetzt und vertritt das klösterliche Unternehmen nach außen.

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          Schwester Thekla passt nicht in das Klischee einer Nonne. Sicher, sie trägt die traditionelle Ordenstracht der Benediktinerinnen und strahlt jene Gelassenheit aus, die zufriedenen Menschen eigen ist. Eher unerwartet ist aber ihr feiner trockener Humor, der im Gespräch immer wieder durchklingt. „Das ist cool“, sagt die 52 Jahre alte Ordensschwester und zeigt auf das Bild eines kleinen Jungen, der den Namen Arthur trägt. Arthur, empfiehlt die Schrift auf dem Bild, solle „wild und gefährlich leben“. Wie kommt dieses Bild in den Weinkeller der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim?

          „Das hat einer Freundin von mir so gut gefallen, da haben wir es aufgehängt“, sagt Schwester Thekla. Die gebürtige Bremerin ist keine Unbekannte im Rheingau und bestens in der Winzerszene vernetzt. Das ist kein Wunder, denn Schwester Thekla ist die Leiterin des Weinguts der Abtei. Die Entscheidung, in das Rheingauer Kloster einzutreten, ist über viele Jahre gewachsen. „Ich bin im Bremer Steintorviertel geboren, stamme aus einer katholischen Familie und bin mit der Kirche aufgewachsen“, erinnert sie sich. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Goldschmiedin werden, aber: „In ganz Bremen gab es nur eine Ausbildungsstelle als Goldschmiedin, und die ist unter der Hand weggegangen, also schwamm ich ein bisschen.“ Auf Rat ihrer Mutter absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr und begann später in Hildesheim eine Ausbildung als Gemeindereferentin.

          Eine prägende Zeit

          „In dieser Zeit lernte ich gemeinsam mit einer Freundin das Kloster Marienrode kennen, das der dortige Bischof mit Ordensleuten wiederbeleben wollte“, sagt sie und während sie sich erinnert, gestikuliert sie mit den Händen, als wolle sie die damalige Zeit als besonders prägend beschreiben. In Marienrode lernte sie Schwester Maria kennen und sagt heute: „Es war faszinierend, jemanden zu erleben, der eine äußerlich strenge Lebensform gewählt hat, der aber einfach ein Mensch war, wie auch ich einer sein wollte.“

          Schwester Thekla formuliert sorgfältig, wenn es um ihre Entscheidung geht, Ordensschwester zu werden. „Ich hatte das Gefühl, irgendwo anders hingerufen zu sein. Man sagt ja auch, jemand hat eine Berufung von Gott für dieses Leben“, schildert sie ihre damaligen Gefühle. Das ließ sie nicht mehr los und 1991 trat sie in das Kloster in Rüdesheim ein. „Seitdem bin ich hier“, sagt sie, und der Eindruck, dass sie auch genau dorthin gehört, verfestigt sich. Ihren norddeutschen Dialekt hört man noch, „das will ich auch hoffen“.

          Seit 26 Jahren im Abtei im Rheingau

          Seit 26 Jahren lebt, betet und arbeitet Schwester Thekla im Rheingau – und heute gehört Wein zu ihrem Leben. Das war nicht immer so. „Ich habe keinen Wein getrunken, keinen Alkohol, gar nichts“, sagt sie fröhlich. Schwester Thekla wurde als Abstinenzlerin von Beginn an im Weinberg eingesetzt „ offenbar hatte auch die damalige Äbtissin Humor. „Die haben sich wohl gesagt, die sieht kräftig aus, schick sie mal dahin“, vermutet Schwester Thekla.

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