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Wirtschaft nach Corona : Die Krise macht Tempo

Drohende Schließungen: Auch die Häuser in Frankfurt könnten bald geschlossen werden (Symbolbild). Bild: dpa

Die Corona-Krise beschleunigt so einige Prozesse in der Wirtschaft. Wer wissen will, wie die Welt nach der Pandemie aussieht, sollte beobachten, welche Entwicklungen an Fahrt aufnehmen.

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          Es ist in der Corona-Krise zum Volkssport geworden, angestrengt darüber nachzudenken, wie sich wohl danach das Leben dauerhaft verändern werde. Mehr Homeoffice? Weniger Flugreisen? Mehr Online-Handel? Viel spricht dafür, dass es mit den Krisenfolgen genauso ist wie mit den Krisen selbst: Sie kommen ganz unverhofft aus der Tiefe des Raums. Da wurden nun nach der Finanzkrise 2007/2008 die Banken bis an die Grenze des Erträglichen kujoniert – und dann ist es ein Virus, das die Weltwirtschaft bezwingt. Genauso gut kann es sein, dass nach Corona genau so wenig zu Hause gearbeitet wird, genauso viel geflogen wird und die Kundschaft doch wieder die Geschäfte stürmt. Und die Welt sich dennoch verändert. Auf eine unerhörte Weise, die wir bisher nicht ahnen.

          Was sich bisher allenfalls sagen lässt: Die Krise beschleunigt, was vorher schon angelegt war. Und sie erzwingt die Rückbesinnung auf die Grundlagen der Gesellschaft. Zwei Beispiele dazu aus der Wirtschaft. Niemand hatte geglaubt, dass der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof auf Dauer in vielen Orten zwei Häuser nebeneinander bestehen lassen würde. In normalen Zeiten wäre aber der Konzentrationsprozess schrittweise vorangeschritten. Nach dem, was am Freitag bekanntgeworden ist, könnte es nun ganz schnell gehen, was Frankfurt mit den beiden Häusern an der Zeil ebenso treffen könnte wie das Main-Taunus-Zentrum.

          Doch keine Welt ohne Wachstum

          Zur Rückbesinnung auf das Wesentliche gehört, wenn man auf die Wirtschaft blickt, dass nun Wachstum wieder zählt. Seit 2010 schien es, als blühe die Wirtschaft von allein, als lasse sie sich immer neuen Belastungstests unterziehen, die sie aber alle meisterte. Die ganz Schlauen meinten sogar, eine Welt ohne Wachstum sei möglich. Jetzt aber schauen alle, wie sich das Bruttoinlandsprodukt entwickelt, wann es wenigstens wieder in die Nähe des Vor-der-Krise-Niveaus kommt. Neue Auflagen verbieten sich, eine wohlverstandene Deregulierung ist das Gebot der Stunde.

          Wer wissen will, wie die Welt nach der Corona-Pandemie aussieht, sollte schauen, welche Entwicklungen, die schon vorher angelegt waren, an Tempo gewinnen, und welche Fundamente überhaupt erst wieder befestigt werden müssen, bevor es weitergeht. Was darüber hinaus noch kommt, weiß aber gegenwärtig niemand. Und schon gar nicht, wo denn überhaupt eine wiederum nächste Krise in einigen Jahren einschlagen könnte. Fest steht nur: mit Lagerhallen voller Atemmasken und Desinfektionsmittel wird ihr kaum beizukommen sein.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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