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Weilburger Schlosskirche : Eine Kirche für 32.000 Gulden

Prunkvoll: Die Schlosskirche gilt als ein herausragender Sakralbau des Barock. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Weilburger Schlosskirche wird 300 Jahre alt. Sie zählt zu den bedeutenden protestantischen Sakralbauten in Deutschland. Im Jubiläumsjahr beginnen umfangreiche Sanierungen.

          Sein Territorium war überschaubar. Gleichwohl zählte Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg zu den Herrschern mit beachtlichem Vermögen, was er vor allem seinen Einnahmen aus hohen Ämtern im Reichsheer verdankte. Als es darum ging, als Abschluss des Aus- und Umbaus des Herrschersitzes zu einer prunkvollen Weilburger Residenz die Schlosskirche zu errichten, befand sich in der herrschaftlichen Kasse noch immer so viel Geld, dass der Graf die für damalige Verhältnisse beachtliche Summe von mehr als 32.000 Gulden selbst aufbrachte. Seine Untertanen brauchten dafür keine Frondienste leisten, sogar die Hilfsarbeiter erhielten Tagelöhne. Mit solchen finanziellen Ressourcen ausgestattet, ließ Johann Ernst ein Gotteshaus errichten, um das ihn manche Herrscher beneideten. Vor allem das rund 20 Meter breite und ebenso lange Kuppelgewölbe fand schon damals viele Bewunderer.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Nach dem Urteil heutiger Denkmalpfleger zählt die Weilburger Schlosskirche neben der Michaeliskirche in Hamburg und der Dresdener Frauenkirche zu den bedeutenden protestantischen Sakralbauten des Barock in Deutschland. Die Fertigstellung vor 300 Jahren nimmt die Schlosskirchengemeinde zum Anlass für eine Vielzahl von Veranstaltungen, in deren Mittelpunkt ein Symposion am 16. September steht. Weil die Finanzierung durch Beteiligung von Land und Landeskirche nun gesichert ist, beginnen im Jubiläumsjahr zudem umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem Bauwerk, die nach Auskunft von Pfarrer Hans-Joachim Schäl gegen Ende des nächsten beendet sein sollen.

          Die Stadt neu gestalten

          Die Schlosskirche befindet sich an einer Stelle auf einer Anhöhe oberhalb von Lahn und Stadt, wo zuvor schon seit Jahrhunderten rege Bautätigkeit herrscht. Zum Andenken an seinen gefallenen Vater ließ den Quellen zufolge Graf Konrad im Jahr 912 eine Stiftskirche errichten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser Bau immer wieder umgestaltet und im 14.Jahrhundert unter Federführung des Grafen Philipp zu Nassau zugunsten eines Neubaus abgebrochen. Spätere Herrscher ließen dieses Gotteshaus im 16.Jahrhundert erweitern und in den Rang einer Stadtkirche setzen.

          Dieses Andachtsgebäude blieb erhalten, bis sich Graf Johann Ernst im frühen 18. Jahrhundert entschloss, die Stadt im Stil seiner Zeit neu zu gestalten, weil das mittelalterliche Weilburg nicht mehr den Ansprüchen gerecht wurde, die ein auf Repräsentation besonders bedachter Fürst des Barock an seine Residenz stellte. Nach Entwürfen des Landbaumeisters Julius Ludwig Rothweil entstand von 1702 an in mehreren Bauphasen die obere Orangerie mit dem erweiterten Renaissanceschloss, der herrschaftliche Lustgarten, Marstall und Kanzleigebäude. Auch der Markplatz bekam ein neues Antlitz. Zu den wichtigsten Vorhaben zählte der Neubau der Kirche. Baumeister Rothweil ließ den Turm des alten Gotteshauses bis auf einen Stumpf abtragen, und das Schiff fiel der Spitzhacke zum Opfer. 1707 wurde mit dem Bau der heutigen Schlosskirche begonnen. Es entstand bis Ende 1712 ein stattliches, nahezu quadratisches Gebäude, das zugleich als Hof- und Stadtpfarrkirche diente.

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