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Weihnachtskrippen : „Euch ist heute ein Kind geboren“

Eine in Papua-Neuguinea gefertigte Krippe ist neu in der Sammlung des Krippenmuseums Glattbach. Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Mysterium mit Händen greifen: Weihnachtskrippen verbinden auf allen Kontinenten die Bilderwelt der Adventszeit mit dem Dreikönigsfest. Mit viel Lokalkolorit.

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          Das Mysterium in der hochheiligen Nacht war den Evangelisten kaum eine Zeile wert. Bei Markus und Johannes findet sich zu den Geschehnissen von Jesu Geburt in Bethlehem kein Wort, bei Matthäus wird sie eher beiläufig und ohne Ortsangabe erwähnt, und nur Lukas bietet einige wenige Details, wenn er schreibt: „So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“(Lk 2, 4-7)

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wann die christliche Kirche begann, die Liturgie in szenisch aufbereiteter Form den Gläubigen anschaulicher zu machen, lässt sich nicht genau nachvollziehen. Als Begründer der Darstellung des Weihnachtsgeschehens gilt daher Franz von Assisi, der im Jahr 1223 im Wald von Greccio die Ereignisse in der Heiligen Nacht statt in einer Predigt tatsächlich anhand einer echten, mit Heu gefüllten Krippe und mit lebendigen Tieren körperlich präsentierte.

          Heilsgeschichte in der Gegenwart

          Außer diesen Weihnachtsspielen darf auch die Darstellung der Geburtsszene in Altarschreinen und die Anbetung der Heiligen Drei Könige als bedeutsam auf dem Weg zur Krippe angesehen werden. Das für Weihnachtskrippen charakteristische Kleinformat der Figuren ist seit dem 14. Jahrhundert von Altärchen und kleinen Reliefs für die private Andacht bekannt. Diese Figuren aus dem Altarkontext zu lösen und sie in räumliche Landschaften oder Architekturen zu setzen, kam im 16. Jahrhundert auf.

          Eine von Jesuiten im Jahr 1562 in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung gilt als erste Nennung einer Weihnachtskrippe im heutigen Sinn. Nicht zuletzt bestärkt durch das Konzil von Trient (1545-1563) versuchten gerade die Orden der Jesuiten, Franziskaner und Serviten, die Inhalte der Bibel durch szenenhafte Darstellungen neu zu beleben. Vor allem Weihnachten und die Passion zu Ostern wurden so den Gläubigen nahegebracht. In Kirchen aufgestellte Kästchen mit biblischen Darstellungen wurden rasch populär, zogen sie die Gläubigen doch wortlos in ihren Bann.

          Geradezu manufakturelle Herstellungsmethoden

          Spätestens im 18. Jahrhundert waren Krippen dann so weit verbreitet, dass sie zum Inventar fast jeder Pfarrkirche gehörten. An ihrer figürlichen und materiellen Ausstattung wurde dabei nicht gespart. Übertroffen wurden sie allerdings von den großen Weihnachtskrippen in den Klöstern, die oft mehrere Szenen mit Hunderten von Figuren darstellten und mit ergänzenden Genreszenen die biblische Geschichte in das Hier und Jetzt des Betrachters überführten. Der sollte schließlich merken, dass die Heilsgeschichte in der Gegenwart spielte und er ein Teil davon war.

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