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Was sagen Muslime zum Salafismus? : „Dem Islam nach darf sich niemand zum Richter machen“

  • -Aktualisiert am

Salafisten geben kostenlose Koran-Exemplare an Passanten aus. Bild: dpa

Der radikale Salafismus scheint unter Muslimen kein wichtiges Thema zu sein. Er ist weit weg von der gängigen religiösen Praxis. Aber es gibt auch warnende Stimmen.

          Portikus? Was das ist, möchte die junge Kopftuchträgerin wissen. Dass es in ihrer Stadt eine Kunsthalle mit diesem Namen gibt, wusste sie bis eben noch nicht. Als sie erfährt, was sich dort am Samstag vor einer Woche ereignet hat, schüttelt sie den Kopf. Wie ein Kunstwerk mit einem Koran aussehen könnte, kann sich die aus Marokko stammende Muslimin nicht vorstellen – genauso wenig aber auch, dass jemand auf die Idee kommt, ein Kunstwerk zu zerstören, um das gedruckte Wort Gottes zu entwenden. „Der Koran ist heilig, auch von Kunst kann er nicht entweiht werden“, sagt die Passantin auf der Zeil. Sie gibt zu verstehen, dass sie kein Verständnis für die Täter hat, die aus einer Kunstinstallation im Portikus, die aus einem Koran, einer Bibel und dem Talmud bestand, den Koran klauten und flüchteten.

          Auch von dem Vorfall im Jugendzentrum im Gallus hat die junge Frau nichts mitbekommen. Und was Salafisten sind, weiß sie auch nicht. Hingegen ist sie sich sicher, dass Menschen, die „echte Muslime“ seien, anderen nicht vorschreiben würden, wie sie sich zu kleiden und zu verhalten hätten. „Das hat doch mit unserer Religion überhaupt nichts zu tun.“

          Viele Muslime wissen wenig über Salafisten

          Sie ist 34 Jahre alt und vor 13 Jahren als Braut aus Marokko nach Frankfurt gekommen. Zunächst zeigt sie sich ablehnend, doch dann lässt sie sich auf ein Interview mit dieser Zeitung ein; nur namentlich erwähnt werden möchte sie nicht. Das wollen auch all die 20 anderen Passanten nicht, die – wenn auch nicht auf Anhieb – der Bitte um ein Gespräch nachkommen.

          Wie die Vierunddreißigjährige haben die meisten der auf der Fußgängerzone angesprochenen Muslime weder von dem Vorfall im Portikus noch von dem drei Wochen zurückliegenden Ereignis in einem Jugendzentrum in Gallus mitbekommen. Und was mit dem Begriff „Salafist“ gemeint sein könnte, weiß auch kaum einer. Der ein oder andere hat aber „mal gehört“, dass es eine Ausrichtung gibt, die in der islamischen Welt mit dem arabischen Wort „Salafiye“ bezeichnet wird. Was genau diese Gruppierung ausmacht und welche Ideologie sich dahinter verbirgt, ist den aus Bangladesch, Marokko, Tunesien, der Türkei und Jordanien stammenden Gesprächspartnern nicht bekannt.

          Salafisten - auch ein Thema für Muslime?

          Von dem mutmaßlich religionsideologisch motivierten „Kunstraub“ aus dem Portikus und der Schließung des Jugendheims nach der Bedrohung einer Sozialarbeiterin im Gallus durch eine Gruppe von Jugendlichen aus der salafistischen Szene heißt es, dass sie derzeit „das“ Stadtgespräch seien. Ob das auch ein Thema für Muslime in Frankfurt ist? Dieser Eindruck entsteht jedenfalls nicht, wenn man sich bei muslimischen Bürgern in der Stadt und in Moscheegemeinden umhört.

          Gerade einmal zwei der in der Fußgängerzone befragten Muslime haben die Nachrichten über die beiden Ereignisse verfolgt. „Haben sie gut gemacht, die Brüder. Der Koran ist heilig und gehört nicht auf den Fußboden. Wenn ich den Brüdern begegnen würde, dann würde ich ihnen die Hand küssen“, erklärt eine junge Frau, die ein weites schwarzes Gewand trägt, das sie vom Kopf bis Fuß verhüllt. Die Siebenundzwanzigjährige ist Tochter türkischer Einwanderer und gebürtige Frankfurterin. Für die Ganzkörperverschleierung hat sie sich vor einem Jahr entschieden. „Ich will ins Paradies“, sagt sie, ohne nach dem Grund ihrer Verhüllung gefragt worden zu sein.

          Ein Muslim bevormunde niemanden

          Dass den jungen Männern die Garderobe der Sozialarbeiterin missfiel, kann sie nachvollziehen. „Schauen Sie sich doch mal auf den Straßen um, wie Frauen gekleidet sind: Der Busen hängt fast raus, und an Hosen zeichnet sich der Umriss der Schamlippen ab.“ Es sei doch kein Wunder, wenn Männer durchdrehten.

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