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Wegen Neustrukturierung : Schwab-Versand verlässt Stammsitz für Frankfurt

Bald woanders: die Zentrale der Schwab Versand GmbH in Hanau Bild: dapd

Im Rahmen einer Neustrukturierung verlässt Schwab-Versand seinen Stammsitz in Hanau. Am neuen Standort will sich das Unternehmen auf den Ausbau eines Plus-Size-Modelabels konzentrieren.

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          Der traditionsreiche Schwab-Versand wird zum Jahresende seinen Stammsitz in der Nähe des Hanauer Hafens aufgeben und die Stadt verlassen. Im Februar hatte die Tochter der Otto-Gruppe bekanntgegeben, dass am Standort am Kinzigheimer Weg im Rahmen einer tiefgreifenden Neustrukturierung des Unternehmens unter der Überschrift „Fit für die Zukunft“ weitere 150 Arbeitsplätze abgebaut werden sollten. In Hanau würden noch 220 Beschäftigte bleiben. Das Unternehmen kündigte seinerzeit auch an, ein neues Areal innerhalb Hanaus Stadtgrenzen suchen zu wollen. Konzentrieren wolle man sich auf die im Jahr 2009 eingeführte Marke „Sheego“ mit Konfektionsgrößen zwischen 44 und 58.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Wie die Schwab Versand GmbH nun mitteilte, wird sie den Kinzigheimer Weg bis Ende des Jahres nach rund 66 Jahren aufgeben, um den Firmensitz nach Frankfurt zu verlegen. Rund 220 derzeitige Mitarbeiter sollen mit ihrem Arbeitsplatz dorthin umziehen. Der Logistik-Standort Langenselbold soll nach Unternehmensangaben erhalten bleiben. Betrieben werde er von sofort an nicht mehr von der Schwab Versand GmbH, sondern von der Hermes Fulfilment GmbH, die als führender Logistikdienstleister der Otto Group für den wirtschaftlichen Betrieb des Standorts bestens aufgestellt sei.

          Arbeitsplätze im Lager seien gesichert

          Festgehalten werde an dem Konzept, sich auf die Modemarke „Sheego“ zu konzentrieren. Die „Plus Size Marke“ werde künftig von Frankfurt aus als sogenanntes vertikales Modelabel, bei dem die gesamte Herstellungs- und Vermarktungskette von dem Unternehmen selbst besorgt wird, ausgebaut. Die jüngst gestartete digitale Expansion in weitere europäische Märkte werde fortgesetzt. Man werde sich voll auf die Entwicklung von Marke und Produkt konzentrieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Hermes Fulfilment GmbH unterstütze „Sheego“ als Logistik-Partner durch die Übernahme des ehemaligen Schwab-Lagers in Langenselbold. Geschäftsführer des Logistik-Standorts Langenselbold sei der bisherige Hermes-Fulfilment-Geschäftsführer Andreas Stumpf. Nach seinen Worten sollen die Bestellungen der Kunden in kürzester Zeit abgewickelt und pünktlich ausgeliefert werden. Das sei ein bedeutender Teil der Wertschöpfungskette und wirke sich auf die Wahrnehmung einer Marke aus.

          Hermes Fulfilment werde künftig für Artikel bis zu einer Größenordnung von 25 Kilogramm den Neuwareneingang, die Lagerhaltung und -steuerung, die Kommissionierung sowie den Versand an Kunden organisieren. Infolge des Ausbaus und durch die Übergabe des Betriebs an Hermes Fulfilment werde das Lager in Langenselbold voll ausgelastet und stehe somit auf einer wirtschaftlich gesunden Basis. Die dortigen 280 Arbeitsplätze seien daher gesichert.

          Zukunft der Gebäude ungewiss

          Die Entscheidung für den Frankfurter Standort, über dessen Lage das Unternehmen noch schweigt, sei nicht leichtgefallen, denn man sei sich der Wurzeln von Schwab bewusst, sagt Torge Doser, Geschäftsführer der Schwab Versand GmbH. In Frankfurt ergäben sich für „Sheego“ aber beste Netzwerkbedingungen. Die Stadt Hanau bedauert laut Stadtentwickler Martin Bieberle den geplanten Wegzug der Schwab GmbH, denn es handele sich um ein Markenzeichen für Hanau.

          Schwab wurde im Jahr 1954 von Friedrich Schwab in Klein-Auheim gegründet und hat seit Ende der fünfziger Jahre den Sitz am Kinzigheimer Weg. Schwab entwickelte sich zügig zu einem Vollsortimenter und zählte in der Folgezeit zu den großen Versandunternehmen in Deutschland. Auch am Standort selbst wurde verkauft, beliebt waren dort insbesondere die „Schnäppchenartikel“. Das Areal wurde Bieberle zufolge an einen Projektentwickler verkauft, der es künftig vermieten wird. Dabei stehe der neue Besitzer in engem Austausch mit der Stadt. Geeignet sei es für die Ansiedlung von „robustem Gewerbe“, so Bieberle. Die Zukunft der Gebäude sei noch offen. Ob sie stehen bleiben, hänge von der künftigen Nutzung ab. Mit einem Leerstand rechnet man in der Stadt nicht, denn Gewerbegebiete seien in Hanau rar.

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