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Wegen Ruhestörungen : Bürgermeister droht Pokémon-Fans mit Strafen

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Vorbild auch für Steinau? In Niedersachsen hat ein Gastronom ein Verbotsschild aufgehängt, nachdem Pokémon-Trainer seinen Stand belagerten. Bild: dpa

Einem hessischen Bürgermeister wurde die Pokémon-Jagd zu viel. In Steinau an der Straße häufen sich die Beschwerden, jetzt hat der Ortsvorsteher Strafen angekündigt.

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          Das weltweit beliebte Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ stößt nicht überall in Hessen auf Gegenliebe. Für großen Ärger sorgen die Onlinespieler in Steinau an der Straße. In der 10 000-Einwohner-Stadt im Main-Kinzig-Kreis häufen sich seit Wochen Beschwerden über Lärm in der Nacht. Selbst in der Dunkelheit sind Freunde der virtuellen Monsterjagd in der kleinen Fachwerk-Innenstadt mit ihren Handys unterwegs.

          Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteilos) droht deshalb mit Platzverweisen und sogar Bußgeldern. „Ich will niemandem etwas Böses. Aber wenn es zu laut wird, ist Schluss mit lustig. Die Spieler müssen Rücksicht nehmen und können nachts nicht so herumlärmen“, sagte er am Dienstag und bestätigte Medienberichte.

          Auch andere Städte in Hessen haben Probleme

          In Steinau gebe es an einigen Ecken für Pokémon-Spieler reizvolle Orte, wo sie Monster fangen und kämpfen lassen können, sagte Uffeln. Der Bürgermeister will nun beim Anbieter des Online-Games dafür sorgen, dass die Orte aus dem Spiel genommen werden. Für seinen öffentlichen Vorstoß, den Uffeln als „pädagogische Peitsche“ bezeichnet, erntete er in den sozialen Medien auch Kritik.

          Mit dem Smartphone-Spiel von Nintendo gehen Spieler in der realen Welt auf die Suche nach kleinen virtuellen Monster-Figuren, die sie einfangen, trainieren und gegeneinander kämpfen lassen können.

          Auch an anderen Orten in Hessen sorgt das zuweilen massenhafte Auftreten der Pokémon-Fans für Aufsehen. Nicht selten halten sie auch die Polizei in Atem. Die Beamten beobachteten bereits, dass Spieler auf Dächer klettern, über rote Ampeln laufen und sich auf fremdem Terrain bewegen. Wer bei der Suche nach den virtuellen Monstern unerlaubt auf Grundstücke eindringe, müsse mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen, warnt die Polizei Frankfurt.

          Steinaus Bürgermeister ruft zu Mithilfe auf

          In Kassel vor der zentral gelegenen Elisabeth-Kirche und am Bad Hersfelder Bahnhof blockierten die Monster-Jäger bereits den Straßenverkehr. In Frankfurt stoppte die Polizei nachts einen Wagen mit jungen Leute wegen gefährlicher Fahrweise. Das Auto beschleunigte abrupt, schlingerte und bremste grundlos. An einer Ampel sprang einer der Beifahrer aus dem Wagen, um einen Pokémon zu fangen.

          Ebenfalls in Frankfurt kletterten waghalsige Spieler im Dunkeln auf das zehn Meter hohe Dach eines Einkaufszentrums. Die 15 und 16 Jahre alten Pokémon-Fans lösten damit einen Polizeieinsatz aus. In Wiesbaden hinterlassen die Anhänger immer wieder haufenweise Abfall im Kurpark.

          Steinaus Bürgermeister Uffeln rief die Bürger wegen der Umtriebe der meist jungen Pokémon-Fans zur Mithilfe auf. Lärmende Spieler könnten ihm aufs Mobiltelefon oder per Facebook-Nachricht gemeldet werden. „Wir können die Ausbreitung von Pokémon-Go nicht verhindern, es gilt aber auch hier der allgemeine Rechtsgrundsatz, dass sich im öffentlichen Raum jeder Mensch so zu verhalten hat, dass er andere Menschen nicht unvermeidbar durch Lärm beeinträchtigt und belästigt“, sagte der Jurist und Rathaus-Chef der Brüder-Grimm-Stadt.

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