https://www.faz.net/-gzg-9pzz8

Umweltschützer mahnen : Stadtbäume nicht mit Trinkwasser gießen

  • Aktualisiert am

Trotz der Dürrephase fordern Naturschützer dazu auf, kein Trinkwasser für das Gießen von Bäumen zu nutzen. Bild: Wonge Bergmann

Dürrephasen stellen Städte immer wieder vor die Entscheidung: Sollen sie Grünflächen bewässern oder lieber Wasser sparen? Mit dieser Frage haben sich auch Umweltschützer beschäftigt – und stellen Forderungen.

          2 Min.

          Angesichts der jüngsten Hitze- und Dürrephasen fordern Naturschützer ein Umsteuern bei der Pflege von Bäumen in Hessens Innenstädten. „Die Bewässerung der Bäume im öffentlichen Bereich mit knapper werdendem Trinkwasser sollte soweit wie möglich beschränkt werden“, heißt es in einem Positionspapier des BUND Hessen, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

          Trinkwasser sei ein Lebensmittel und für die Bewässerung zu schade, vor allem in Zeiten der Dürre. Das Gießen der Bäume sei trotzdem nötig, müsse aber anders geschehen, als das bisher oft der Fall sei.

          Der Klimawandel stellt auch Hessen vor Herausforderungen: „Wir werden in den nächsten Jahren mit sinkenden Grundwasserständen rechnen müssen, gleichzeitig leiden Pflanzen und Bäume in Städten, wie auch in der Natur unter Wassermangel“, sagt Julia Stoye, Sprecherin des Umweltministeriums. Nötig ist also eine Balance aus Wassersparen und Bewässerung.

          Bäume haben eine wichtige Funktion

          Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erfüllen Bäume besonders in Städten eine wichtige Funktion: „Ihr Blätterdach spendet Schatten und die Verdunstung von Wasser wirkt der Aufheizung von Städten entgegen.“ Grünachsen mit großen Bäumen verbesserten den Luftaustausch zwischen überhitzten Citys und dem kühleren Umland. Daher befürwortet der BUND Erhaltung und Pflege der Bäume.

          Gehölze dagegen, die keine wesentliche positive Wirkung für das Stadtklima hätten, sollten gar nicht mehr mit Trinkwasser gegossen werden. Das gelte auch für Rasenflächen. „Der Wunsch nach einem grünen Rasen rechtfertigt nicht die Verschwendung von sauberem Trinkwasser, dessen Gewinnung in den Gewinnungsgebieten großflächig ökologische Risiken und sogar Schäden hervorruft.“

          Kein Trinkwasser für die Bewässerung

          Am besten wäre es den Umweltschützern zufolge, wenn Kommunen gar kein Trinkwasser mehr für die Bewässerung verwendeten. Denn die Förderung gefährde teilweise den Fortbestand von Wäldern – zum Beispiel im Hessischen Ried. Daher fordert der BUND: „Die öffentliche Hand muss sicherstellen, dass Bäume nicht mit Trinkwasser, sondern mit Brauchwasser oder wenn möglich mit Flusswasser, zum Beispiel aus dem Rhein, dem Main oder der Fulda, oder mit gering verunreinigtem Wasser bewässert werden.“

          Dazu seien Pläne mit konkreten Mengen und Zeitpunkten der Umstellung nötig. Unter anderem müsse das Rheinwasser-Aufbereitungswerk Biebesheim im Hessischen Ried erweitert werden, um die ökologischen Schäden an den Riedwäldern zu beseitigen und Wasserimporte aus dem Vogelsberg und Mittelhessen zu beenden. Die Main-Wasseraufbereitung müsse saniert und erweitert werden.

          Auch das Land Hessen will die vermehrte Nutzung von Brauchwasser anstoßen – zum Beispiel von Regenwasser oder durch doppelte Leitungssysteme, in denen Brauch-, statt Trinkwasser für die Toilettenspülung genutzt wird. Doch die Verwendung von oberirdischen Wasservorkommen kann an Grenzen stoßen: „Auch Bäche, Flüsse und Seen müssen geschützt werden“, erklärt Stoye. Wenn ihre Wasserstände zu weit absinken würden, müssten Kommunen die Wasserentnahme daraus verbieten, um den ökologischen Zustand nicht zu gefährden.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Nordrhein-Westfalen, Essen: Eine Mitarbeiterin der Pflege in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten.  (Archivbild)

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 10,3

          Das RKI hat seit dem Vortag 1076 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche war der Wert noch mehr als doppelt so hoch. Auch die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen ist kleiner als in der Vorwoche. Weltweit allerdings steigen die Totenzahlen rasant an.
          Naomi Osaka in einem Archivbild von 2019. Die 23-Jährige wird nicht in Wimbledon spielen.

          Nach Rafael Nadal : Auch Naomi Osaka verzichtet auf Wimbledon

          Die 23-Jährige hatte jüngst enthüllt, dass sie unter Depressionen leidet. Zur Olympiade in ihrem Heimatland Japan wolle sie aber antreten. Nach der gesundheitlich bedingten Absage von Nadal fehlt Wimbledon damit ein zweiter Superstar.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.