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Mentalmagier Nicolai Friedrich : Münzentrick statt Monstertruck

  • -Aktualisiert am

Zauberer Nicolai Friedrich ist vom 25. Dezember bis 2. Februar im Frankfurter Zeltpalast am Waldstadion zu sehen. Bild: Francois Klein

Der Mentalmagier Nicolai Friedrich kommt ohne schwergewichtige Technik aus – und eines seiner Kunststücke sollte keinesfalls schiefgehen .

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          Könnte Nicolai Friedrich, Deutschlands bester Mentalmagier, tatsächlich die Lottozahlen voraussagen, würde er sich jetzt vermutlich an einem Pool in der Karibik von schönen Girls Drinks reichen lassen und nicht in einem Zelt am Waldstadion über die Feiertage zweimal am Tag gegen Geld seine Nummern vorführen. Zum Beispiel den phänomenalen Lotto-Trick.

          Friedrich lässt sich von sechs Zuschauern ihre Lieblingszahl zurufen und schreibt sie mit dickem Filzstift für jeden sichtbar auf einen großen Block. Danach darf ein Besucher aus einem mit kleinen Bällen gefüllten durchsichtigen Behältnis auch noch die Zusatzzahl ziehen. Anschließend reicht der Zauberer dem Gast seine Geldbörse, auf dass er dieser einen ausgefüllten Lottoschein entnehme. Zu aller Verblüffung sind hier die sechs richtigen Zahlen nebst Zusatzzahl angekreuzt.

          Geheimnis der Tricks bleibt bewahrt

          Man sollte am besten nicht fragen, wie Friedrichs Tricks funktionieren, denn alles Grübeln hilft hier nicht weiter. Es sei denn, man hat das Buch des verstorbenen Frankfurter Magiers Thomas Hierling über Close-up-Zaubern gelesen, das Friedrich einst den Weg in die Profi-Zauberei gewiesen hat. Dass er aber keine magischen Kräfte hat wie Harry Potter, sondern dass seine Kunststücke auf einem Trick beruhen, daran lässt der aus Friedrichsdorf stammende und mittlerweile mit seiner Familie in Bad Homburg wohnende Friedrich keinen Zweifel. „Ich kann nicht wirklich zaubern“, verrät er selbstironisch dem Publikum.

          Schon lange richtet sich Friedrich nicht mehr nach Zauberbüchern, in denen Tricks vorgestellt werden. Vielmehr kreiert er eigene Illusionen, an denen er manchmal jahrelang arbeitet. Diese Nummern gibt er nicht einmal in Veranstaltungen des Magischen Zirkels preis, sie bleiben vielmehr sein Berufsgeheimnis. Friedrich verkauft auch keine Tricks an Kollegen, es sei denn, David Copperfield ruft an. Das hat dieser Meistermagier tatsächlich einmal getan, vor vielen Jahren, als Friedrich noch ein unbekannter Zauberer aus der Provinz war.

          Copperfield war schwer beeindruckt von Friedrichs Mona-Lisa-Trick, bei dem Leonardos berühmtes Gemälde als Ravensburger Puzzle auf der Bühne steht. Es fehlt ihm freilich ein Teilchen, das im Verlauf der Nummer ein zufällig ausgewählter Zuschauer aus einem Beutel von 1500 Puzzlestücken herausgreift. Der Großzauberer aus Las Vegas erwarb die Rechte an Friedrichs Trick, und der Hesse wurde, nachdem in der Presse über den Deal berichtet worden war, in kurzer Zeit zu einer Bühnenberühmtheit. „Das war der Ritterschlag“, erinnert sich Friedrich, der in Frankfurt Jura studiert hat und den Beruf des Rechtsanwalts ausüben darf – sofern er einmal des Zauberns überdrüssig sein sollte.

          Die halbe Welt verzaubert

          Friedrich hat mittlerweile die großen Säle in Deutschland bespielt und darüber hinaus die halbe Welt bezaubert. Die Branche überhäufte ihn mit Preisen: 2009 errang er bei der Weltmeisterschaft in Peking den ersten Preis in Mentalmagie, in Las Vegas hat er den renommierten Siegfried-&-Roy-Preis zugesprochen bekommen, zudem wurde er 2010 zum „Künstler des Jahres“ im Fach Zauberei ernannt. Der Dreiundvierzigjährige ist auch schon bei Mercedes, der Deutschen Bank, der Deutschen Börse und anderen bekannten Unternehmen aufgetreten.

          Derzeit kann er mit der S-Bahn zur Arbeit fahren – am Waldstadion steigt er aus. „Das Zelt hier gefällt mir besser als Las Vegas“, sagt er. Sein Programm hier sei neu, es enthalte mit einer Ausnahme komplett andere Nummern als auf der vorigen Tournee. So hat er einen Klassiker der Zauberkunst aufgebaut: die Teleportation von Münzen aus der Hand einer Zuschauerin in ein einige Meter entferntes Glas, wobei er auf das kleine Glas, in das die Münzen fallen, ein großes Glas setzt und auch noch ein Tuch darüber zieht.

          Theoretisch könnte Friedrich auch Großtricks vorführen, also wie etwa die Ehrlich Brothers einen Monstertruck auf die Bühne zaubern oder wie Copperfield durch die Halle fliegen. Doch er bevorzugt die Handzauberei und Mentaltricks, bei denen er auf Materialschlachten und Großbildschirme verzichten kann. „Ich vermeide Kisten und Kästen“, sagt Friedrich, der aber in seinen Shows schon Zuschauerinnen schweben ließ oder Jungfrauen zersägte. In seiner Zeltshow zerschneidet er freilich nur das Bild einer Frau und setzt es auf zauberhafte Weise wieder zusammen.

          Unternehmen buchen den Magier gerne

          Gebucht wird Friedrich gerne von Unternehmen für Seminare, in denen er Manager und Mitarbeiter darüber aufklärt, wie die menschliche Wahrnehmung funktioniert und wie sie sich täuschen lässt. Es geht darin um Körpersprache, die mentale Beeinflussung anderer und um die Funktionsweise des Denkens.

          Doch am liebsten steht er wie jetzt im Zelt vor einem Publikum und bringt es zum Staunen. Etwa mit dem Nagel-Trick. Es geht dabei zu wie beim Hütchenspielen. In einer von vier Tüten ist ein aufrecht stehender Nagel versteckt. Friedrich wirbelt diese Tüten durcheinander, ein Zuschauer deutet auf die Tüte, in der er diesen Nagel versteckt glaubt, der Magier haut mit seiner Faust auf das Behältnis aus Papier.

          Diese Nummer kann leicht schiefgehen, wie man in einem während der Show gezeigten Film sieht, in dem diverse Möchtegern-Zauberer den Trick mit einem durch die Hand gebohrten Nagel beenden. Friedrich dagegen ist zumindest bei der Demonstration der Illusion während einer Probevorführung im Zauberzelt am Stadion mit heiler Hand davongekommen. Jetzt muss er dort noch in etlichen Shows die Tüten ohne den Nagel finden. Ansonsten drohen das Karriereende und der finanzielle Absturz. Denn Friedrich hat seine kostbaren Hände nicht versichert.

          Nicolai Friedrich tritt noch bis zum 12. Januar im Zeltpalast am Waldstadion auf.

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