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Lufthansa kontra Fraport : Dicke Luft am Flughafen wegen Ryanair

Neuling und Platzhirsch: Ryanair ärgert die Lufthansa in Frankfurt Bild: dpa

Zwischen dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, der Fraport AG, und seinem größten Kunden, der Lufthansa, kracht es wegen der Billigkonkurrenz. Nun will die Fluglinie ihren Systempartner sogar verklagen.

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          Als Trotzreaktion auf die Rabatte für Ryanair zum Start in Frankfurt will die Lufthansa ihre Entscheidung natürlich nicht verstanden wissen, die Geschäftszahlen erstmals am Flughafen München zu präsentieren und nicht in der Frankfurter Unternehmenszentrale. Wie auch immer: Den Schlag dürfte Fraport sehr deutlich gespürt haben. Zumal zwei Tage vor der Bilanzvorlage in München das dortige Terminal 2 auch noch vom renommierten britischen Bewertungsunternehmen Skytrax zur Nummer eins weltweit gekürt wurde – auch wegen des neuen Abfertigungs-Satelliten, den die Lufthansa dort zusammen mit der Flughafen München GmbH errichtet hat.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr war denn auch derart demonstrativ voll des Lobes für München, dass in Frankfurt auch den weniger Sensiblen bei Fraport die Ohren geklingelt haben müssen. Womöglich auch deshalb, weil von den beiden Frankfurter Terminals keines unter die ersten zehn des Rankings kam.

          Lufthansa baut Präsenz in München aus

          Keine Frage, Spohr nutzte den Auftritt in München, um zu demonstrieren, wie wenig er von den Avancen hält, die Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte der irischen Ryanair und anderen Billigfluglinien macht. Dazu passt, dass Spohr einen über das ohnehin geplante Maß hinausgehenden Ausbau der Lufthansa-Präsenz in München ankündigte: Statt der vorgesehenen zehn Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A350 werden nun noch fünf weitere nach München ausgeliefert. Der Flughafen biete eine großartige Infrastruktur für diesen modernen Flieger. Der zu mehr als 50 Prozent aus Kohlefaserverbundwerkstoffen bestehende Jet ermögliche es München, unter den Drehkreuzen der Lufthansa weiter an Bedeutung zuzulegen, sagte Spohr weiter. Den Nachsatz „im Vergleich zu Frankfurt“ musste er gar nicht mehr aussprechen, die Ohrfeige für den Systempartner vom Main traf auch so.

          Spohr, der praktischerweise ganz in der Nähe des Münchner Flughafenareals im Erdinger Moses wohnt, setzte vor den Mikrofonen in München sogar noch einen drauf: Er drohte dem Betreiber des Frankfurter Flughafens mit einer Klage. Wegen Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Billigflieger.

          Tags darauf revanchierte sich Schulte dann während der Fraport-Bilanzvorlage mit dem Hinweis, dass man die Entgeltordnung notfalls rechtlich durchsetzen werde. Was ebenfalls auf eine Klage hinausliefe.

          Die Chancen wären sicher nicht schlecht, schließlich ist die Entgeltordnung vom zuständigen hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium geprüft und genehmigt worden, nachdem angemahnte Korrekturen in Sachen Chancengleichheit vollzogen worden waren. Minister Tarek Al-Wazir (Die Grünen), der sicher nicht im Verdacht steht, neuen Flugverkehr in der Region mit leichter Hand durchzuwinken, hatte auf die gesetzlichen Bestimmungen verwiesen, die wenig Handhabe böten, neue Fluggesellschaften und günstige Einstiegstarife abzuwehren. Von einer „Lex Ryanair“ könne jedenfalls keine Rede sein, sagte der Minister.

          Ausbau: Ryanair-Chef O´Leary mit den neuen Verbindungen ab Frankfurt

          Schon Monate zuvor hatte in diesem Zusammenhang Schulte Äußerungen Spohrs zurückgewiesen, die er als Unterstellung empfand, Fraport gewähre Ryanair unzulässige Rabatte bei den Flughafenentgelten. Ähnlich hatte sich der Chef der Ferienfluggesellschaft Condor, Ralf Teckentrup, geäußert. Es gebe keinen unzulässigen Rabatt, sagte Schulte. Vielmehr lasse das Gesetz zu, einer Fluggesellschaft, die an einem neuen Standort den Betrieb aufnehme, den Start zu erleichtern, indem man in den ersten drei Jahren niedrigere Entgelte in Rechnung stelle. Dieser Rabatt sinke im Verlauf der Frist aber schrittweise auf null.

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