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Roth über Vermögensteuer : „Es geht nicht gerecht zu“

  • -Aktualisiert am

Politiker Michael Roth will SPD-Vorsitzender werden (Archivbild, 2018 in Skopje). Bild: EPA

Seit 21 Jahren ist Michael Roth Abgeordneter im Bundestag. Jetzt kandidiert der Nordhesse für den Vorsitz der Bundes-SPD. Seine Partei, sagt er, brauche Teamgeist und Orientierung.

          6 Min.

          Sie haben, als Duo zusammen mit der ehemaligen nordrhein-westfälischen Familienministerin und jetzigen Landtagsabgeordneten Christina Kampmann, als Erster Ihre Kandidatur für den SPD-Parteivorsitz bekanntgegeben. War es taktisch klug, sich schon so früh aus den Büschen zu wagen? Mit der Bewerbung von Vizekanzler Olaf Scholz vor zwei Wochen scheint das Rennen doch schon entschieden.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir haben unsere Kandidatur sehr früh erklärt – mit offenem Visier, ganz ohne Taktiererei. Christina Kampmann und ich haben nicht gewartet, bis der Wind günstig steht. Andere Kandidaten lassen sich in die Pflicht nehmen, wir kandidieren aus tiefer Überzeugung mit einem seriösen inhaltlichen Angebot an die Partei. Und nicht zuletzt sind wir das jüngste Team im Wettbewerb. Viele Parteimitglieder sehnen sich nach einem echten Aufbruch, nach frischen Gesichtern. Deshalb ist das Rennen um den Vorsitz noch völlig offen.

          Ihre Kritik am Herumtaktieren in der SPD richtet sich wohl auch gegen Olaf Scholz? Der hat schließlich erst erklärt, er wolle nicht Parteichef werden und ist dann von einem Tag auf den anderen doch noch ins Rennen eingestiegen.

          Ich freue mich über jede ernstzunehmende Kandidatur, die dazu beiträgt, die SPD zu stärken. Am Ende geht es im Wettbewerb um den Parteivorsitz nicht um Prominenz und Bekanntheitsgrad, sondern um ein glaubwürdiges inhaltliches und personelles Angebot. Wir brauchen eine Parteiführung, die Zukunft, Leidenschaft und Zuversicht ausstrahlt. Genau dafür wollen wir stehen, das Team Kampmann und Roth.

          Laut einer Umfrage von vor zehn Tagen liegt Ihr Duo mit sieben Prozent Zustimmung bei den SPD-Mitgliedern deutlich hinter der Kombination Olaf Scholz/Klara Geywitz mit 26 Prozent. Wären Sie auch angetreten, wenn Sie gewusst hätten, dass Olaf Scholz in den Ring steigt?

          Selbstverständlich. Ich habe sogar gehofft, dass sich bekannte und schon seit Jahren in Amt und Verantwortung stehende Politikerinnen und Politiker der SPD bewerben. In der Umfrage liegen die Teams noch nah beieinander. Und 26 Prozent für den zweifellos bekanntesten Kandidaten sind da doch eher bescheiden. Wir freuen uns auf die nächste Woche beginnenden Regionalkonferenzen, bei denen sich die Duos an der Parteibasis vorstellen. Wir stehen erst am Anfang der Kampagne, da wird sich noch ganz viel ändern.

          Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Frau Kampmann, wer hat da wen gesucht und gefunden?

          Christina Kampmann und ich kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit im Bundestag von 2013 bis 2015 und haben uns auch nicht aus den Augen verloren, als sie dann Familienministerin in Nordrhein-Westfalen wurde. Ich habe sie angerufen und gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, mit mir im Team anzutreten. Wir sind dann gemeinsam rasch zu der Erkenntnis gekommen: Wir vertrauen uns, und wir trauen uns diese große Aufgabe zu.

          Michael Roth auf dem Parteitag der SPD in Berlin.

          Ist die Vorgabe, es mögen sich tunlichst geschlechtsparitätisch besetzte Kandidatenduos finden, im Sinne der Sache?

          Ich wäre nicht ohne Christina Kampmann angetreten. Das ist doch gerade das Bereichernde und die Chance einer Doppelspitze, dass sie die Vielfalt und Buntheit einer Partei viel besser widerspiegeln kann. Es wäre doch total rückwärtsgewandt, wenn ein reines Männerteam die SPD führen würde. Wir brauchen mehr Frauen in der ersten Reihe.

          Aus der Tatsache, dass Sie Frau Kampmann angerufen haben, könnte man schließen, dass Sie der Chef im Duo sind?

          Es gibt bei uns keine Chefin und keinen Chef. Wir machen das gemeinsam auf Augenhöhe. Die Partei braucht Führung und Orientierung, aber sie braucht eben auch echten Teamgeist, Offenheit und Fairness im Umgang. Wir wollen mit unserer Kandidatur Anstand und Zusammenhalt glaubhaft vorleben.

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