https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/wasseruntersuchungen-multiresistente-keime-in-vier-gewaessern-15330012.html

Wasseruntersuchungen : Multiresistente Keime in vier Gewässern

Trügerische Idylle: Auch eine Wasserprobe aus der Nidda enthielt antibiotikaresistente Erreger. Bild: Maria Klenner

Erstmals sind die Wasserproben, die viermal im Jahr genommen werden, auf die gefährlichen Bakterien untersucht worden. Die Resultate seien kein Grund zur Panik, meint das Gesundheitsamt.

          2 Min.

          Bei Wasseruntersuchungen in allen Frankfurter Bächen und Flüssen sowie im Rebstockweiher hat das Gesundheitsamt in fünf Proben multiresistente Erreger entdeckt. Das hat Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) mitgeteilt. Nachgewiesen wurden die Erreger in der Nidda bei Harheim, im Urselbach vor und nach der Oberurseler Kläranlage, im Königsbach im Frankfurter Stadtwald, der auch Luderbach genannt wird und den Jacobiweiher mit Wasser versorgt, sowie im Rebstockweiher.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ergebnisse sind nach Angaben von Fachleuten für die Bevölkerung kein Grund, alarmiert zu sein oder gar in Panik zu geraten. „Wir sehen keine Notwendigkeit, von unseren bisherigen Empfehlungen im Umgang mit Bächen und Flüssen abzuweichen“, sagt Ursel Heudorf, Hygieneexpertin des Frankfurter Gesundheitsamts. Das Amt rate seit Jahren davon ab, in Oberflächengewässern in Frankfurt zu schwimmen, und empfehle, nach direktem Kontakt mit Wasser oder Schlamm die Hände zu waschen. Nur wenn man diese Grundregeln der Hygiene nicht einhalte, könne man sich „etwas holen“.

          Gleiche Hygieneprinzipien wie am Main

          Für manchen scheint es attraktiv zu sein, in renaturierten Abschnitten der Nidda zu baden – etwa am umgebauten Höchster Wehr – oder an anderen beschaulich wirkenden Bachabschnitten ins Wasser zu steigen. Doch für diese landschaftlich reizvollen Passagen gelten Heudorf zufolge die gleichen Hygieneprinzipien wie etwa am Main. Insgesamt stelle das Vorhandensein multiresistenter Erreger „in Krankenhäusern ein Problem dar, nicht aber im alltäglichen Leben der Menschen“. Nur wenn die Keime in Wunden gerieten oder an die Schleimhäute, könnten sie gefährlich werden und schlimmstenfalls zum Tod führen.

          Erstmals sind die Gewässerproben, die das Gesundheitsamt seit 30Jahren an 19Stellen jedes Vierteljahr nimmt, mithilfe neuer wissenschaftlicher Methoden in der Universität Bonn auf antibiotikaresistente Erreger untersucht worden waren. Anlass für die wegen der Kosten wohl einmalige Untersuchung war der Fall eines Frankfurters, der im Frühjahr in den Eschbach gestürzt und vermutlich dort mit den gefährlichen Keimen in Berührung gekommen war. Nachdem er ins Uniklinikum gebracht worden war, wurde bei ihm der multiresistente Erreger Klebsiella pneumoniae gefunden. Teile der Intensivstation mussten deswegen für Wochen geschlossen werden.

          Für Heudorf ist das Ergebnis der Gewässeruntersuchungen „plausibel“. Es sei bekannt, dass ein Teil der Bevölkerung multiresistente Bakterien im Darm trage. Über die Ausscheidungen gelangten die Keime in die Kläranlagen und von dort auch in die Gewässer. Denn die Kläranlagen desinfizierten das Abwasser nicht.

          Überraschender sei, dass sich die Erreger auch in Gewässern wie dem Königs- und Luderbach sowie im Rebstockweiher fänden, in die kein Klärwasser eingeleitet werde. Mögliche Ursachen sind nach Worten von Gesundheitsdezernent Majer das Düngen mit Gülle, Tierhaltung auf Wiesen am Rand der Gewässer oder aber Wildvögel. Im Fall des Rebstockweihers kommen eigentlich nur letztere in Frage. Heudorf zufolge gibt es mittlerweile Untersuchungen, die belegen, dass etwa Möwen in Spanien und Frankreich multiresistente Erreger in sich tragen.

          Die bei dem Eschbach-Patienten im Frühjahr entdeckte Keimform ist bei den Proben auch wieder dabei gewesen, dieses Mal allerdings im Urselbach. Nun soll untersucht werden, ob es sich tatsächlich um den identischen Erreger handelt.

          mch.

          Weitere Themen

          Schlicht genial

          Designer Dieter Rams wird 90 : Schlicht genial

          Dieter Rams ist einer der bedeutendsten Gestalter unserer Zeit. Seine Entwürfe von Audioanlagen, Haushaltsgeräten, Möbeln, Reiseweckern und Taschenrechnern haben Geschichte geschrieben. Nun wird er 90 Jahre alt.

          Wo auch die Häuser unterwegs sind

          Der Wandertipp : Wo auch die Häuser unterwegs sind

          Diesmal führt der Wandertipp in den Odenwald und zu einem Gebäude, das als das älteste Bauernhaus im Odenwald gilt. Der Ausgangsort Kirchzell liegt im Gabelbachtal.

          Topmeldungen

          Eine zerstörtes Gebäude in Mariupol

          Was in der Nacht geschah : Selenskyj spricht von „Hölle“ im Donbass

          Die Kämpfe zwischen russischen und ukrainischen Truppen gehen vor allem im Osten der Ukraine im Donbass weiter. Die Befehlshaber des letzten militärischen Widerstands der Ukraine in Mariupol befinden sich nach eigenen Angaben immer noch im Stahlwerk Asowstal. Die Nacht im Überblick.
          Ein 9-Euro-Ticket auf einer App auf einem Smartphone 11:01

          F.A.Z. Frühdenker : Wird der Bundesrat dem 9-Euro-Ticket zustimmen?

          Beim Besuch des Emirs von Qatar bei Kanzler Scholz in Berlin dürfte es um das Thema Flüssiggaslieferungen gehen. Der Bundesrat soll grünes Licht für das 9-Euro-Ticket geben. Und ein Unwetter fegt über Deutschland hinweg. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis