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Hessens Hochschulen in 2016 : Starke Forscher, schwache Hiwis

Mausmodell: Das Hochschulgesetz erlaubt Tierversuche zu Forschungszwecken nur noch, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Bild: AP

Für junge Wissenschaftler öffnen sich neue Karrierewege, aber ihre ersten Hilfsdienste leisten sie wohl auch künftig ohne Tarifvertrag: Was das neue Jahr den Hochschulen bringt.

          Was ist neu im Hessischen Hochschulgesetz?

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zur Freude der Fachhochschulen - und zum Ärger der Universitäten - kann das Wissenschaftsministerium forschungsstarken Fachrichtungen an einzelnen FHs jetzt das Promotionsrecht verleihen. Die Erlaubnis, den Doktortitel zu vergeben, ist befristet und an Bedingungen geknüpft; wie Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) beteuert, wird sehr genau geprüft werden, ob ein Institut oder Fachbereich den wissenschaftlichen Anforderungen genügt (siehe auch nächste Frage). Die im November beschlossene Novelle des Hochschulgesetzes wertet die Fachhochschulen auch verbal auf: Sie heißen jetzt offiziell „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“.

          Zum Auslaufmodell geworden ist mit der Überarbeitung des Gesetzes die Juniorprofessur. Sie wird ersetzt durch die Qualifikationsprofessur: Nachwuchsforschern kann bei der Berufung auf eine solche Stelle zugesagt werden, dass ihre Professur dauerhaft in eine höhere Besoldungsgruppe übertragen wird, sofern sie sich in Forschung und Lehre bewähren. Diese Probezeit kann maximal sechs Jahre dauern.

          Mehr Gewicht verschafft die Novelle dem Tierschutz an den Hochschulen. Tierversuche in der Forschung sind demnach nur zulässig, wenn sie nicht durch andere Verfahren ersetzt werden können. Das steht so auch schon längst im Tierschutzgesetz, doch die schwarz-grüne Regierung will dieser Vorschrift durch die Aufnahme ins Hochschulgesetz noch mehr Gewicht verschaffen. Über ihren Umgang mit Tieren müssen die Wissenschaftler Berichte anfertigen, die den Hochschulsenaten vorzulegen sind. Manche Forscher fürchten, dass durch die Verschärfung des Gesetzes der bürokratische Aufwand bei Tierversuchen noch größer werden könnte.

          Überhaupt wollen einige Beobachter in der Novelle Bestrebungen erkennen, die Hochschulen wieder stärker unter ministerielle Aufsicht zu stellen, nachdem Hessen bisher - vor allem mit den Sonderregeln für die Universitäten Darmstadt und Frankfurt - in Sachen Autonomie deutschlandweit eine Pionierrolle gespielt hat. Zu den Mahnern gehört der frühere Frankfurter Uni-Präsident Werner Müller-Esterl: Er moniert unter anderem, dass das Land nun wieder stärkeren Einfluss auf den Haushaltsplan der Goethe-Universität nehmen könne. Der Sprecher des Wissenschaftsministeriums weist solche Kritik zurück: Vom Kurs der Hochschulautonomie werde „keinen Grad“ abgewichen. In Budgetfragen habe das Land nur dann das letzte Wort, wenn die Gremien der Universität sich nicht einigen könnten.

          Wann werden die ersten Doktortitel an Fachhochschulen verliehen?

          Bevor es so weit ist, müssen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften erst einmal mit dem Land klären, was genau unter „forschungsstark“ zu verstehen ist. Hierzu laufen derzeit Gespräche. Der Sprecher der Hochschule Darmstadt erwartet, dass das Ministerium noch im ersten Quartal dieses Jahres Kriterien für die Vergabe des Promotionsrechts veröffentlicht. Innerhalb von zwei Jahren würden die Darmstädter dann gerne ihren ersten Antrag stellen. Derweil benennen manche Fachhochschulen schon Abteilungen, die sie für besonders leistungsstark halten. Die Frankfurt University of Applied Sciences etwa betreibt nach eigener Einschätzung unter anderem auf den Gebieten Soziale Arbeit, Logistik und Mobilität herausragende Forschung. Was die Soziale Arbeit angeht, so wird gerade über den Aufbau eines gemeinsamen Promotionszentrums der Hochschulen Frankfurt, Rhein-Main und Fulda gesprochen.

          Zurückhaltend äußert sich die Technische Hochschule (TH) Mittelhessen. Ihr Sprecher verweist darauf, dass es bei Promotionen schon gut funktionierende Partnerschaften mit den Universitäten Gießen, Marburg und Darmstadt gebe. Derzeit arbeiteten etwa 85 Nachwuchsforscher der TH an ihrer Doktorarbeit und würden dabei auch von Uni-Professoren betreut. Solche Kooperationen wolle man ausbauen. „Aktuell sehen wir deshalb keinen Anlass, ein eigenes Promotionsrecht anzustreben.“

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