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Wechsel in Rewe-Filialen : Heberer springt für Glocken-Bäckerei ein

Wiener Brot? Gegründet wurde das Unternehmen 1891 in Offenbach. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Wiener Feinbäckerei meldet steigende Umsätze. Und übernimmt von der Glocken-Bäckerei zahlreiche Standorte in den Vorräumen von Rewe-Filialen. Auch andere Bäckereien wollen ihre Waren im Sortiment aufnehmen.

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          Auf die Produkte der Wiener Feinbäckerei Heberer werden Kunden künftig im Rhein-Main-Gebiet wieder häufiger treffen. Das Mühlheimer Unternehmen übernimmt zwölf Verkaufsflächen der Glocken-Bäckerei im Vorraum von Rewe-Filialen. Der Kölner Handelsriese hatte im August mitgeteilt, dass sich die zum Konzern zählende Glocken Bäckerei künftig darauf konzentriert, Backwaren für Supermarkt-Regale herzustellen. 110 Verkaufsläden, die hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet liegen und zum geringeren Teil in Rheinland-Pfalz und Bayern, will Rewe an andere Unternehmen abgeben.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Übernahme von gut einem Zehntel dieser Flächen ist für die Wiener Feinbäckerei insofern ein großer Schritt, als sich das Unternehmen mit Sitz in Mühlheim am Main in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert hatte. Zuletzt war von 220 Filialen die Rede gewesen, die Zahl hatte schon einmal mehr als doppelt so hoch gelegen. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren hatte sie sich jedoch auf drei Kernregionen konzentriert, auf Rhein-Main, Berlin und Thüringen, und dabei viele Standorte aufgegeben.

          Umsatzsteigerung höher als geplant

          Nach einer längeren Pause hat das Unternehmen einige Geschäftszahlen mitgeteilt. Demnach war der Umsatz im ersten Halbjahr mit 37 Millionen Euro so hoch wie 2017, im Jahr 2018 war er in den Monaten von Januar bis Juni bis auf 34,7 Millionen gesunken. Die Umsätze für das gesamte Jahr 2018 werden mit 70,8 Millionen Euro beziffert. Zur Frage, ob Heberer auch Geld verdient habe, heißt es in einer Stellungnahme: „Das Betriebsergebnis war 2018 ergebnisneutral, für 2019 wird in der aktuellen Hochrechnung ein Gewinn von knapp 800.000 Euro erwartet – und somit über dem Planansatz.“

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          In einer Pressemitteilung stellt Heberer heraus, zum einen vom ersten Halbjahr 2018 zum ersten Halbjahr 2019 in den Filialen mehr umgesetzt zu haben, nämlich 4,1 Prozent. Zum anderen habe die Firma den Absatz an Großkunden deutlich steigern können, und zwar um 75 Prozent auf nun drei Millionen Euro. Als erfreulich gilt, dass auch andere Bäckereien Produkte von Heberer in ihr Sortiment aufnehmen wollen. „Wir sind auf Kurs“, sagt Alexander Heberer, der geschäftsführende Gesellschaft des Unternehmens. Es gebe eine wachsende Nachfrage nach Premium-Produkten. Darauf habe Heberer konsequent gesetzt.

          Von den Verkaufsflächen im Vorraum von Rewe-Filialen, die die Wiener Feinbäckerei übernimmt, liegen neun in Frankfurt und drei in Offenbach. Das Unternehmen verdichtet sein Filialnetz also dort, wo es ohnedies schon stark vertreten ist. Zudem eröffnet es in der Nähe der Europäischen Zentralbank in der Mainmetropole noch eine weitere Niederlassung. Auch Berlin hat eine weitere Filiale bekommen: Schon im Frühjahr richtete Heberer ein „Szene Café“ am Kurfürstendamm ein. Das Unternehmen kündigte außerdem an, die laufende Sanierung von Filialen fortzusetzen.

          Generationenbetrieb aus Offenbach

          Mit Wien hat die Bäckereikette, die die österreichische Stadt in ihrem Namen trägt, nur sehr entfernt zu tun; der Sohn des Unternehmensgründers war dort zur Ausbildung. Ins Leben gerufen wurde der Betrieb vielmehr 1891 in Offenbach. Geführt wird es heute von der vierten Generation, den beiden Brüdern Georg und Alexander Heberer, die fünfte unterstützt sie schon. Die drei Vertriebsgebiete orientieren sich an den drei Großbäckereien, die in Mühlheim am Main, Weimar und Zeesen bei Berlin liegen, die Filialen finden sich um Umkreis von bis zu 100 Kilometern dieser Werke, um die Logistik überschaubar zu halten.

          Das Geschäftsmodell basiert auf eigenen Filialen, die mit Kommissionären betrieben werden, dem Franchise-Geschäft an Verkehrsknotenpunkten wie großen Bahnhöfen und dem erwähnten Großkundengeschäft. 2015 übernahm das Eschborner Unternehmen SSP Deutschland eine Reihe von Standorten. Derzeit betreibt SSP 31 Standorte der Wiener Feinbäckerei; Kunden dürften das von den eigenen Filialen der Mühlheimer nicht unterscheiden können.

          Die Wiener Feinbäckerei Heberer hatte vor geraumer Zeit dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass sie auf ihren Brötchentüten dafür warb, eine Anleihe des Unternehmens zu zeichnen. 2017 wurde schon eine zweite Anleihe begeben, die mit fünf Prozent verzinst wird und über fünf Jahre läuft.

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