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Gewinner und Verlierer : Tiere in der Stadt, Menschen im Wald

Gewinner: Die Füchse profitieren von den neuen Lebensbedingungen in der Corona-Pandemie. Bild: Frank Röth

Füchse nutzen die Abwesenheit des Menschen, um ungehemmt ihre Reviere zu markieren. Tauben in Frankfurt hingegen leiden eher unter der Pandemie.

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          Was war denn das? Ein Eichhörnchen auf dem Balkon im zweiten Stock am vielbefahrenen Oeder Weg? Ohne einen Baum, der als Aufstiegshilfe hätte dienen können? Oder war es nur der Geist dieses „Schattenschwanzes“, wie sich sein lateinischer Name „Sciurus vulgaris“ übersetzen lässt. Ein kurzer Augenblick, und schon ist der puschelige Wicht verschwunden. Hat es sich aus der Hindemith-Anlage auf der anderen Straßenseite herübergetraut, weil weniger Autos unterwegs sind als sonst?

          Claudia Schülke
          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Vorsicht“, warnt Sebastian Lotzkat, „keine falschen Kausalitäten.“ Der Biologe, eigentlich Experte für Amphibien und Reptilien, hat 2016 ein Buch über „Die Landflucht der Wildtiere“ publiziert und sich dabei auf die Frankfurter Fauna kapriziert. Jetzt mahnt er zur Vorsicht und vor übereilten Schlüssen.

          Verschnaufpause für die Frankfurter Fauna

          Aber auch im Palmengarten sind die Eichhörnchen vorwitzig geworden. „Mitte März kamen sie vermehrt zum Spielen auf die großen Freiflächen raus“, sagt die Direktorin Katja Heubach. Die drei Gänsearten, Kanada-, Streifen-, und Graugans, die neben der „entenartigen“ Nilgans alle freiwillig eingeflogen sind, „scheinen weniger gestresst und ruhiger zu sein“, meint Heubach. Tina Baumann, im Grünflächenamt zuständig für den Frankfurter Stadtforst, bestätigt, dass Eichhörnchen lernfähig seien und das Erlernte auch an ihren Nachwuchs weitergäben. „Sie können ihren Bewegungsradius jetzt ausdehnen.“

          Natürlich sei der Corona-Shutdown eine Verschnaufpause für die Frankfurter Fauna, meint auch Lotzkat: „Wir nerven weniger.“ Die Mäuse in den U-Bahn-Stationen müssten nicht dauernd vor den Passanten fliehen. „Scheue Wildtiere können sich ein bisschen locker machen“, flapst der Biologe. Auch bedeuteten weniger Autos höhere Überlebenschancen für Igel. Doch außergewöhnliche Meldungen seien ihm nicht zu Ohren gekommen.

          Da weiß Rainer Vollweiter mehr: „Der Ostend-Biber von der Franziusstraße hatte sich in den ersten Tagen des Shutdowns bis in die Wallanlagen in der Nähe des Rechneigrabens vorgewagt“, berichtet der Biologe vom Umweltamt. Dort sei das Tier von der Polizei in einen Transportkäfig verfrachtet und wieder in die Nähe seiner Burg zurückgebracht worden. Vollweiter verweist aber ebenfalls auf den zusätzlichen Stress für die Tiere im Frankfurter Grüngürtel und in den Grünanlagen, die in den vergangenen Wochen besser besucht waren als sonst üblich in den Frühjahren.

          Auch Andreas Malten, Biotop-Kartierer am Senckenberg-Institut, spricht von „mehr Störungen“ durch Menschen im Grünen. Allerdings hat er auch eine Erfolgsmeldung aus dem südlichen Vorhof von Frankfurt: „Am Langener Waldsee brüten zum ersten Mal Flussregenpfeifer. Bisher hatten sie dort nur gebalzt, und dann ging spätestens Ende Mai die Badesaison los.“ Noch sei der Badesee gesperrt, und nach drei Wochen seien die Nestflüchter auch aus dem Gröbsten raus.

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