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Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel : Hoffen auf den Endspurt

Bequem: Das Einpacken wird in vielen Geschäften von den Kunden gerne den Experten überlassen. Bild: Stefan Finger

Spielekonsolen und Tablets, Geld und Gutscheine - das wird in diesem Jahr zu Weihnachten geschenkt. Zur Halbzeit sind nicht alle Händler zufrieden.

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          Auf einen ist Verlass. Spätestens dann, wenn der Zirkusmensch vor dem Eingang des Karstadt-Hauses an der Zeil mit seiner Spendenbüchse rappelt und das winzige Pony, das er dabei hat, ein Geschmäckle verbreitet, weiß der Frankfurter Konsument: Bald ist Weihnachten. In Hektik muss deswegen niemand verfallen, die Regale sind noch gut gefüllt, und zwei Adventssamstage haben Verbraucher noch Zeit, um die Geschenkeliste abzuarbeiten. Der Samstag vor dem dritten Advent, gilt beim Handel als der stärkste Einkaufstag.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Bilanz der Händler zur Halbzeit fällt gemischt aus, einige halten sich auch bedeckt. Zu denen zählt Georg Lackner nicht. Der Center-Manager des Nord-West-Zentrums freut sich zwar über einen „guten und viel versprechenden“ November, ist mit den ersten beiden Dezember-Wochen jedoch nicht zufrieden. „Das war ganz normales Alltagsgeschäft.“ Das Sturmtief Xaver und die Aufforderungen, zu Hause zu bleiben, macht er auch in Hessen für die Zurückhaltung verantwortlich. Lackner setzt wie viele seiner Kollegen auf die Tage nach Weihnachten, wenn die Leute Zeit zum Einkaufen haben und ihre Geldgeschenke und Gutscheine - die seien immer mehr gefragt - einlösen möchten. „Das wird spannend.“

          „Auf den letzten Drücker“

          Schon jetzt „sehr zufrieden“ ist sein Kollege vom Main-Taunus-Zentrum (MTZ), Matthias Borutta. Bei den Besucherzahlen verzeichne das MTZ ein zweistelliges Plus, sagt der Center-Manager. Die Kundenströme würden sich besser verteilen als bisher, daher sei der Betrieb auch am vergangenen Samstag reibungslos verlaufen. Das Feedback der Händler sei positiv. Gekauft würden in diesem Jahr neben Klassikern wie Parfum, Winterbekleidung und Schmuck vor allem technische Geräte wie Spielekonsolen und Tablets.

          Galeria Kaufhof in Frankfurt bietet in diesem Jahr eigens Geschenke-Körbe für Kinder. Nach dem Vorbild der Hochzeitstische werden sie mit Spielwaren, Süßem und Bekleidung gefüllt. „Viele Großeltern sind dankbar für eine Empfehlung“, sagt Kaufhof-Chef-Frank Bertsch, der von einer „tollen Frequenz“ spricht, aber keine Angaben zu Umsätzen macht. Sein Nachbar, Philipp Keller, Inhaber des Haushaltswarengeschäfts Lorey, darf etwas deutlicher werden. Der Dezember liege beim Umsatz bisher „leicht“ unter dem Vorjahr. Er sei jedoch zuversichtlich, „dass wir das noch packen“. Inzwischen sei es Trend, „Geschenke auf den letzten Drücker zu kaufen“. Das ist grundsätzlich gut für den stationären Einzelhandel, weil das Internet zeitlich meist nicht mithalten kann. Die Geschenke kämen zu spät an.

          Nur Samstage passabel

          Positiv vermerkt Kaufhof-Chef Bertsch, dass auf der Zeil seit Jahrzehnten erstmals wieder eine Weihnachtsbeleuchtung für weihnachtliche Stimmung sorge. Und die Würstchen- und Glühweinbuden vor der Ladentür sind ebenfalls willkommen. Der Platz vor dem Kaufhof-Eingang ist das ganze Jahr über Treffpunkt für viele, die nach Feierabend noch etwas mit Freunden unternehmen. Während des Weihnachtsmarktes ist der Andrang besonders groß. Manch einer erledigt bei dieser Gelegenheit Geschenkeeinkäufe und wundert sich vielleicht, dass er beim Kaufhof derzeit sogar bis 22 Uhr bedient wird.

          Mit den Öffnungszeiten in der Frankfurter Innenstadt geht es wie immer wild durcheinander. Bei Hugendubel, Peek & Cloppenburg und im Einkaufszentrum My Zeil etwa können Kunden nur donnerstags, freitags und samstags bis 21 Uhr einkaufen. Karstadt öffnet zurzeit durchgängig bis 21 Uhr.

          Für die Einzelhändler in der Frankfurter Innenstadt ist das diesjährige Weihnachtsgeschäft das erste mit einem neuen Einkaufszentrum, dem Skyline Plaza, vor der Tür. Bisher sieht es jedoch nicht so aus, als stelle es eine große Bedrohung für die Innenstadt dar. Der Betrieb unter der Woche, vor allem in den Abendstunden nach acht Uhr, ist recht überschaubar. Spricht man mit Händlern, wird geklagt, es sei zu wenig los. Nur die Samstage seien passabel.

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