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Frankfurter Eintracht : Ein bisschen Spaß muss sein

Optimist: Timothy Chandler verliert seine gute Laune so schnell nicht. Bild: Jan Huebner

Viel Zeit, um den Frust vom Wochenende zu verarbeiten, bleibt nicht: Gegen Arsenal muss die Eintracht ein anderes Gesicht zeigen, wenn sie erfolgreich sein will. Kostic ist wieder fit.

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          Am freien Nachmittag hat Timothy Chandler die Zeit gefunden, um sich auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Das Spiel des FC Arsenal beim FC Watford schaute sich der Eintracht-Profi am Montag daheim vor dem Fernseher als Aufzeichnung an. Was er dabei zu sehen bekam, versetzte den 29 Jahre alten Spieler nicht unbedingt in Angst und Schrecken. Die Gunners kamen bei ihrer Generalprobe für den Europapokal-Auftritt in Frankfurt über ein 2:2 beim Tabellenletzten der Premier League nicht hinaus.

          Neben den Stärken in der Offensive um den Doppeltorschützen Pierre-Emerick Aubameyang gehören auch immer wiederkehrende Aussetzer in der vom ehemaligen Dortmunder Sokratis mit dirigierten Abwehr zu den Erkennungszeichen einer Mannschaft, die Chandler zwar als „Favorit“ in der kommenden Begegnung bezeichnete – wobei er gleichzeitig auch zu verstehen gab, dass sich er und die Kollegen aus der Außenseiterrolle heraus durchaus zutrauen, für ein erstes Achtungs-Ergebnis in der Gruppe F zu sorgen: „Jeder bei uns ist entsprechend fokussiert“, sagte der Routinier, der unlängst seinen Vertrag bis Mitte 2022 verlängerte.

          „Die ganze Mannschaft war nicht gut“

          In der vergangenen Saison, als es der Eintracht glückte, bei ihrem internationalen Siegeszug bis ins Halbfinale des Wettbewerbs vorzustoßen, saß Chandler als staunender Beobachter auf der Tribüne. Eine Knieverletzung setzte ihn für Monate außer Gefecht. Sein Comeback in der Startformation am Samstag in Augsburg genügte nur in Ansätzen erstklassigen Ansprüchen.

          Chandler zählte als Linksaußen zu den Schwachpunkten eines Teams, das in der ersten Halbzeit den schnellen Vorstößen des Konkurrenten nicht gewachsen war und in der zweiten – nach Umstellungen im zentralen Mittelfeld – aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu wenig Nutzen zog. Chandler nannte es nachvollziehbar, dass die Leistung auf Kritik stieß, weil sie nichts mit dem zu tun hatte, zu was die Eintracht eigentlich im Stande sei. „Die ganze Mannschaft war nicht gut“, lautete seine Einschätzung. Zugleich sprach er davon, dass die 1:2-Niederlage kein Weltuntergang bedeute, „so was passiert mal“, meinte Chandler, „wir haben ja nicht 0:10 verloren“. Nun komme es darauf an, rasch zu regenerieren und „weiter zu arbeiten“, um mit einem berechtigten Gefühl der Zuversicht in eine Englische Woche gehen zu können, in der zum Ausklang auch noch das knifflige Duell mit dem Tabellenzweiten der Bundesliga, Borussia Dortmund, zu bewältigen ist.

          Adi Hütter, der Coach der Eintracht, legte am Montag sichtbar Wert darauf, dass bei seinen Leuten nach einem ernüchternd verlaufenen Wochenende der Spaß an der Sache nicht zu kurz kommt. Auf drei Feldern wurde auf dem Rasen vor dem Waldstadion Fußballtennis gespielt, wobei so manches technisches Kabinettsstückchen für Szenenapplaus sorgte, während Ausrutscher und Fehltritte für Gejohle in der Truppe sorgten. Vor allem dort, wo Chandler mit von der Partie war, herrschte ausgelassene Stimmung. Sein Dreier-Team, zudem auch Gelson Fernandes und David Abraham gehörten, erwies sich bei der Geschicklichkeitsübung auf kleinem Raum als besonders clever und zielstrebig.

          Filip Kostic ist wieder fit

          Die „alten Herren“, wie Chandler sich und die Mitstreiter bezeichnete, mussten bei der Competition nach dem Modus „Jeder gegen Jeden“ nur den Youngstern Nils Stendera und Sahverdi Cetin (beide 18 Jahre), die zusammen mit dem sieben Jahre älteren Dominik Kohr ein noch raffinierteres Trio bildeten, den Vortritt lassen. Während Gonçalo Paciência und Mijat Gacinovic aus Gründen der Belastungssteuerung individuelle Programme absolvierten, meldete sich Filip Kostic wieder einsatzfähig zurück. Der Serbe, der am Wochenende erkrankt passen musste und von Chandler nicht adäquat ersetzt werden konnte, ließ es bei seinem Wiedereinstieg (zusammen mit Dejan Joveljic und Marijan Cavar) noch zurückhaltend angehen, wofür sie sich einen Rüffel von Ko-Trainer Christian Peintinger einhandelten. Chandler äußerte sich hinterher dagegen in wohlwollenden Tönen über den 26-Jährigen: „Für uns ist er wirklich sehr wichtig. Ich bin froh, dass er wieder fit ist.“

          Sollte Kostic keinen gesundheitlichen Rückschlag erleiden und an den kommenden Tagen mehr Elan zeigen, dürfte er bei Hütter wieder gesetzt sein – was auch für Chandler Folgen hätte, der dann außen vor wäre. Er, den sie aufgrund seines sonnigen Gemüts in der Kabine besonders schätzen, machte aber nicht den Eindruck, dass sein persönliches Wohlbefinden ausschließlich von einer Nominierung für die erste Elf abhängt: „Das Stadion wird laut sein, es wird wieder eine Choreo geben. Auf solche Abende freuen wir uns alle.“ Für den Anhang der Eintracht gilt das im gleichen Maße. Die erste von mindestens drei Partien vor eigenem Publikum in der Gruppenphase ist seit Wochen ausverkauft: 48000 Zuschauer werden im Stadtwald am Donnerstag vor Ort sein.

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