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Neuer Limburger Bischof : Integrieren, nicht polarisieren

  • -Aktualisiert am

Tatendrang: „Ich will alles geben“, sagt der künftige Limburger Bischof Georg Bätzing Bild: dpa

Eine immer kleiner werdende Kirche, sozialer Einsatz, Krisenmanagement: Auf den neuen Limburger Bischof kommen viele Aufgaben zu.

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          „Ich will alles geben.“ Eine markige Formulierung, aber so gehört es sich wohl für jemanden, der ein herausforderndes Amt antritt. Georg Bätzing hat diesen Satz in seiner ersten Stellungnahme nach seiner Ernennung zum Limburger Bischof gesagt. Der Tonfall war aber fast ein wenig zurückhaltend, auf jeden Fall nicht großspurig, und das ist ja auch schon einmal eine Eigenschaft, die Kirchenführern gut ansteht.

          Alles geben zu wollen wird für Bätzing vielerlei bedeuten, denn die Herausforderungen im Bistum sind enorm. Morgen will der Noch-Generalvikar der Bistums Trier seiner neuen Bischofsstadt einen ersten Besuch in seiner neuen Funktion abstatten. Der eine Teil dieser Herausforderungen betrifft die Kirche insgesamt, der andere ist hausgemacht.

          Die Chance, ihnen zu begegnen, hat der 55 Jahre alte Bätzing, bis zum für Bischöfe vorgesehenen Ruhestandsalter liegen in seinem Fall 20 Jahre. Vorausgesetzt, er geht nicht vorzeitig, kann der neue Bischof also einiges bewegen.

          Starker Mitgliederschwund

          Eine Frage, die ihn vermutlich lange, wenn nicht die ganze Amtszeit beschäftigen wird, ist die nach der Gestalt von Kirche angesichts des demographischen Wandels. Das Bistum ist in den vergangenen gut zehn Jahren um 50.000 auf rund 638.000 Mitglieder geschrumpft.

          Das und der Priestermangel zwingen inzwischen jede Diözese dazu, auch die Trierer, die Pfarreistrukturen zu ändern. Bätzing wird sich die teils schon vollzogene, in anderen Fällen noch anstehende Bildung von Großpfarreien, die im Bistum von seinem Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst ins Werk gesetzt worden ist, anschauen und erwägen, welche Akzente er setzen will.

          Bätzing wird dabei die dem Bistum eigene Spannung zwischen Frankfurt als Metropole, Limburg als Bischofssitz und den eher kleinstädtisch und ländlich geprägten Regionen erfahren. Die Gegensätze und damit verbundenen Herausforderungen für die Seelsorge dürften im Bistum Limburg stärker aufeinanderprallen als im Bistum Trier.

          Einen „guten Draht“ zu kirchlichem wie städtischem Leben in Frankfurt zu finden ist für Bätzing unerlässlich, nicht zuletzt, weil dort auch die Akademie der Diözese ihren Sitz hat. In Frankfurt und auch in Wiesbaden entscheidet sich täglich neu, welchen Platz die Kirche in einem weitgehend säkularisierten und zugleich multireligiösen Umfeld finden und behaupten kann. Davon, wie dialogfähig der Bischof ist, hängt viel ab.

          Zumal in Frankfurt, aber auch im ganze Bistum spielt die Hinwendung zu Armen eine bedeutende Rolle, was nicht zuletzt ein Erbe des früheren Bischofs Franz Kamphaus ist. In der Diözesansynode des Bistums Trier, die vor kurzem zu Ende ging und in der Bätzing Mitglied war, spielte auch diese „sozialpolitische“ Dimension der Kirche eine wichtige Rolle.

          Mit Verweis auf ein Wort von Papst Franziskus findet sich in den Empfehlungen des Abschlussdokuments der Synode der Satz, die Kirche von Trier lasse sich von Menschen in Armut, Bedrängnis und Not berühren, „handelt mit ihnen solidarisch und lässt sich von ihnen evangelisieren“. Sollte Bätzing sich Worte wie diese zu eigen machen und ihnen Taten folgen lassen, wäre das ein wichtiges Signal in sein neues Bistum, nicht zuletzt für den großen Caritasverband.

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