https://www.faz.net/-gzg-8lg2b

Wechselkröte bedroht : Nächtlicher Einsatz gegen eingeschleppten Feind

  • -Aktualisiert am

Freund und Freind: Die Wechselkröte hat sich in den Kiesgruben im Main-Taunus-Kreis kaum noch vermehrt... Bild: Rainer Wohlfahrt

Im Main-Taunus-Kreis droht die Wechselkröte auszusterben. Naturschützer haben nun erkannt, dass der Louisiana-Krebs daran schuld ist und einen Rettungsplan entworfen.

          2 Min.

          In dem zum Schutz vor Reihern abgedeckten Becken im Waldgarten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald schwimmen Louisiana-Flusskrebse. Die Vorsorge ist eigentlich nicht notwendig. Die Naturschützer verfüttern oftmals Krebse an den in dem Gehege am Hofheimer Hubertuspfad lebenden europäischen Nerz, für den dies eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan darstellt. Auch landeten in jüngster Zeit schon mehrfach Schalentiere im Kochtopf eines der Naturschützer. Louisiana-Krebse seien durchaus schmackhaft, berichtet der Vorsitzende Horst Mauer.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Viel Sympathie bringt der Hofheimer der aus Nordamerika eingeschleppten Art nicht entgegen: Louisiana-Krebse würden wegen ihrer Schönheit und Anspruchslosigkeit in der Haltung gerne von Aquariumsbesitzern gekauft, von diesen allerdings auch des Öfteren in Flüssen oder Teichen ausgesetzt, erläutert Mauer. Die Krebse stellten im Main-Taunus-Kreis die größte Bedrohung für die Wechselkröte dar, die kurz vor dem Aussterben stehe.

          Nur noch einige tausend Wechselkröten

          Für den Erhalt der bedrohten Amphibienart bleibe nicht mehr viel Zeit, sagt Landrat Michael Cyriax (CDU). Insbesondere in der Hochheimer Kiesgrube sei in den vergangenen Jahren der Nachwuchs ausgeblieben. Wenn die Wechselkröten nicht bald Nachkommen hätten, stürben sie im Main-Taunus-Kreis aus - dies wolle seine Umweltbehörde gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die jährlich vom Kreis mit 30.000 Euro bezuschusst werde, unbedingt verhindern, sagt Cyriax.

          ...weil der Louisiana-Krebs sich von dem Laich der Kröte ernährt.

          Es gebe nur noch einige tausend Exemplare an Wechselkröten, berichtet Mauer. Ihr Hauptfeind sei der Louisiana-Krebs, der bis zu 14 Kilometer lange Strecken von Tümpel zu Tümpel zurücklegen könne und der nicht nur pflanzliche Nahrung, sondern auch Schnecken, Frösche und besonders gerne den Laich der Wechselkröte fräße. Über viele Jahre hinweg hätten die Louisiana-Krebse unbemerkt den Nachwuchs der Kröten dezimiert.

          Louisiana-Krebse vermehren sich rasant

          Gemeinsam mit Hasko Friedrich Nesemann, Experte der Hydrobiologie und zufällig Mauers Freund seit Jugendtagen, kam Mauer den Gründen für den Schwund auf die Spur. Die Naturschützer entwickelten einen Rettungsplan. Sie machten sich nachts gemeinsam mit Helfern auf den Weg nach Hochheim, um Körbe an den Laichgebieten der Wechselkröte aufzustellen und die Krebse zu fangen. „Am liebsten essen die Trockenfutter für Frettchen“, berichtet Mauer.

          Die regelmäßigen Kontrollen in den Weilbacher und Hochheimer Kiesgruben führten dazu, dass unterdessen 500 Louisiana-Krebse von den Helfern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gefangen wurden. Seit der Aktion funktioniere auch die Reproduktion der Wechselkröte wieder, sagt Mauer.

          Zusätzlich förderte der Main-Taunus-Kreis das Schaffen neuer Lebensräume für die sogenannte Pionierart Wechselkröte. In den Weilbacher Kiesgruben kooperiert der Kreis mit dem Bauunternehmen Gaul, das neue Gewässer für die Wechselkröte anlegte. Dort findet die bedrohte Amphibienart nun ideale Fortpflanzungsbedingungen vor. Die wachsende Population wird scharf beäugt von den Naturschützern: Denn leider vermehrten sich auch die Louisiana-Krebse schnell - das Aufstellen der Fangkörbe bleibe nach dem erzielten Erfolg deshalb eine regelmäßige Pflicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump redet Corona klein : Welche Gefahr?

          Während Amerika mit mehr als 50.000 Neuinfektionen am Tag einen neuen traurigen Rekord aufstellt, feiert der Präsident die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Gesundheitsexperten warnen indes mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli vor einem Sturm, der sich zusammenbraue.
          Sigmar Gabriel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD

          Gabriels Job bei Tönnies : Die Kunst des Ausschlachtens

          Der frühere Außenminister nennt die Kritik aus der SPD „neunmalklug“. 10.000 Euro im Monat, die er von Tönnies erhielt, seien in der Branche kein besonders hohes Honorar. Doch das Engagement von Sigmar Gabriel für den Fleischfabrikanten wirft einige Fragen auf.
          Durchnässt und ohne den erhofften Erfolg: Bremens Trainer Florian Kohfeldt beim Relegations-Hinspiel

          Enttäuschung in der Relegation : Bremen steht im Regen

          Gegen den Zweitligaklub 1. FC Heidenheim findet Werder im Hinspiel der Relegation kein Erfolgsrezept. Im alles entscheidenden Rückspiel droht dem Bundesliga-Traditionsverein nun ein Debakel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.