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Weihnachtszirkus : Hoch im Manegenhimmel

Eine mitreißende Schau, die jedem Hollywood-Stuntman zur Ehre gereichen würde. Bild: Michael Kretzer

Vor den Festtagen lockt der Weihnachtszirkus in Frankfurt viele Familien an. Wer im Zelt am Ratsweg in die Magie der Manege eintraucht, denkt bisweilen an Westernfilme.

          Der Frankfurter Weihnachtszirkus auf dem Festplatz am Ratsweg wird von Jahr zu Jahr besser. Die Mainmetropole hat längst gleichgezogen mit anderen Großstädten wie etwa Stuttgart, wo der Besuch einer Zirkusvorstellung vor und während der Feiertage für viele Familien mittlerweile zum Festprogramm gehört. Viele Frankfurter folgen diesem Trend. Zur Premiere des Great Christmas Circus am Freitagabend war das Zelt der Zirkusfamilie Wille-Busch fast bis auf den letzten Platz besetzt. Wer noch Karten für die Feiertage kaufen möchte, sollte sich beeilen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit drei Nummern auf Weltniveau und zahlreichen weiteren unterhaltsamen Darbietungen wartet das Unternehmen Carl Busch mit einem Programm auf, das sich sehen lassen kann. Den schnellsten Galopp in der zweieinhalbstündigen Vorstellung legen die Dschigiten-Reiter der Khadikov-Truppe aus Kasachstan hin. Man fühlt sich an Westernfilme erinnert, in denen Indianer auf ihren Pferden die Wagenburg weiße Siedler umrunden.

          Waghalsige Nummern

          Selten hat man eine derart waghalsige Reiternummer gesehen. Die Khadikov-Artisten können sich durchaus mit den berühmten Kunstreitern aus der Reitschule des Kremls oder der Richter-Truppe aus Ungarn messen. Während ihre Pferde in rasendem Tempo durch die Manege galoppieren, schwingen sich diese tollkühnen Pferdebändiger unter dem Bauch ihrer Tiere auf die andere Seite, liegen quer auf deren Rücken oder laufen kurz nebenher und werfen sich danach wieder in den Sattel. Die drei Kasachen und eine junge Tschechin liefern eine mitreißende Schau, die jedem Hollywood-Stuntman zur Ehre gereichen würde.

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          Ballett auf den Schultern ist eine chinesische Spezialität, mit der schon mehrfach Künstler aus dem Reich der artistischen Mitte beim Zirkusfestival in Monte Carlo begeistert haben. Das Duo Changzhi würde, nimmt man ihre Nummer im Weihnachtszirkus als Maßstab, mit seiner Hebeartistik dort sicher auch einen Clown, also einen Festival-Preis, gewinnen. Auf dem Höhepunkt der Darbietung steht die zarte Ballerina Zhang Jiaxiang auf einem Bein Spitze auf der Schulter oder dem Kopf ihres Partners Guo Zhimin.

          Die dritte Nummer von Weltniveau ist in der tschechischen Familie Stauberti von Generation zu Generation weitergereicht worden. Perche-Akrobatik nennt sich die Kunst von Dimitri Stauberti und seiner Nichte Nancy. Sie hat klassisches Ballett in Prag studiert, ist jetzt aber ihrer Tante, Mutter und Großmutter auf die vier Meter hohe Stange gefolgt, die ihr Onkel auf dem Kopf balanciert. Dort oben geht Nancy in den Handstand, unten balanciert Dimitri bei einem Trick sogar noch auf einem Einrad.

          Leckerbissen für Pferdefreunde

          Dass der Zirkus Carl Busch dieses begehrte Duo, das im vergangenen Jahr beim Festival in Monte Carlo einen Silbernen Clown gewonnen hat, unter Vertrag nehmen konnte, ist nicht selbstverständlich. Nancy Stauberti tritt sogar noch mit einer zweiten Nummer auf, mit einem Zopfhang. An ihren Haaren lässt sie sich hoch in den Manegenhimmel ziehen und dreht sich wie ein Kreisel oder glänzt mit schönen artistischen Kunststücken.

          Lachnummer mit Popcorn: Clown Angelo Chavez

          Ein Leckerbissen für Pferdefreunde ist wie immer die Dressur von Friesen und Andalusiern und die Hohe Schule, traditionell dargeboten von der Juniorchefin Natascha Wille-Busch. Erstaunlicherweise haben in diesem Jahr die Tierschützer, die sonst immer vor einer Premiere demonstrieren, die warme Heizung ihrer Wohnung der Winterkälte vor dem gut geheizten Zelt vorgezogen, wiewohl sie in ihrem Fanatismus auch Pferde im Zirkus verboten sehen wollen.

          Balanceakt auf dem Skateboard

          Mountainbike-Nummern sind rar im Zirkus, Jan Sokolovsky legt am Ratsweg eine sehr ambitionierte hin. Zu seinen Requisiten zählen eine Parkbank und eine Assistentin, die furchtlos die heißen Reifen erträgt, die der junge Russe dicht neben ihrem Körper aufklatschen lässt. Die ebenfalls junge Luftakrobatin Rachel Siemoneit-Bauer aus der Zirkusfamilie zeigt schöne Tricks in ihrem schwebenden Vogelkäfig, freilich fehlen ihr noch etwas Temperament und Ausdruck.

          Der portugiesische Rola-Rola-Mann Kevin Chaves beweist einen sicheren Tritt.

          Der portugiesische Rola-Rola-Mann Kevin Chaves macht mit seiner Balance auf vier wackligen Skateboards und anderen rollenden Utensilien gute Laune. Die Seiltänzer Kose und Danile Munoz aus Spanien hatten bei der Premiere Pech, doch unter normalen Umständen beherrschen sie den Salto rückwärts auf dem Seil.

          Die clowneske Lücke im Programm füllt der Portugiese Angelo Chaves, der auch ernstere Naturen zum Lachen bringen kann. Achtung! Er holt sich einmal auch Darsteller aus dem Publikum. Wer mitmacht, braucht einen Schuss Humor.

          Veranstaltungskalender
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          Great Christmas Circus

          Der Zirkus gastiert noch bis zum 6. Januar auf dem Festplatz am Ratsweg. Vorstellungen täglich um 15.30 und 20 Uhr. Heute und morgen keine Darbietung. Am 19. und 20. Dezember nur um 15.30 Uhr. Heiligabend nur um 14 Uhr. Silvester 15.30 und 20 Uhr.

           

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