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Belebte und öde Straßen : Hier Geschäfte, dort nur Glasfassaden

Öder Ort: Die Scheiben der Bürohäuser an der Junghofstraße taugen allenfalls als Spiegel Bild: Helmut Fricke

Warum sind manche Straßen in den Stadtzentren verwaist und andere belebt? Der Schlüssel zu dieser Frage liegt im Erdgeschoss.

          300 Meter können ganz schön lang sein. Aber auch ziemlich kurz: An der Münchener Straße im Bahnhofsviertel reihen sich auf 300 Metern zig Geschäfte, Kneipen und Restaurants aneinander. Von der Mosel-Apotheke über Alims Fisch-Imbiss, Schuhmacher Lenz, Bäckerei Heidinger, Merkez Kebab-Haus, Schreibwaren Fleischhauer und O’Reilly’s Irish Pub bis zum Drogeriemarkt Rossmann.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Speicherstraße im Neubaugebiet Westhafen hat auf der gleichen Länge ganze drei Einkehrmöglichkeiten zu bieten, von denen zwei auf einen überschaubaren Kundenkreis abzielen: Im Erdgeschoss eines 150 Meter langen Wohnhauses der städtischen ABG, das mehr Strom produziert als verbraucht, sind eine Energieagentur und der Coiffeur Francisco Villa eingezogen. Sonst gibt es auf der kompletten Gebäudelänge nur Platz für Mülltonnen, Fahrrad- und Autogaragen. Auch gegenüber und im anschließenden Wohnblock: nur Hauseingänge und Wohnungen mit Balkonen auf Straßenniveau. Erst der Rewe-Supermarkt am Ende des Blocks verspricht etwas Abwechslung.

          Kaum einen Grund zu flanieren

          Der Architekt Andreas Krawczyk geht manchmal mit seiner Tochter im Westhafen spazieren. Er wundert sich, dass die Erdgeschosse an der Speicherstraße derart abweisend gestaltet wurden. „Selbst an der Westhafenmole gibt es noch nicht einmal eine Eisdiele.“ Dabei sollten es die Stadtplaner doch eigentlich besser wissen, meint Krawczyk: Alle Straßen, die gut funktionierten, hätten öffentlich zugängliche Erdgeschosse. Doch im Westhafen herrscht noch die klassische Trennung von Leben, Arbeiten und Wohnen. Das nur wenige Jahre alte Neubaugebiet wirkt wie eine Schlafstadt am Rand der Innenstadt.

          Man muss in Frankfurt nicht lange suchen, um belebte und gut funktionierende Straßen zu finden. Die großen Stadtteilstraßen, die eine besondere Versorgungsfunktion für ihre Nachbarschaften haben, zum Beispiel: die Berger Straße, die Schweizer Straße und die Leipziger Straße. Auch der Oeder Weg wirkt mit seinen vielen Geschäften, Kiosken und Restaurants sehr einladend. Selbst die Bürgersteige am Rand der vielbefahrenen und überdimensionierten Berliner Straße sind gut frequentiert. Anders als im Westhafen hat die Stadt im Neubaugebiet Europaviertel darauf geachtet, dass sich an der zentralen Achse, der Europaallee, Einzelhändler und Gastronomen ansiedeln können. Allerdings ist die Allee viel zu breit geraten.

          Turbulentes Treiben: die Berger Straße

          Auch am Gravensteiner Platz im Neubaugebiet Frankfurter Bogen ist ein beliebtes Stadtteilzentrum entstanden, mit Eisdiele und Supermarkt. Doch es gibt auch das krasse Gegenteil: In weiten Teilen des Bankenviertels sind abends nach Geschäftsschluss kaum noch Menschen zu Fuß unterwegs. Die Junghofstraße zwischen Wallanlage und Goetheplatz zum Beispiel ist eine Piste für Autorennen. Passanten finden auf rund 300 Metern Länge kaum einen Grund, hier zu flanieren - und das mitten in der Innenstadt. Von einem Starbucks-Café abgesehen, gibt es auf beiden Seiten nur abweisende Bürofassaden, die teilweise bis zum Bürgersteig mit Spiegelglas verkleidet sind.

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